Der israelisch-arabische Aktivist Yoseph Haddad wirft den arabischen Parteien vor, eine spalterische Politik zu betreiben und nicht die Interessen der israelischen Araber zu vertreten.
Amelie Botbol
Gescheiterte arabisch-israelische Politiker hätten in den vergangenen Jahrzehnten schlechte Entscheidungen getroffen, die ihren Wählern nicht gedient haben, sagte der Aktivist Yoseph Haddad, der einen Einstieg in die Politik erwägt, kürzlich gegenüber Jewish News Syndicate. »Sie konzentrierten sich auf Ramallah statt auf Nazareth. Sie konzentrierten sich auf Gaza statt auf Rahat. Sie kümmerten sich mehr um die Lage der Menschen, die nicht für sie stimmen, als um die derer, die es tun.«
Würde man eine Umfrage unter arabischen Israelis durchführen und »fragen, welche Themen für sie an erster Stelle stehen, wird man feststellen, dass der israelisch-palästinensische Konflikt an letzter Stelle steht. Sicherheit innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft, Kriminalität und illegale Waffen sind die Themen, die der arabisch-israelischen Gesellschaft weitaus mehr am Herzen liegen als der Konflikt. Aber jedes Mal, wenn Wahlen anstehen, machen arabische Politiker Versprechungen, üben Druck auf uns aus und verkaufen uns Illusionen«, kritisierte er die bestehenden arabischen Parteien.
Zwar gehörten arabische Politiker oft zu den aktivsten Abgeordneten in der Knesset, doch gelang es ihnen selten, Gesetze zu verabschieden, da sie in der Opposition blieben, so Haddad. Im Jahr 2021 wurde Mansour Abbas als erster arabisch-israelischer Politiker Teil einer Regierungskoalition, was laut Haddad beweise, dass arabische Politiker siebzig Jahre lang den falschen Ansatz verfolgt hätten.
»Diese arabischen Politiker haben meine Gemeinschaft zerstört, weil sie Trennung wollten. Sie wollten, dass die Kluft größer wird. Sie wollten diese Spaltung, wegen der sie gewählt werden, weil ihr Wahlkampf auf Illusionen und Angst basiert«, sagte Haddad. »Ich werde niemals mit ihnen kooperieren. Ich bin hier, um sie zu ersetzen und sicherzustellen, dass die Menschen das Leid verstehen, das wir Jahrzehnt für Jahrzehnt erdulden mussten, weil sie es versäumt haben, mutige Entscheidungen zu treffen und der [arabischen] Gesellschaft zu Wohlstand zu verhelfen.«
Haddad sagte, die Partnerschaft, die täglich zwischen arabischen und jüdischen Israelis stattfindet, erhalte nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdiene. Der 7. Oktober 2023 habe die Stärke dieser Partnerschaft bewiesen, als Juden und Araber gemeinsam angegriffen wurden und sich gegenseitig retteten.
Vertretung aller Israelis
Haddad ist ein prominenter Verfechter Israels und Vorstand von Together – Vouch for Each Other, einer Organisation, die sich der Stärkung der Beziehungen zwischen arabischen und jüdischen Israelis widmet. Keine politische Partei, die er führe, würde konfessionell geprägt sein, so Haddad.
