Mena-Exklusiv

Warum Israelis mitten in Syrien ihr Leben riskieren

Von Florian Markl

Der ständige Belagerungszustand, die vielen Kriege und die unzähligen Terroranschläge haben dazu geführt, dass Israel wie kaum ein anderes Land auf der Welt darauf vorbereitet ist, im Katastrophenfall schnell und effektiv Hilfe zu leisten. Auf der ganzen Welt sind israelische Hilfs- und Rettungsteams im Einsatz, um Erdbebenopfer in Haiti genauso zu unterstützen wie Flutopfer in Myanmar. Eine Gruppe von Israelis hat sich seit fünf Jahren einer besonders schwierigen und gefährlichen Aufgabe verschrieben: Ihre Mitglieder arbeiten undercover im Nachbarland Syrien, um der kriegsgeschundenen Bevölkerung mit humanitärer Hilfe zur Seite zu stehen.

Israeli Soldiers Haiti
Israelische Katastrophenhelfer treffen 2010 in Haiti ein

Rund 200 Israelis, Juden und Araber, Christen und Drusen, arbeiten auf freiwilliger Basis für die Hilfsorganisation Il4Syrians. Während die Arbeit in Syrien an sich schon für jedermann hochgefährlich ist, gilt das in verstärktem Ausmaß noch für israelische Staatsbürger. Immerhin befinden sich die zwei Länder offiziell immer noch im Kriegszustand, und eine Vielzahl der am syrischen Blutvergießen Beteiligten, egal ob regimetreue Einheiten oder islamistische Rebellen, würde nur allzu gerne die Gefangennahme oder Tötung israelischer „Spione“ propagandistisch ausschlachten.

Seit dem Beginn der Krise in Syrien hat sich die Hilfsarbeit von Il4Syrians kontinuierlich ausgeweitet. So werden in Zusammenarbeit mit syrischen NGOs heute mehr als ein Dutzend Spitäler im Land mit medizinischen Gütern aller Art versorgt. Darüber hinaus werden Syrer in der Feuerbekämpfung oder für Search-and-Rescue-Missionen ausgebildet.

In einem lesenswerten Beitrag beschreibt Nicky Blackburn die Arbeit der Hilfsorganisation, deren Mitarbeiter sich – aus Sorge um die eigene Sicherheit wie um die ihrer syrischen Kontakte – in aller Regel nicht als Israelis zu erkennen geben. Als sie es gegenüber einer großen syrischen NGO einmal doch taten, war dies ein Wendepunkt, wie die „Doreen“ genannte Mitarbeiterin erzählt:

„Sie haben zu ersten Mal verstanden, dass ihr eigener Präsident, der stets versprochen hatte, sie vor Israel zu schützen, derjenige war, der sie massakrierte, während israelische Freiwillige ihr Leben riskierten, um ihre Frauen und Kinder zu schützen. Ihr Weltbild war zutiefst erschüttert.“

Doreen beschreibt auch eindrucksvoll die persönlichen Auswirkungen ihrer Arbeit:

„Ich sage zu meinen Freiwilligen vor Beginn einer Mission immer: ‚Ich werde mein Bestes geben, um euch wieder sicher nach Hause zu bringen. Aber ich kann keine Verantwortung dafür übernehmen, als welche Art von Mensch ihr zurückkommen werdet.‘ Wenn Du das Desaster gesehen hast, veränderst Du Dich. Du kannst nicht der gleiche bleiben. Die einzige Hilfe ist, die nächste Mission zu planen.“

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