„Dass man das Gespräch mit dem Iran suchen und die sogenannten ‚moderaten Kräfte’ dort stärken solle, gehört zu den beharrlichsten politischen Positionen in Washington. Diese Forderung wird in den kommenden Wochen angesichts der herannahenden ‚Wahlen’ um die iranische Präsidentschaft am 18. Mai sicher umso vehementer vorgetragen werden. Die Annahme, dass man durch größere Aufgeschlossenheit die ‚moderaten Kräfte’ im Iran stärken könne, ist im Laufe der letzten drei Jahrzehnte von einer Vielzahl an Verständigungsbefürwortern und Iranexperten immer wieder recycelt worden. (…)
Wenn die USA sich zu einer weniger feindseligen Herangehensweise entschließen und sich um das Vertrauen der iranischen Führungsspitze bemühen würden, so argumentieren diese Verfechter einer iranfreundlichen Position, dann würde der Iran Gleiches mit Gleichem vergelten, die moderaten Fraktionen würden gestärkt, dass Regime würde sich reformieren und der Iran eine verantwortungsbewusste Regionalmacht, die sich an das Völkerrecht hält. Die Suche nach imaginären moderaten Kräften hat einen bedeutsamen strategischen Einfluss auf die vormalige und gegenwärtige Iranpolitik der USA ausgeübt. (…)
Die Trump-Administration sollte sich an das Desaster erinnern, das sich daraus ergeben hat, dass die USA in den letzten drei Jahrzehnten keine kohärente, ausgewogene und besonnene Iranpolitik entwickelt und implementiert haben. Der Preis für diese Fehlleistung ist ein erheblicher Verlust an Glaubwürdigkeit und Einfluss in der Region. Hinzu kommen kommerzielle Einbußen, ein Vertrauensverlust beim iranischen Volk und, nicht zu vergessen, der Tod amerikanischer Männer und Frauen im Irak.
Der Grund für diese Verwirrung waren die weit verbreiteten Illusionen über das Wesen der Fraktionen innerhalb des iranischen Apparats und die tatsächliche Macht der sogenannten moderaten Kräfte. Ein kurzer Überblick über die Geschichte der Annäherung an das Regime bietet reichlich Beweise dafür, dass diese Herangehensweise nicht nur vergeblich ist, sondern auch auf Illusionen beruht und auf keinerlei Weise der historischen Erfahrung entspricht.“ (Hassan Dai: „Don’t get fooled again on Iran“)