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Ein Statement im Namen Rojavas?

Eine kurdische Kämpferin der YPG in Nordsyrien
Eine kurdische Kämpferin der YPG in Nordsyrien (© Imago Images / Hans Lucas)

Ein Führer der kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei erklärte kürzlich, dass Assad nur dank der kurdischen PYD-Partei noch an der Macht sei.

Es sei der kurdischen Miliz YPG – der bewaffnete Arm der PYD, einer syrischen Schwesterorganisation der PKK – und den Menschen der autonomen kurdischen Region Rojava zu verdanken, dass Assad heute noch in Damaskus regiere. Das erklärte jüngst einer der ranghöchsten Mitglieder der kurdischen Arbeiterpartei, Bahoz Erdal, in einem Statement.

Die Erklärung fällt in eine Zeit größter Unklarheit und Unsicherheit bezüglich der Zukunft der syrisch-kurdischen Selbstverwaltungsgebiete. Während im Nordwesten türkische Truppen einmarschiert sind und die Region zwischen Tel Abaid und Ras al Ayn zusammen mit russischen Soldaten kontrollieren, arbeitet die YPG weiter östlich weiter eng mit den wenig verbliebenen amerikanischen Soldaten zusammen, die sich allerdings sukzessive zurück ziehen. Erst vor wenigen Tagen haben sie die ehemalige Hauptstadt des IS-Kalifats, Raqqa, geräumt, die kurz darauf von russischen Militärs besetzt wurde.

Absprachen mit dem Assad-Regime

Die Lage ist also völlig unübersichtlich und es fällt schwer, irgendeine Prognose zu tätigen, wer wohl wo in den kommenden Wochen und Monaten in diesem Teil Syriens die Kontrolle ausüben wird. Derweil hat die PYD mit dem syrischen Regime ein Abkommen ausgehandelt, in dem Damaskus vorerst verspricht, die Selbstverwaltungsstrukturen in der Region nicht anzutasten.

Wenn also ein ranghoher PKK-Funktionär nun solche Sätze sagt, mag dies taktischen Überlegungen entspringen. Nur entsprechen die Äußerungen genau jener Kritik, die Gegner der PKK-PYD seit Jahren äußern.

In Wirklichkeit nämlich habe es, als Assad 2012 die Kontrolle über große Teile des Landes an die Opposition verlor, Absprachen zwischen dem Regime und der PKK bzw. PYD gegeben. Für eine Übergabe der Kontrolle großer Teile Nordsyriens an die PYD würde diese im Gegenzug dafür sorgen, dass andere Oppositionskräfte – ob arabisch oder kurdisch – in der Region keinen Rückzugsraum finden. Auch in Städten wie Qamishli oder Amuda nämlich fanden die landesweiten Proteste und Aufstände gegen das Assad-Regime breite Unterstützung. Hätte Damaskus bedeutende Truppeneinheiten im Nordosten des Landes belassen müssen, wären die Kapazitäten der syrischen Armee völlig überdehnt worden. So konnten sie abgezogen und gezielt anderswo gegen die Opposition eingesetzt werden.

Wie weiter?

Genau dies meint Erdal, wenn er sagt, dass Assad nur dank der PKK/YPG überleben konnte. Ob der syrische Diktator sich allerdings langfristig für die Hilfestellung wird dankbar zeigen, ist mehr als fraglich. Das Regime in Damaskus will keine Selbstverwaltung und die Kontrolle über jeden Zentimeter des Landes zurück, wie es immer wieder betont. Momentan hat es dafür keine Kapazitäten und natürlich stellt sich die Frage, ob es diese – bankrott und ausgepowert wie es ist –jemals wieder wird haben. Aber wenn, wird der Traum von kurdischer Selbstregierung gewaltsam beendet werden.

Für die verbliebene syrische Opposition gegen Assad, vor allem all jene, die inzwischen nicht in Söldner Erdogans verwandelt wurden, bestätigen die Aussagen Erdals nur, was sie immer behauptet haben: Dass die PKK de facto an der Seite des Regimes in diesem Konflikt stand.

Der PKK-Führer sollte allerdings nicht im Namen der Bevölkerung Rojavas sprechen. Auch dort wünschten und wünschen sich die Mehrheit ein Ende der Assad-Diktatur, und selbst wenn es lange her ist, sollte niemals vergessen werden, wie groß die frühen Demonstrationen gegen das Regime auch in diesen Gebieten waren.

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