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Als Baerbock und Habeck nicht einmal sagen konnten, dass im Iran Schwule gehängt werden

Annalena Baerbock und Robert Habeck
Annalena Baerbock und Robert Habeck (© Imago Images / Metodi Popow)

Warum sich grüne Außenpolitik in nichts von der Außenpolitik von Heiko Maas unterscheiden wird.

Laut Umfragen hat Annalena Baerbock, die grüne Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, gute Chancen, die nächste deutsche Bundeskanzlerin zu werden. Und selbst wenn die Grünen bei den im September stattfindenden Bundestagswahlen nur zweitstärkste Partei hinter der CDU/CSU werden sollten, dann wird wahrscheinlich entweder Baerbock oder ihr Parteifreund Robert Habeck das Amt des Bundesaußenministers übernehmen.

Auf die eine oder andere Art wird also einer von ihnen in die deutsche und EU-Außenpolitik eingebunden sein. Er oder sie wird, wie deutsche Bundesregierungen das zu tun pflegen, vor der Welt Urteile über den Staat Israel sprechen und zu diplomatischen Gesprächen mit dem Ayatollah-Regime in die iranische Hauptstadt reisen.

Da ist die Frage erlaubt, was von Baerbock und Habeck zu erwarten ist. Eine Fernsehdebatte aus dem Jahr 2018 lässt Schlimmes befürchten. Als ein Mann aus dem Publikum, der nach eigenem Bekunden das iranische Regime unterstützt, sie mit dessen Propaganda konfrontierte, blieben sie weitgehend stumm, und was sie sagten, war weitgehend inhaltsfrei.

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Jede Lüge – bis hin zu der Behauptung, im Iran würden ja gar keine Schwulen hingerichtet – blieb unwidersprochen. Israel eine „Apartheidsmilitärdiktatur“? Die antisemitische Propaganda wurde von Baerbock und Habeck unwidersprochen und ohne sichtbare Regung hingenommen. Die einzige Fürsprache für Israel – wenn man es denn so nennen will –, die vonseiten des grünen Spitzenduos kam, war: An der Seite Israels zu stehen, sei nun mal „Staatsräson“, aus Gründen der „historischen Verantwortung“.

Eine lästige Pflichtübung also, die allein mit der Vergangenheit begründet ist und für die es keine rationalen und moralischen Gründe in der Gegenwart gibt? Stärker hätten sie nicht vermitteln können, dass sie Israel nicht etwa unterstützen, weil es richtig und ihre Überzeugung ist, sondern weil sie eben meinen, das zu müssen. Eigentlich gaben sie dem Israelhasser damit indirekt Recht.

„Iran hängt Schwule. Eine blanke Lüge!“

Die fragliche Debatte wurde im August 2018 von dem YouTube-Kanal „Jung & Naiv“ organisiert und über das Internet verbreitet. Man findet das Video hier (der Teil über Iran und Israel beginnt etwa bei Minute 11:00).

Der Titel der Sendung war: „Das Nicht-mehr-Grünen-Wähler-Forum“. Einer der beiden Moderatoren wandte sich an das Publikum und fragte, wer bei der letzten Bundestagswahl die Grünen gewählt habe. Viele meldeten sich. Dann stellte der Moderator die Frage: „Gibt es jemanden, der bei der letzten Bundestagswahl die Grünen gewählt hat, aber wenn jetzt Wahl wäre, sagen würde: ‚Nee, jetzt nicht mehr’?“

Bei beiden Fragen hob ein im Publikum sitzender Mann im T-Shirt blitzschnell die Hand. Bei der zweiten Frage war er derart schnell, dass es im Publikum Gelächter gab. Statt abzuwarten, ob sich noch andere Zuschauer melden, bat der Moderator den Mann auf die Bühne. Im Folgenden protokollieren wir das Gespräch mit Baerbock und Habeck.

Moderator: Kurz die Spielregeln: Nicht mehr als zwei bis drei Minuten und am besten nicht zwanzig Fragen auf einmal.

Mann im T-Shirt: Ich bin Esfand, gebürtig aus Teheran, als Flüchtling nach Deutschland gekommen, später Internetsachen gemacht, und mache jetzt eher andere Sachen, eher gesellschaftliches Engagement, bisschen wild.

Zwei Themen haben mich – ich habe mich mal als sozialliberal betrachtet – und habe fast immer die Grünen gewählt und war auch mal `n bisschen bei den Jungen Grünen, aber auch bei den Jungen Liberalen davor, bisschen vorbeigeschaut, da war ich 15, 16. Nun habe ich aber zwei Punkte, also Themen, die mich total beschäftigen.

Ich hab’ überlegt, wie kann man die Gesellschaft gerechter machen und auch den Nahen Osten. Das sind auch meine beiden Steckenpferde. Die Nahostpolitik der Grünen, find’ ich, unterscheidet sich kaum von der der CDU. Da werden Dinge nicht beim Namen genannt, beispielsweise, wenn es da eine Apartheidsmilitärdiktatur gibt, wo über 50 Prozent der Bevölkerung von Wahlen ausgeschlossen sind, seit Generationen, und über 50 Prozent der Bevölkerung auch gar keine Aussicht darauf hat, jemals ein Wahlrecht zu bekommen, und das Ganze eine Militärdiktatur ist, wird das hier in Deutschland nicht beim Namen genannt.

