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Falschdarstellungen: Wenn westliche Medien zeigen, keine Ahnung von Nahost zu haben

Israelische Sicherheitskräfte am Ort des Terrorangriffs in Hawara
Israelische Sicherheitskräfte am Ort des Terrorangriffs in Hawara (© Imago Images / Sipa USA)

Manchmal genügt ein Blick auf die Schlagzeilen eines einzigen Tages, um alles zu erfahren, was man über den israelisch-arabischen Konflikt wissen muss.

Stephen M. Flatow

In der von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Stadt Hawara versuchten israelische Sicherheitskräfte vergangene Woche, einen Terroristen festzunehmen. Andere palästinensische Araber sprangen bei und »versuchten, ihn zu befreien«, wie israelischen Medien berichteten. Es ist schon eigenartig: Israel-Kritiker behaupten immer, die Masse der palästinensischen Araber sei gemäßigt und wolle Frieden. Wenn das der Fall ist, dann sollten sie froh sein, wenn Terroristen verhaftet werden. Doch in Hawara und in vielen anderen Fällen haben sie sich gewaltsam in versuchte Festnahmen von Terroristen eingemischt.

Der Verdächtige aus Hawara stach auf zwei Israelis ein und verwundete sie, bevor er überwältigt werden konnte. Dennoch gibt es keine Proteste von Gruppen wie J Street oder wütende Kolumnen von Thomas Friedman in der New York Times. Der Versuch, israelische Polizeibeamte zu erstechen, scheint für diese westlichen Akteure eine akzeptable Verhaltensweise palästinensischer Araber zu sein. Was für eine sanfte Bigotterie der niedrigen Erwartungen …

Alles an einem Tag

Zwischenzeitlich gab es palästinensische Angriffe mit Schusswaffen auf Israelis in Yabed und Dschenin. Wieder einmal führten israelische Soldaten routinemäßige Verhaftungen von Terroristen durch, wozu eigentlich die Palästinensische Autonomiebehörde verpflichtet wäre, was sie aber so gut wie nie tut; und wieder einmal antworteten die Palästinenser mit Schüssen. Glücklicherweise wurden die Terroristen und nicht die Israelis getötet. Und geradezu natürlich lauten die Schlagzeilen in den internationalen Medien nach solchen Zwischenfällen eher: »Palästinenser von Israelis getötet« als: »Palästinenser beim Versuch getötet, Israelis zu ermorden«.

Am selben Morgen des Zwischenfalls in Hawara versuchten israelische Sicherheitskräfte in Nablus, einen flüchtigen Terroristen festzunehmen. Nach israelischen Nachrichtenberichten reagierten die Palästinenser mit Waffenbeschuss, Angriffen mit Sprengstoff und dem Versuch, die Israelis zu Tode zu steinigen. Und das alles an einem einzigen Morgen! Wie üblich waren die palästinensischen Sicherheitskräfte nirgends zu finden.

Doch das ist noch nicht alles. In der Nähe der jüdischen Siedlung Ofra nördlich von Jerusalem eröffneten palästinensische Terroristen mit automatischen Waffen das Feuer auf eine Gruppe von Juden, die ein schreckliches Verbrechen begingen: sie waren als Juden unterwegs. Bei dem Ziel handelte sich um einen gewöhnlichen zivilen Bus, der auf seiner regulären Route unterwegs war und von Arabern und Juden gleichermaßen genutzt wird. Dennoch waren die angreifenden Palästinenser der Meinung, die Juden darin verdienten es, dafür abgeschlachtet zu werden, den Bus zu nehmen.

Palästinensische Verpflichtungen …

Am Tag darauf war ein weiterer Angriff mit Schusswaffen auf ein ziviles Fahrzeug Thema in den Nachrichten: ein palästinensisch-arabischer Terrorist wurde für die Teilnahme an einem Schussangriff auf ein israelisches Auto im Jahr 2015 verurteilt, bei dem ein junger Mann namens Malachi Rosenfeld ermordet und drei weitere Insassen verletzt wurden. Israelischen Medienberichten zufolge wurde der Terrorist, Maad Hamed, ursprünglich auf Weisung der Staatsanwaltschaft festgenommen, konnte aber »auf unerklärliche Weise« entkommen, was bedeutet, dass er einfach wieder entlssen wurde.

