In den vergangenen zwei Wochen fanden vier dramatische Telefonate zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump statt, die eine Reihe von Fragen aufwerfen.
Das erste Gespräch ereignete sich vor etwa zwei Wochen, als Israel eine groß angelegte Operation gegen Ziele der Hisbollah im Stadtteil Dahiyeh im Herzen von Beirut plante. »Sind Sie verrückt?«, soll der amerikanische Präsident Netanjahu gefragt haben, woraufhin die geplanten Angriffe gestoppt wurden.
Das zweite Telefonat fand am Sonntag vor einer Woche statt, unmittelbar nach einem iranischen Angriff, bei dem zwanzig Raketen auf Israel abgefeuert wurden. Trump ging mit der festen Absicht in das Gespräch, eine israelische Reaktion zu verhindern, machte aber letztendlich einen Kompromiss. »Es gab kein direktes ›Tu das nicht‹ vom amerikanischen Präsidenten, aber es gab eine klare Botschaft: Ihr seid ein souveräner Staat, und jede Entscheidung hat Konsequenzen«, erzählte eine mit den Details des Gesprächs vertraute Quelle gegenüber Mena-Watch.
Israel führte die Angriffe auf den Iran durch. Als es jedoch am folgenden Tag eine umfassendere Operation plante, die rund fünfzig Kampfflugzeuge umfassen sollte, griff Trump ein und stoppte sie. »Wir stehen kurz vor einer Einigung mit dem Iran«, soll er während dieses dritten Gesprächs gesagt haben.
Das vierte Telefonat, das vielleicht das dramatischste von allen war, war dasjenige, in dem Trump Netanjahu mitteilte, dass die Vereinigten Staaten und der Iran ein Rahmenabkommen erzielt hätten. Das Gespräch fand statt, nachdem israelische Beamte von Trumps Ankündigung in den sozialen Medien völlig überrascht worden waren. »Wir bereiteten uns auf einen Krieg vor, und plötzlich stellen wir fest, dass ein Abkommen unterzeichnet wurde«, sagte ein hochrangiger israelischer Beamter gegenüber Mena-Watch.
Wechselhafte Beziehungen
Lässt man die strategischen Auswirkungen des Abkommens einmal beiseite, lautet die eigentliche Frage: Was sagt diese Episode über die Beziehung zwischen Trump und Netanjahu aus? Bedeutet es, dass Trump den israelischen Ministerpräsidenten nicht mehr schätzt? Oder bedeutet es, dass Netanjahu bei Trump nach wie vor hoch im Kurs steht, während nur seine Strategie in Ungnade gefallen ist?
»Netanjahu ist ein Kriegsheld«, betont Trump in praktisch jedem Interview, das er gibt – und davon gab es in den letzten Monaten viele. Es ist kein Geheimnis, dass Trump nach seiner Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen 2020 enttäuscht von Netanjahu war. Vor allem weil der israelische Ministerpräsident Joe Biden angerufen hatte, um diesen zu seinem Gewinn zu gratulieren.
Doch selbst wenn Trump zur Zeit des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 nicht besonders begeistert von Netanjahu war, änderte die Pager-Operation gegen die Hisbollah im Oktober 2024 seine Meinung dramatisch. Damals explodierten vom Mossad präparierte Pager und Kommunikationsgeräte, die von den Aktivisten und Kämpfern der Terrorgruppe genutzt wurden. »Es war eine unglaubliche Operation«, soll Trump gesagt haben, nachdem Netanjahu ihm eine goldene Pager-Statue als Geschenk überreicht hatte.
Der Zwölf-Tage-Krieg mit dem Iran, der im Juni 2025 begann, verstärkte Trumps Bewunderung für Netanjahu noch weiter. Die Tatsache, dass Israel die Operation eigenständig startete – nach einem amerikanischen Startschuss und einer gemeinsamen Täuschungskampagne –, steigerte Netanjahus Ansehen in Trumps Augen erheblich. Israel gelang es sogar, die Vereinigten Staaten davon zu überzeugen, im Rahmen der Operation Midnight Hammer iranische Nuklearanlagen anzugreifen.
