Zusammen haben die beiden von Wikipedia sanktionierten Redakteure über 100.000 Bearbeitungen vorgenommen.
Von Aaron Bandler
Wikipedias oberstes Gremium, der Schlichtungsausschuss, hat in den letzten Monaten beschlossen, zwei antiisraelische Redakteure auf unbestimmte Zeit zu sperren. Ein »bedeutender Schritt« für die Crowdsourcing-Enzyklopädie, die laut Shlomit Lir, einer auf Wikipedia spezialisierten Forscherin an der Universität Haifa, zu den meistbesuchten Websites im Internet zählt. Die beiden seien »erfahren und äußerst einflussreich«, erklärte Lir gegenüber JNS.
Die Entscheidung des Ausschusses »sollte nicht nur als Ausdruck eines internen Bewusstseinswandels verstanden werden, sondern auch als Ergebnis wachsenden externen Drucks« hinsichtlich der Art und Weise, wie Wikipedia mit Voreingenommenheit umgeht, so die israelische Forscherin. »Nach aktuellen Einschätzungen betrifft die Angelegenheit ein viel breiteres Netzwerk von fast 100 Redakteuren, die nach ähnlichen Mustern gehandelt haben oder weiterhin handeln, von denen jedoch nur eine kleine Anzahl tatsächlich gesperrt wurde«, erklärte sie gegenüber JNS.
Die beiden gesperrten Konten mit den Namen Iskandar323 und M.Bitton »kannten einander und waren in denselben sensiblen Bearbeitungsbereichen tätig«, sagte Lir. »Den verfügbaren Unterlagen zufolge arbeiteten sie auch in bestimmten Diskussionen und Inhaltsbereichen zusammen.« »Dies sind nicht nur zwei Einzelfälle, sondern Teil eines umfassenderen Phänomens erfahrener Redakteure, die über einen sehr langen Zeitraum daran gearbeitet haben, Narrative in Bereichen zu prägen, die mit Israel, dem Judentum, dem Zionismus und dem israelisch-palästinensischen Konflikt zusammenhängen«, sagte sie.
Die Sperrung von Redakteuren wie diesen beiden »behebt nicht die inhaltliche Verfälschung, die sie hinterlassen haben«, so die Forscherin. »Die meisten der voreingenommenen Bearbeitungen, Auslassungen, Formulierungsänderungen, selektiv ausgewählten Referenzen und Framing-Maßnahmen sind bereits in die Artikel eingebettet, und viele davon bleiben auch nach der Entfernung der Redakteure bestehen«, erklärte Lir gegenüber JNS.
Über 100.000 Änderungen
Der Wikipedia-Redakteur mit dem Pseudonym M.Bitton, der mehr als 64.000 Bearbeitungen auf der Website vorgenommen hatte, wurde am 28. April gesperrt. »Sein Verhalten untergräbt das kollaborative Umfeld zutiefst, und ich bin mir nicht sicher, ob wir diesen Schaden jemals rückgängig machen können«, erklärte ein Mitglied des Schlichtungsausschusses. Das Komitee stimmte mit 12:0 für die Sperrung von M.Bitton, der binnen eines Jahres gegen die Sperre Berufung einlegen kann.
Im Januar stimmte das Gremium mit 7:5 Stimmen dafür, den Redakteur Iskandar323 auf unbestimmte Zeit zu sperren, nachdem festgestellt worden war, dass die Person hinter dem Konto, die bereits von der Bearbeitung von Themen im Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt ausgeschlossen worden war, wiederholt gegen dieses Verbot verstoßen hatte. Iskandar323, der fast 50.000 Bearbeitungen vorgenommen hatte, kann ebenfalls binnen eines Jahres Berufung einlegen.
Wenn jemand, der gesperrt wurde, versucht, ein neues »Sockpuppet«-Konto auf Wikipedia zu erstellen, verfügt die Seite über einen Mechanismus, der »dabei hilft, neue Konten zu erkennen, die die Verhaltensmuster gesperrter Redakteure fortsetzen, indem Verhaltenshinweise mit technischen Überprüfungen kombiniert werden«, erklärte Lir gegenüber JNS. »Mögliche Indikatoren sind unter anderem die Rückkehr zu denselben Themen, die Verwendung derselben Quellen, ähnliche Formulierungen, bekannte Bearbeitungsmuster, Aktivitäten, die kurz nach einer Sperre auftreten, oder ein neues Konto, das dieselbe redaktionelle Linie verfolgt«.
Laut Lir gibt es auch »begrenzte« Tools, mit denen technische Daten wie IP-Adressen überprüft werden können. Eine Sockpuppet-Untersuchung könne »dabei helfen, direkte Versuche zur Umgehung von Sperren zu identifizieren, bietet jedoch keine umfassende Antwort auf das breitere Phänomen organisierter oder anhaltender Wissensverzerrung«, sagte sie.
(Der Beitrag ist auf Englisch beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Florian Markl.)