Die Medien bezeichneten Hameds Heimatstadt Silwad als »eine Hamas-Hochburg«, was einen weiteren eklatanten Verstoß gegen die Osloer Vereinbarungen darstellt, dürfte es doch keine Hamas-Präsenz auf dem Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) geben. 

Der Grund, warum die Vereinigten Staaten die Sicherheitskräfte der Palästinensischen Autonomiebehörde zu einer der – pro Kopf gerechnet – größten Sicherheitskräfte der Welt aufgebaut haben, war zu verhindern, dass terroristische Gruppen auf dem von der PA verwalteten Gebiet ihre Hochburgen errichten. Dennoch ist die PA nie gegen die Hamas vorgegangen, hat nie ihre Zellen entwaffnet oder ihre Mitglieder verhaftet. Die Palästinensische Autonomiebehörde behandelt die Hamas wie Brüder und nicht wie Feinde.

Über den Mord an Malachi Rosenfeld ist noch etwas Interessantes festzuhalten: Der Anführer der ausführenden Zelle, Ahmed Najar, leitete die Operation von Jordanien aus, weswegen sich die Frage stellt, weshalb das »gemäßigte« Jordanien zulässt, dass israelfeindliche Terroristen von seinem Territorium aus Aktionen gegen Israel durchführen – stellt dies doch eine eklatante Verletzung des israelisch-jordanischen Friedensvertrags dar.

… und amerikanische Reaktionen

Wie reagiert nun die Biden-Regierung auf diesen anhaltenden palästinensischen Krieg gegen Israel? Kurz nach all dem richtete sie ein neues »Büro für palästinensische Angelegenheiten« in der amerikanischen Botschaft in Jerusalem ein, ernannte den palästinensischen Amerikaner Hady Amr zum »Sonderbeauftragten für palästinensische Angelegenheiten« und bekräftigte ihre Absicht, ein US-Konsulat in Jerusalem zu eröffnen, was Israel ablehnt, weil es als de-facto-Botschaft für die Palästinenser fungieren würde.

In der Zwischenzeit kündigte US-Senator Chris Van Hollen, der bekanntermaßen Präsident Joe Biden nahesteht, an, dass »die Biden-Administration alles in ihrer Macht Stehende tut, um das Zerstörungspotenzial der Einbeziehung extremistischer Elemente in [Benjamin Netanjahus] Regierungskoalition zu begrenzen«. Es ist nicht erinnerlich, dass Senator Van Hollen oder die Regierung je gedrängt hätten, extremistische und/oder islamistische arabische Parteien auszuschließen, was die Frage aufwirft, warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird.

Keine Ahnung

Ein letzter Punkt bezüglich der Nachrichten von vergangener Woche: Als das israelische Wahlergebnis klarmachte, dass Itamar Ben-Gvir der neuen Regierung angehören würde, warnten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) – eines der Golfkönigreiche, die das Abraham-Abkommen unterzeichnet hatten – Netanjahu davor, Ben-Gvir in die neue Regierung aufzunehmen. Doch diese Woche gaben die VAE einen Empfang in Tel Aviv, bei dem Ben-Gvir zu den Gästen gehörte.

Der Vorfall zeigt, wie wenig der Westen über den arabisch-israelischen Konflikt weiß. Arabische Regierungen schreien und toben oft, aber dann passen sie sich der Realität an. Erinnern Sie sich an all die Drohungen, es würde zu massivem Blutvergießen kommen, sollten die USA ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen? Nun, die USA haben damals die Drohungen ignorier und die Botschaft verlegt – und nichts ist passiert!

Ebenso wurde die Drohung der VAE bezüglich Ben-Gvir ignoriert, und die Emirate haben die neue Realität akzeptiert. So funktioniert das Leben im Nahen Osten.

Stephen M. Flatow, Anwalt in New Jersey, ist der Vater von Alisa Flatow, die 1995 bei einem vom Iran finanzierten palästinensischen Terroranschlag ermordet wurde. Er ist Autor von A Father’s Story: My Fight for Justice Against Iranian Terror. (Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News Syndicate. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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