„Kluge Köpfe statt Bomben und Drohnen“: Wenn ein historischer Vergleich in die Irre führt

Sehr geehrte Presse-Redaktion,

in ihrem Gastbeitrag „Kluge Köpfe statt Bomben und Drohnen“ plädieren Robert Lackner und Florian Traussnig dafür, Flüchtlinge aus Kriegsgebieten nicht als Gefahr zu betrachten, sondern sie als Potenzial für den Kampf gegen den islamistischen Terror und den Wiederaufbau ihrer Herkunftsländer zu sehen. Nation Building könne nicht von außerhalb betrieben werden, sondern müsse von der lokalen Bevölkerung getragen werden. Als Vorbild verweisen sie auf Emigranten aus Europa, die während des Zweiten Weltkriegs in den USA ausgebildet wurden, um „aktiv an der Befreiung ihrer Heimat vom Nationalsozialismus mitzuwirken.“ Die Lehre daraus: „Es sind nicht Bomben, Drohnen und digitale Überwachung, die zum Erfolg führen, sondern vor allem der Faktor Mensch.“ Leider übersehen die Autoren eine nicht unbedeutende Kleinigkeit und konstruieren dadurch einen falschen Gegensatz: Bevor der Wiederaufbau (etwa Österreichs) angegangen werden konnte, musste zuerst der Nationalsozialismus mit aller militärischen Macht und unter enormen materiellen wie menschlichen Opfern zerschlagen werden. Bevor die „klugen Köpfe“ also überhaupt tätig werden konnten, hatten Bomben und all die anderen aufgewandten Kriegsmittel ihr Werk verrichten müssen. Lässt man dies außer Acht, führt der historische Vergleich in die Irre.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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