Iran: Vor Diplomatenbesuch im Foltergefängnis noch 21 Hinrichtungen

„Die Evin-Visite der Botschaftsgesandten [Marian Schuegraf] fand ausschließlich im Trakt 4 des Gefängnisses statt. Es gibt in der Tat noch unzählige weitere Trakte. Trakt 209 wird unmittelbar vom Geheimdienst und der Revolutionsgarde kontrolliert. Dort sind Folter und Misshandlungen von Oppositionsmitgliedern und Systemgegnern an der Tagesordnung. Gefangene werden monatelang in kleine Särge mit den Maßen 50x80x140 cm gesteckt, um ihren Willen zu brechen. Oder sie werden mit Schlägen und Elektroschocks oder dem Einsatz einer so genannten ‚Wahrheitsdroge‘ und ‚Weiße Folter-Methoden‘, einer Kombination aus Manipulation, Einschüchterung und Isolation, zu falschen Geständnissen gezwungen. Für die Folterung werden auch aus Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern importierte Foltergeräte benutzt sowie perfide Hand- und Fußabschneide-Maschinen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Gefangenen leidet unter einem bedrohlichen Gesundheitszustand, aufgrund von Mangelernährung, dem Fehlen von Medikamenten und des katastrophalen Hygienezustandes in 1x2m kleinen Einzelzellen, in denen zumeist mehrere Gefangene untergebracht werden. Manche sind seit drei Jahrzenten inhaftiert und einige werden nach dem Absitzen ihrer Haft aufgehängt. Auch diejenigen Häftlinge, die gegen Zahlung einer hohen Geldstrafe freigelassen wurden, werden meistens kurz später wieder inhaftiert.

Menschenrechtsaktivisten im Land berichten, dass für den Besuch der Botschaftsvertreter durch die Gefängnisbeamten marode Gänge und Zellen im Trakt 4 des Gefängnisses gereinigt und gestrichen wurden. Außerdem wurden einige Gefangene aus Trakt 4 in andere Trakte verlegt (…). Sie wurden 4 Stunden nach der Visite wieder in den Trakt 4 zurückgebracht.(…)

Es ist zu erwarten, dass das deutsche Appeasement und einige Medien über das ‚schöne Erlebnis‘ Marian Schuegrafs im ‚paradiesischen‘ Evin-Gefängnis der Mullahs berichten werden. Schuegraf lobte 2016 in ihrem Kondolenzbrief anlässlich des Todes des früheren Leiters des obersten Justizrates der islamischen Republik, Abdolkarim Mussawi Ardebili, der unmittelbar mit für den Massenmord an den politischen Gefangenen von 1988 verantwortlich war. Sie schrieb: ‚Sein Tod ist ein großer Verlust für das kulturelle Erbe der Islamischen Republik, und er wird als die höchste religiöse Autorität im Iran fehlen. (…) Ich erinnere mich an den Besuch mit ihm in Qom und wurde von seiner Leidenschaft und (seine) Bemühungen für schiitische Theologie und die moderne Wissenschaft an der vom ihm gegründeten Universität beeindruckt. Dies ist einzigartig‘. (…)

Die Beamtin des deutschen Außenministeriums Schuegraf gibt mit ihrer Teilnahme grünes Licht für die Hinrichtungsmaschinerie der Mullahs. In den ersten 5 Monaten dieses Jahres wurden im Iran mehr als 250 Menschen exekutiert. (…) Es wurden unlängst mindestens 16 Frauen auf der Straße mit Säure angegriffen. Kurz vor der Evin-Tour der Botschaftsangestellten am 5.7 wurden zwischen dem 1. und dem 5. Juli wenigstens 21 Gefangene in Evin und anderen Gefängnissen am Galgen erhängt.“ (Kazem Moussavi: „Deutschland unterstützt Werbeveranstaltung für die Bastille der Mullahs: das Teheraner Evin-Gefängnis“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login