Ägypten: Wegen Atheismus zu Zuchthaus verurteilt

„Wie viele kluge Studierende stellte Sherif Gaber seinem Professor 2013 kritische Fragen. Als sein Professor sich während einer Vorlesung in antihomosexueller Hetze erging, bemerkte er, Themen sollten nicht von einem religiösen, sondern von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus angegangen werden. Binnen weniger Tage stellten sich alle gegen ihn. Er wurde auf Facebook gestalkt und seine persönlichen Äußerungen zu Meinungsfreiheit und Atheismus wurden gedruckt und in der Universität verteilt. Einige Monate später durchsuchte die Polizei seine Wohnung um drei Uhr morgens, warf Gaber ins Gefängnis und beschlagnahmte seinen Computer, seine Bücher, sein Handy und sein Geld. Als er einer Reihe von ‚Vergehen’ angeklagt wurde, die von der Verachtung der Religion bis zur Verbreitung sittenwidriger Ideen reichten, geriet sein Fall international in die Schlagzeilen. Anfang des Jahres wurde er schuldig gesprochen und zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Seitdem befindet sich der 22jährige Gaber im Untergrund. (…)

‚Ich glaube, alles begann, als ich ein Video sah, in dem eine iranische Frau wegen ihrer Beziehung zu einem Christen zu Tode gesteinigt wurde. Das hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Mir wurde allmählich klar, wie gefährlich Religionen sein können und wie sie das Töten und Foltern in verschiedenerlei Form im Namen Gottes rechtfertigen. Damals habe ich noch gebetet und ich habe beim Beten geweint, weil ich in meinem tiefsten Innern spürte, dass es niemanden gibt, der mich hört. Ich wollte so sehr, dass eine immaterielle Kraft mir diese Last von den Schultern nimmt. Ich war ‚ben narein‘, gefangen zwischen zwei Welten, und wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte. Doch allmählich gab ich diese Hoffnung auf und beschloss, mich anständig zu verhalten und der beste Mensch zu sein, der ich auf eigene Faust sein kann, im Interesse nicht einer höheren Macht, sondern der Menschheit. Wer weiß, was danach kommt. (…)

Sie fürchten sich nicht nur vor dem Atheismus, sondern vor jedem Gedanken, der von ihren abweicht. Aber ja, den Atheismus fürchten sie besonders. Als ich verhaftet wurde, setzten sie mich mit fünf Beamten in ein Zimmer, die mich andauernd dafür verfluchten, dass ich nicht an Gott glaube. Ich habe nie jemanden beleidigt, weil er oder sie religiös ist, also warum sollten die mich beleidigen? Ich kritisiere lediglich bestimmte Ideen, ich verweigere ihnen niemals den Respekt – und das, obwohl ich noch nicht einmal religiös bin. Insofern verwundert es schon, wenn religiöse Personen, die sich für bessere Menschen halten, so reagieren. Religion ist wie Heroin. Sie stiftet ein falsches Gefühl der Macht. Religiöse Menschen meinen, sie hätten das Recht, Menschen auf jede Weise, die ihnen angemessen erscheint, zu beleidigen, zu töten und zu foltern, weil sie damit angeblich Gott einen Gefallen tun.’“

(Artikel auf Cairo Scene: „On The Run: An Interview with Egyptian Atheist Sherif Gaber“)

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