Als politischer Führer würde er vielmehr alle Israelis gleichermaßen vertreten, »ob sie nun Mustafa oder David, Sanae oder Shlomit heißen. Meine Sichtweise ist ganz einfach: Wir sind eine Partei, in der es Araber und Juden gibt, in der Araber stolz darauf sind, Araber zu sein, und Juden stolz darauf, Juden zu sein – und beide stolz darauf, Israelis zu sein. Wir alle arbeiten für unser Land, sind für unsere Gesellschaft tätig, sorgen für Sicherheit und suchen den richtigen Weg, um all unsere Feinde zu bekämpfen.«
Er sei fest davon überzeugt, »dass wir ein Gleichgewicht finden müssen zwischen unseren westlichen Werten und der Tatsache, dass unser Land im Nahen Osten liegt. Gelinge dies nicht, so Haddad, würde dies die Zukunft des Landes gefährden. »Das bedeutet nicht, dass ich meine westlichen Werte aufgeben möchte. Tatsächlich bin ich als Araber, der in Haifa und Nazareth aufgewachsen ist, mit westlichen Werten erzogen worden. Genau das unterscheidet uns von unseren Feinden. Wir heiligen das Leben, nicht den Tod; wir wollen Frieden, nicht Krieg. Aber gleichzeitig verstehe ich, dass im Nahen Osten der einzige Weg, Frieden zu erreichen, über Stärke und Macht gegenüber unseren Feinden führt.«
Mögliche Partner
Laut einer aktuellen Umfrage des Midgam-Instituts unter der Leitung des israelischen Statistikers Mano Geva würde eine von Haddad geführte Partei fünf Sitze in der Knesset gewinnen. Dabei würde sie vor allem Unterstützung von Wählern der Mitte-Rechts-Parteien erhalten.
Eine weitere politische Persönlichkeit, mit der Haddad laut eigener Aussage keine Partnerschaft eingehen würde, ist der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Yair Golan.
Im Mai 2025 löste Golan eine Kontroverse aus, als er gegenüber Kan News erklärte, ISoldaten der israelischen Streitkräfte, die in Gaza gegen die Hamas kämpfen, würden »Babys als Hobby töten«, was breite Kritik hervorrief. »Ich werde keine Partnerschaft mit ihm eingehen, zumindest nicht, bis er im nationalen Fernsehen auftritt und sich dafür entschuldigt, dass er seinen Status genutzt hat, um seine politische Agenda auf Kosten mutiger IDF-Soldaten voranzutreiben, die gegen einen Feind kämpften und immer noch kämpfen, der uns alle vernichten will.«
Er betrachte die Aussagen Golans als Verrat, erklärte Haddad. »So etwas zu sagen, schadet unseren Soldaten zutiefst, die mutig an mehreren Fronten für die Zukunft der Nation kämpfen. Eine solche Äußerung in Kriegszeiten zu tätigen, ist absolut unverantwortlich und hat zu der Flut von unbegründeten Verleumdungen und Angriffen beigetragen, die bereits im Gange ist. Er soll sich entschuldigen, dann werden wir reden.«
Haddad ist der Ansicht, dass die Trennlinie in der israelischen Politik zwischen denjenigen verläuft, die proisraelisch sind, und denen, die antiisraelisch sind. Dies sei eine Unterscheidung, die nichts mit legitimer Kritik an der Regierungspolitik zu tun habe. »Wenn Sie für den Staat arbeiten, wenn Sie unsere IDF-Soldaten unterstützen, wenn Sie verstehen, dass unsere Feinde darauf aus sind, Wege zu finden, uns zu vernichten, und wir daher wachsam sein müssen. Und wenn Sie ein Patriot sind, der für sein Land kämpfen will, dann bin ich Ihr Ansprechpartner. Meine Partei würde jeden Israeli vertreten, ob Araber oder Jude, säkular oder religiös, jeden, der stolz auf unser Land ist.«
Haddad erklärte, die Mission seiner Partei bestehe darin, die Arbeit fortzusetzen, die er außerhalb der Politik geleistet habe, und sie in die politische Arena zu tragen. »Ich bin in den letzten neun Jahren durch Israel gereist und habe Zehntausende von Menschen getroffen, wenn nicht sogar mehr, und die giftigen Äußerungen, die wir im Fernsehen hören, spiegeln nicht die Meinung der meisten Israelis wider. Die Mehrheit der Menschen ist sich in Sicherheitsfragen weitaus näher, als ihnen bewusst ist. Wenn es uns gelingt, all diese Stimmen zusammenzubringen, haben unsere Feinde keine Chance.«
Als er, so Haddad abschließend, »am 8. Oktober gefragt wurde, ob wir gewinnen oder verlieren würden, und von der 130-prozentigen Mobilisierungsquote der Reservisten hörte, sagte ich voraus, dass wir uns erheben und unsere Feinde besiegen würden – dank der Einheit Israels. Und diese Einheit ist meine Mission.«
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






