Mena-Exklusiv

Bereits 14 von 21 Millionen Syrern geflohen oder vertrieben

Von Thomas von der Osten-Sacken

Würde es sich bei diesem Chart um den Verlauf eines Aktienkurses handeln, vermutlich jeder Börsenbrief, der etwas auf sich hält, würde zum Kauf des Wertpapiers raten:

Bloß ist dies die Statistik des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR von nur in anderen Ländern des Nahen Ostens registrierten syrischen Flüchtlingen, deren Zahl in wenigen Tagen die Marke von 5,5 Millionen erreichen wird.

Nur zum Verständnis: 5,5 Millionen Syrer sind in der Türkei, dem Libanon, Jordanien, Irak und anderen Ländern der Region offiziell registrierte Flüchtlinge. Dazu kommen Hunderttausende, die sich nicht haben registrieren lassen, sondern quasi illegal in diesen Staaten leben, etwa weil sie Angst vor Rückführungen bzw. Abschiebungen haben oder bei Verwandten untergekommen sind. Es ist schwer, diese Dunkelziffer zu schätzen, aber sie dürfte durchaus an eine halbe Million heranreichen.  (Alleine Ägypten gab vor über zwei Jahren an, dass sich etwa 100.000 nicht registrierte Flüchtlinge im Land aufhalten, verlässliche Zahlen aus Libyen sind nicht zu bekommen.)

Hinzu kommen geschätzte 6,5  Millionen Binnenvertriebene innerhalb Syriens, die größtenteils unter unbeschreiblichen Bedingungen in Lagern leben müssen, viele von ihnen sind schon mehrfach geflohen, sei es – wie die Mehrzahl – vor Angriffen der syrischen Armee und ihrer Verbündeten, sei es vor dem IS oder syrischen Rebellen. Zusätzlich hat weit über eine Million Syrerinnen und Syrer in europäischen Staaten Asyl beantragt, weitere hunderttausend in den USA, Kanada und anderen außereuropäischen Staaten.

Zählt man diese Zahlen zusammen, kommt man auf etwa vierzehn Millionen Menschen.

Syrien hatte im Jahr 2011, vor Ausbruch der Massenproteste, laut Weltbank eine Bevölkerung von knapp 21 Millionen Menschen. Kurzum: Zwei Drittel aller Syrer sind im Januar 2018 entweder Flüchtlinge oder Binnenvertriebene (IDP). Und seit den Offensiven der syrischen Armee in Idlib und der türkischen Armee in Afrin dürfte diese Zahl dramatisch weiter wachsen.

Alleine in Idlib zählt die UN 200.000 neue Binnenvertriebene seit Mitte Dezember, Zahlen aus Afrin, wo ebenfalls Hunderttausende Zuflucht gesucht haben, liegen noch nicht vor. Viele von ihnen sind bereits Binnenvertriebene, die sich nun erneut auf die Flucht machen müssen. Bisher allerdings gibt es noch keine Kategorie, die die Mehrfachbinnenvertriebenen statistisch erfasst: Man wird nur einmal IDP, egal wie oft man innerhalb des Landes, in dem man geboren wurde, fliehen muss.

Vierzehn Millionen: Das sind, zusammen addiert, so viele Personen wie die Einwohner Schwedens und Dänemarks zusammengenommen.  Und hierbei handelt es sich ausschließlich um Syrer. Zählte man die Flüchtlinge und Binnenvertriebenen aus dem Irak, dem Jemen und anderen Ländern nur des Nahen Osten noch dazu, man überschritte die Gesamteinwohnerzahl Skandinaviens.

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login