Der Verfall des Rials hat die iranische Mittelschicht erreicht

„Kaum mehr als ein Monat ist vergangen, seit die wirtschaftliche Unzufriedenheit insbesondere in der Arbeiterklasse Proteste im ganzen Land auslöste, bei denen es auch Tote gab. Nun haben Schwankungen im Wert der iranischen Währung – des Rial – einen weiteren entscheidenden Bevölkerungsteil schwer enttäuscht. Diesmal ist vor allem die Machtbasis von Präsident Hassan Rohani, die Mittelschicht, betroffen. Dort hatte man sich große Hoffnungen gemacht, größere Freiheiten an der Wahlurne erlangen zu können. Seit dem vergangenen Sommer hat der Rial dramatisch an Wert verloren. Gegen den Euro und den Dollar erreichte er am 4. bzw. 13. Februar jeweils einen historischen Tiefstand. Nachdem zunächst gegen Spekulanten durchgegriffen wurde und die iranische Zentralbank eine Reihe von Maßnahmen bekanntgab, um Liquidität zu absorbieren, hat der Rial erheblich an Wert zugenommen. Nach einem Tiefstand von 50.000 Rial auf den Dollar, kostet ein Dollar inzwischen wieder 44.800 Rial. Doch bereiten diese Schwankungen vielen Iranern erhebliche Sorgen, nicht zuletzt jungen Iranern, die im Ausland studieren möchten. (…)

Ein geschwächter Rial benachteiligt in der Regel die Mittelschicht ganz direkt, da er die Preise beliebter importierter Güter und Lebensmittel in die Höhe treibt. (…) Viele der reformorientierten Wähler, die den zentristischen Präsidenten voller Hoffnung, Aufbruchsstimmung und Enthusiasmus unterstützten, sind inzwischen verärgert und desillusioniert, nachdem Rohani die von ihnen ins Auge gefassten Kandidaten für Ministerämter ablehnte und sich stattdessen an Personen hielt, die dem konservativen Lager nahestehen. Zudem stellte sich bei der Vorlage des Haushaltsgesetzes für das neue Jahr (das im Iran am 21. März beginnt) heraus, dass es steigende Kosten vorsieht, die ihren Lebensstandard in den kommenden Jahren reduzieren würden, während die Ausgaben für die religiösen Institutionen ansteigen sollen. (…)

Gegen Ende der zweiten Amtszeit des von 2005 bis 2013 regierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad verlor der Rial ab 2011 massiv an Wert, als gegen den Iran wegen seines Atomprogramms nach und nach stringente Sanktionen verhängt wurden. (…) Die Rohani-Administration habe sich aus politischen Gründen bemüht, den Wert des Rial in den letzten Jahren auf einem stabilen Niveau zu halten, so der [prominente reformorientierte Wirtschaftswissenschaftler Saeed] Laylaz. ‚Daher der plötzliche Schock aufgrund des Absturzes dem Dollar gegenüber. Der Rial ist jetzt 20 Prozent weniger wert als in den letzten Amtstagen Ahmadinedschads, und das war vor mehr als viereinhalb Jahren.’“ (Saeed Jalili: „Iran’s currency crisis shakes Rouhani’s middle-class base“)

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