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Geschichte: Das Märchen vom CIA-Putsch im Iran

Panzer in den Straßen von Teheran (1953).
Panzer in den Straßen von Teheran (1953).

„Die Geschichte von der Rolle der USA im iranischen Staatsstreich von 1953 mag als ‚weithin bekannt‘ gelten, wie Präsident Barack Obama in seiner Rede in Kairo erklärte, doch ist sie weithin unbegründet. Sie beruht auf zwei verwandten Mythen: dass die Machenschaften der CIA der wichtigste Faktor für Mossadeghs Untergang waren und dass das kurze demokratische Zwischenspiel des Iran vor allem durch amerikanische und britische Einmischung verdorben worden sei.

Seit Jahrzehnten fördern Historiker, Journalisten und Experten diese Mythen und bringen sie nicht nur in den politischen Diskurs, sondern auch in die Populärkultur ein: Zuletzt wurde in Argo, einem Hollywood-Thriller, der 2013 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet wurde, behauptet, dass die Islamische Revolution im Iran von 1979 eine verspätete Reaktion auf eine Ungerechtigkeit gewesen sei, die von den Vereinigten Staaten ein Vierteljahrhundert zuvor begangen worden war. Diese Version der Ereignisse wurde auch von den theokratischen Führern des Iran gefördert, die sie benutzen, um Antiamerikanismus zu schüren und die Tatsache zu verschleiern, dass der Klerus selbst eine wichtige Rolle beim Sturz von Mossadegh gespielt hat.

In Wirklichkeit war der Einfluss der CIA auf die Ereignisse von 1953 letztlich unbedeutend. Unabhängig davon, was die Vereinigten Staaten taten oder nicht taten, stand Mossadegh vor dem Fall und der Schah davor, seinen Thron zu behalten und seine Macht auszubauen. Aber das Narrativ von der amerikanischen Schuld ist so fest verwurzelt, dass es bis heute das Verständnis der US-iranischen Beziehungen vieler Amerikaner und das Denken amerikanischer Politiker über den Iran beeinflusst. (…) Das hat es der iranischen Theokratie, die Geschichte auf tausendfache Weise missbraucht, ermöglicht, eine Position moralischer Überlegenheit einzunehmen, und ihr einen unverdienten Vorteil gegenüber Washington und dem Westen verschafft. (…)

(A)ls sich der Streit in die Länge zog, sah Mossadegh sich im eigenen Land mit zunehmendem Gegenwind konfrontiert. Die Verstaatlichung [der Ölwirtschaft] war nach wie vor populär, aber die Öffentlichkeit begegnete der Unnachgiebigkeit des Premierministers und seiner Weigerung, die verschiedenen vorgeschlagenen Kompromisse zu akzeptieren, mit zunehmender Ablehnung. Mossadegh antwortete auf die lauter werdende Kritik mit einer verfassungsrechtlich zweifelhaften Ausweitung seiner Macht, forderte vom Parlament Sonderbefugnisse und versuchte, die Streitkräfte und das Kriegsministerium zu übernehmen, die beide seit langem unter der Kontrolle des Schahs gestanden hatten.

Schon bevor westliche Geheimdienste ihre Putschpläne ausarbeiteten, hatte Mossadeghs Verhalten ihn von seinen eigenen Koalitionspartnern entfremdet. Die Intellektuellen und die iranischen Berufsverbände wurden angesichts des wachsenden Autoritarismus des Premiers zunehmend unruhig. Die vom anhaltenden Rückgang der Wirtschaft alarmierten Unterstützer Mossadeghs in der Mittelschicht begannen, sich nach Alternativen umzuschauen und näherten sich der royalistischen Opposition ebenso an wie das Offizierskorps, das zahlreiche Säuberungen erlitten hatte. (…)

Der Klerus hatte sich mit Mossadeghs Vorliebe für Modernisierung nie ganz wohl gefühlt und vermisste die Achtung, die ihm vom konservativen und unsicheren Schah entgegengebracht wurde. Als die Kleriker die iranische Wirtschaft zusammenbrechen sahen und wie Washington befürchteten, dass die Krise zu einer kommunistischen Machtübernahme führen könnte, begannen religiöse Führer wie Ayatollah Abul-Qasim Kashani, ihre Loyalitäten zu verschieben. (Seit der Islamischen Revolution von 1979 haben die theokratischen Herrscher des Iran versucht, die unbequeme Tatsache zu verdecken, dass sich die Mullahs an einem kritischen Punkt auf die Seite des Schahs schlugen.) (…)

Nach seinem Sturz wurde Mossadegh wegen Hochverrats der Prozess gemacht.
Nach seinem Sturz wurde Mossadegh wegen Hochverrats der Prozess gemacht.

Seit 1953, und insbesondere seit der islamischen Revolution von 1979, die den Schah stürzte, wird die Wahrheit über den Putsch durch interessierte Erzählungen verschleiert, die von Amerikanern und Iranern gleichermaßen erfunden wurden. Die Islamische Republik hat viel getan, um die Vorstellung zu verbreiten, dass der Putsch und die Verschwörung gegen Mossadegh eine unerbittliche amerikanische Feindseligkeit gegenüber dem Iran gezeigt haben. Die theokratischen Revolutionäre wurden bei dieser verzerrten Darstellung von amerikanischen Berichten unterstützt, die die Bedeutung der Rolle der USA beim Sturz Mossadeghs stark überbewerteten. (…)

(W)ie Dokumente zeigen, hatte die Eisenhower-Regierung keine Kontrolle über die Ereignisse und war tatsächlich von der Art und Weise überrascht, wie diese sich abspielen. Am Vorabend des Triumphes des Schahs berichtete [der amerikanische Botschafter im Iran] Henderson in einem Telegramm an Washington, dass die wahre Ursache für den Erfolg des Putsches darin bestehe, dass ‚die meisten Streitkräfte und eine große Anzahl von iranischen Zivilisten dem Schah gegenüber grundsätzlich loyal sind, von dem man ihnen zu glauben beigebracht hat, dass er [ein] Symbol der nationalen Einheit und der [Stabilität] des Landes ist‘.

Als der Iran seinen dramatischen inneren Kampf durchlebte, schien sich sogar die CIA bewusst zu sein, dass sich ihre eigenen Machenschaften als relativ unwichtig erwiesen hatten. Am 21. August berichtete der als Direktor der Agency agierende Charles Cabell an Präsident Eisenhower, dass ‚neuesten Berichten aus Teheran zufolge eine unerwartet starke Welle an Reaktionen auf die Regierung von Premierminister Mossadegh von ziviler wie militärischer Seite praktisch zur Besetzung der Stadt durch Kräfte geführt hat, die ihre Loyalität gegenüber dem Schah und den von ihm ernannten Premierminister Zahedi bekunden‘.

Zusätzlich zur Übertreibung des amerikanischen und britischen Einflusses bei der Orchestrierung von Mossadeghs Untergang und der Wiedereinsetzung des Schahs vernachlässigt das konventionelle Narrativ über den Putsch die Tatsache, dass der Schah Anfang der 1950er Jahre noch beliebt war. Er war nicht der Größenwahnsinnige der 1970er Jahre, sondern ein noch junger, zögerlicher Monarch, der den älteren Staatsmännern und großen Ajatollahs des Iran respektvoll gegenüberstand und die Grenzen seiner Macht respektierte.

Aber die mythologische Version der Ereignisse von 1953 hat Bestand, auch weil es der iranischen Führung nach der Islamischen Revolution gelegen kam, die Vereinigten Staaten zum Bösewicht zu machen.“ (Ray Takeyh: „What Really Happened in Iran“)

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