Der Krieg brachte die Beziehung zwischen den beiden Staatschefs auf einen beispiellosen Höhepunkt. Er veranlasste Trump zudem, einen Vorschlag von Netanjahu und hochrangigen israelischen Sicherheitsbeamten ernsthaft in Erwägung zu ziehen, eine Kampagne zum Sturz des iranischen Regimes zu führen. »Klingt gut«, soll Trump zu Netanjahu gesagt haben, nachdem der Chef des Mossad die Einzelheiten des Plans vorgestellt hatte.
Doch selbst die von Ende Februar bis Anfang April 2026 dauernden Kämpfe konnten dieses Ziel nicht erreichen. In Washington argumentieren Beamte, Israel habe sich ein Ziel gesetzt, das realistisch gesehen nie erreichbar war. In Israel behaupten Beamte, die Trump-Regierung habe mehrere Operationen blockiert, die den Bemühungen eine echte Erfolgschance hätten geben können, auch wenn ein Sieg keineswegs garantiert gewesen wäre.
Wie weiter?
Letztlich werden Historiker diese Meinungsverschiedenheiten analysieren und einordnen. Was sie jedoch bereits aufgeworfen haben, ist eine umfassendere Frage: Ist Trump von Netanjahu enttäuscht und hat er seine Haltung ihm gegenüber geändert?
Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Die beiden Staatschefs sprechen fast täglich miteinander. Trump überschüttet Netanjahu öffentlich weiterhin mit Lob und drängt Präsident Isaac Herzog nach wie vor, ihm eine Begnadigung zu gewähren. Doch es ist für alle offensichtlich, dass sich Trumps Herangehensweise, auch wenn die persönliche Beziehung intakt bleibt, letztendlich stark von Israels Strategie unterscheidet.
Während Jerusalem auf erneute Angriffe gegen den Iran drängte, darunter Schläge gegen Energieanlagen und kritische Infrastruktur, bevorzugte Trump ein diplomatisches Abkommen – fast um jeden Preis. Berichten zufolge gingen israelische und amerikanische Militärs bei drei oder vier verschiedenen Gelegenheiten davon aus, dass eine weitere Angriffswelle gegen den Iran unmittelbar bevorstehe, und koordinierten die Ziele entsprechend; nur um dann im letzten Moment vom US-Präsidenten ausgebremst zu werden.
Trump befürchtete, dass Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur die Kraftstoffpreise in den Vereinigten Staaten kurz vor den Midterm-Wahlen in die Höhe treiben würden. Zudem war er besorgt, dass es selbst nach einer solchen Operation noch keine Garantie für den Abschluss eines Abkommens geben würde. Gleichzeitig sahen sich die den Krieg befürwortenden Stimmen im Lagezentrum des Weißen Hauses zusehends in der Defensive, während Trump-Berater wie Jared Kushner und Steve Witkoff sich für die Fortsetzung der Verhandlungen einsetzten.
Die wahre Bewährungsprobe für die Beziehung zwischen Trump und Netanjahu dürfte bald kommen, da Israel sich der nächsten Wahl nähert. In früheren Wahlkämpfen konnte sich Netanjahu darauf verlassen, kurz vor der Wahl hochkarätige diplomatische Gesten von Trump zu erhalten. Sollte dies erneut geschehen, würde das darauf hindeuten, dass die beiden Regierungschefs zwar in strategischen Fragen uneinig sind, ihre Freundschaft jedoch intakt bleibt. Sollte dies nicht der Fall sein, müsste Netanjahu, der seine enge Beziehung zu Trump lange Zeit als politischen Trumpf hervorgehoben hat, diesbezügliche Slogans zumindest für den Wahlkampf wohl ad acta legen.






