In Nordsyrien kam es in der vergangenen Woche zu Gefängnisausbrüchen von zahlreichen Mitgliedern des Islamischen Staates als syrische Milizen die kurdischen Bewacher aus der Region vertrieben.
In Nordsyrien kam es in der vergangenen Woche zu rasanten Entwicklungen, angefangen mit Zusammenstößen zwischen syrischen Sicherheitskräften und den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) bis hin zu Berichten über eine Massenflucht von IS-Häftlingen. Diese Entwicklungen haben zu Befürchtungen geführt, dass die geflohenen Häftlinge zur Reorganisation des Islamischen Staates (IS) beitragen und Nachbarländer, insbesondere den Irak, bedrohen könnten.
Im Zuge dieser jüngsten Zusammenstöße haben die syrischen Sicherheitskräfte die vollständige Kontrolle über die Provinzen Raqqa und Deir ez-Zor zurückerobert, während die östlichen Teile der Provinz Hasaka im Nordosten des Landes unter der Kontrolle der SDF bleiben. Trotz eines am Dienstag erzielten Waffenstillstandsabkommens führten die Zusammenstöße zu einer Sicherheitskatastrophe in Hasaka, da eine Reihe von IS-Mitgliedern aus dem Gefängnis al-Shaddadi fliehen konnten, das unter kurdischer Kontrolle gestanden war, bevor es von syrischen Sicherheitskräften eingenommen wurde.
Der Medienbeauftragte der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Farhad Shami, sagte: »Im Gefängnis von al-Shaddadi waren 1.500 Häftlinge untergebracht, darunter IS-Führer verschiedener Nationalitäten, die massenhaft flohen, ohne dass die internationale Koalition eingriff.« Das syrische Innenministerium gab jedoch bekannt, dass nur etwa einhundertzwanzig geflohen seien.
Dieses Ereignis löste in der Region Besorgnis aus, weshalb auch der irakische Innenminister Abdul Amir al-Shammari warnte, jeder Vorstoß von IS-Kämpfern an die Grenze seines Landes zu Syrien werde mit Schüssen beantwortet werden. »Wir beobachten und verfolgen täglich die Ereignisse in Syrien und haben diese bereits vor drei Jahren vorhergesehen. Wir haben die internationalen Grenzen, insbesondere zu Syrien, befestigt und einen Graben entlang der Grenze ausgehoben. Außerdem setzen wir an den Grenzübergängen Tag und Nacht Wärmebildkameras ein.«
Der syrische Interimspräsident Ahmed al-Sharaa und der irakische Premierminister Mohammed Shia al-Sudani besprachen während eines Telefonats »die Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit zwischen dem Irak und Syrien, insbesondere im Sicherheitsbereich, um die Grenzen zu schützen und die Überreste der Terrororganisation Daesh [arabisch für: Islamischer Staat] zu verfolgen, sowie die Koordinierung der Bemühungen zur Wiedereröffnung der Grenzübergänge zwischen den beiden Ländern«.
Strategische Bedrohung
Währenddessen startete das US-Zentralkommando (CENTCOM) am Mittwoch eine Mission zur Verlegung von IS-Häftlingen aus dem Nordosten Syriens in den Irak »um sicherzustellen, dass die Terroristen in sicheren Haftanstalten bleiben«, wie es in einer Erklärung des US-Militärs heißt. Die Gesamtzahl der IS-Häftlinge, die aus Syrien in Haftanstalten unter irakischer Kontrolle verlegt werden sollen, wird laut CENTCOM voraussichtlich siebentausend betragen.
Trotzdem geben die aktuellen Entwicklungen Anlass zur Sorge über ein Wiederaufleben der IS-Bedrohung in der Region. Der irakische Sicherheitsexperte Kamel al-Kinani sagte, der Irak verfüge über ausreichende Kapazitäten, um jegliche Versuche terroristischer Infiltration aus syrischen Gefängnissen zu verhindern. Er glaubt, dass die wirkliche Gefahr in Syrien selbst liege. Diese Personen stellen eine »tickende Zeitbombe« dar, so al-Kinani und forderte strengere Maßnahmen und eine verstärkte nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit den USA, um die Entstehung eines Sicherheitsvakuum zu verhindern, das von der Terrorgruppe ausgenutzt werden könnte.
Der syrische Forscher Zana Omar ist der Ansicht, dass die Organisation durch ihre Integration in die Institutionen der Übergangsregierung präsenter und mächtiger seit Langem sei und fügte hinzu, dass der Islamische Staat von seiner »Abwarte-Strategie«, die er in der Zeit von 2021 bis 2024 verfolgte, zu einer »Empowerment-Phase« mit neuen Instrumenten übergegangen sei, zu denen auch gezielte Angriffe zur Beeinflussung des politischen Umfelds gehören.
Darüber hinaus erklärte der irakische Vertreter im UN-Sicherheitsrat Luqman al-Faily am Donnerstag, dass »die Sicherheit der IS-Gefängnisse keine lokale Angelegenheit ist, sondern eine Frage der internationalen Verantwortung und der nationalen Sicherheit des Iraks. Jede Nachlässigkeit bei der Kontrolle dieser Gefängnisse gibt Daesh die Möglichkeit, sich neu zu formieren.« So sei das Gefangenenlager al-Hol zu einer drohenden strategischen Gefahr geworden: »Der Zusammenbruch des Gefängnisses al-Shaddadi, in dem gefährliche Terroristen und extremistische Anführer untergebracht sind, hat die Fragilität des gesamten Sicherheitssystems offenbart. Angesichts der Nähe des Gefängnisses zum Lager al-Hol könnte dies der Funke sein, der das gesamte Lager in Brand setzt.«





