Warum Abbas wenig Interesse an der Ausrufung eines palästinensischen Staates zeigt

„Papier ist geduldig und tatsächlich steht auf Briefköpfen und Hinweistafeln in Ramallah schon ‚State of Palestine‘ mitsamt Staatswappen. Vor der UNO weht in einer Reihe mit Flaggen von anderen UNO-Mitgliedern die palästinensische Fahne. In UNO-Gremien wird wie selbstverständlich vom ‚Staat Palästina‘ geredet, obgleich Präsident Mahmoud Abbas ihn aus guten Gründen noch nicht ausgerufen hat. Denn dann wäre er schnell bankrott. …

Die Hauptaufgabe der diplomatischen Vertretungen in Ramallah ist eine Förderung des ‚Aufbaus‘ von Palästina. Das geht von der Ausarbeitung einer Verfassung bis zur Ausbildung der Polizei und der Finanzierung von Projekten mit Milliardensummen. Hinzu kommen noch kulturelle Einrichtungen, wie ein Goetheinstitut und die Förderung von Kooperation auf allen Ebenen.

Würden die Palästinenser jetzt einen Staat ausrufen, würden diese Milliardensummen bis hin zur Finanzierung der aufgeblähten Bürokratie wegfallen. Dann stünde ihnen nur noch eine dürftige Entwicklungshilfe zu, wie z. B. Äthiopien. Die Autonomiegebiete erhalten dank ihres ungeklärten Status heute ein Vielfaches an Finanzhilfe aus aller Welt. Kein Wunder, dass das Interesse der Palästinenser an einem eigenen Staat immer schlagartig nachlässt, sowie die Gefahr besteht, dass er tatsächlich möglich würde.“ (Der deutsche Journalist Ulrich Sahm auf Audiatur Online: „Diplomatischer Eiertanz in Nahost“)

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