Moderator: Von welchem Land sprichst du?

Mann im T-Shirt: Israel. Gleichzeitig wird aber Iran massiv dämonisiert. Also alles, was ich über den Iran wusste, bis vor wenigen Jahren, hat sich als falsch herausgestellt. Da heißt es ganz oft – in der BILD-Zeitung natürlich sowieso –: Iran hängt Schwule. Eine blanke Lüge! Dazu habe ich oft auf Facebook geschrieben, Redakteure angesprochen, Politiker angesprochen.

Moderator: Was wirfst du jetzt den Grünen vor?

Mann im T-Shirt: Ähm. Wo ist denn jetzt der Unterschied zwischen dir [zeigt auf Baerbock] oder euch und Jens Spahn? [Baerbock prustet] Wenn es um Nahostpolitik geht? Waffenexporte in eine Militärdiktatur, sogar atomare Technologie, Waffentechnologie, deutsche U-Boote, mit denen man Atomraketen auf den Iran abschießen kann beispielsweise [muss selbst lachen]?

Moderator: Also ich glaube, der Punkt ist klar geworden. Das war so `n kleiner Trigger: Wo ist jetzt eigentlich der Unterschied zwischen Baerbock/Habeck und Spahn? Wer mag denn antworten?

Baerbock: Also, da gibt’s viele Punkte, würde ich sagen. Ich hab’ mit Jens Spahn auch viele Nächte verbracht.

Moderator: Oh! (Gelächter im Publikum)

Baerbock: Nicht ganz freiwillig.

Moderator: Oh! (Gelächter in der ganzen Runde)

Baerbock: Bei den Jamaica-Sondierungen, weil wir gemeinsam über Europa verhandelt haben. Das war sehr zäh und heftig. Ja, deswegen gibt’s da viele Unterschiede.

Aber auf die Frage Außenpolitik und Nahost, und das ist ja gleich zu Anfang auch `n hartes Thema, und `n Thema, was, ja, nicht so einfach ist, weil wir da als Grüne das ganz klar sagen – also mit Blick auf Israel jetzt die Frage –: dass wir `ne historische Verantwortung haben. Und ich glaube, das ist auch wirklich noch mal eine besondere Rolle für Deutschland, aufgrund der sechs Millionen Juden, die hier ermordet wurden.

Dass die Frage vom Existenzrecht Israels eine ist, die in unserer historischen Verantwortung liegt, und deswegen gibt es da aus meiner Sicht zwischen allen demokratischen Parteien auch wirklich einen historischen Grundkonsens, und auf die Frage: Was unterscheidet euch da? Da, an diesem Punkt, nicht viel oder gar nichts.

Und auf der anderen Seite haben wir als Grüne aber auch immer wieder deutsch… deutlich gemacht, dass man gerade mit den Ländern, wo man `ne tiefe Freundschaft oder auch historische Verantwortung hat, Dinge auch nicht schönreden darf. Und das heißt, dass wir auch das immer wieder angesprochen haben. Ich war einmal auch länger in Israel, um genau die Frage…

Mann im T-Shirt: Aber noch nie in Teheran.

Baerbock: Nee, noch nie in Teheran. Ja, ich beantworte jetzt erst mal die Israel-Frage, und dann komme ich zum Iran. Und genau diese Frage, und da leben eigentlich Staatsbürger eines Landes und sind aber eingeschlossen, weil sie in Städten sind, denn die Mauer geht ja nicht so zwischen dem Gazastreifen [malt mit der Hand eine Mauer in die Luft], sondern einzelne Siedlungsgebiete sind ja mit einer Mauer umstellt.

Und dass das natürlich `ne Frage, ich bin Völkerrechtlerin, ist, die mit dem Völkerrecht so nicht vereinbar ist und das auch immer wieder deutlich betont, und auf der anderen Seite aber wie gesagt auch eine Frage von historischer Verantwortung. Und so schwer das ist, sagen wir deshalb auch immer, es muss `ne Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt geben, und Menschenrechtsverletzungen müssen auch als Menschenrechtsverletzungen so immer betitelt und auch klar und deutlich zur Sprache gebracht werden.

Und mit Blick auf den Iran und Teheran – oder erst mal Waffenexporte und Rüstungsexporte betrifft ja vor allen Dingen auch Israel, da haben wir `ne sehr andere Meinung als die CDU oder auch die Union insgesamt, weil wir ganz klar sagen, Rüstungsexporte in Kriegsregionen gehen nicht oder in Krisenregionen, und die U-Boot-Lieferungen, die es auch an Israel gegeben haben, die haben wir als Grüne auch immer kritisiert.

Also hier haben wir dann eine andere klare Haltung als – Herrn Spahn habe ich, ehrlich gesagt, noch nicht dazu gehört – aber jedenfalls als die Union.

Und Blick auf den Iran: Nein, ich persönlich war noch nie im Iran. Bei der ganzen Frage mit Atomdeal und den USA haben wir `ne klare Haltung vertreten, auch zu sagen, das war einer der entscheidenden diplomatischen Projekte der letzten Jahre, und als Trump das ganze Ding wieder mit dem Allerwertesten eingerissen hat, wirklich wieder auch `ne Bedrohung für den Nahen Osten insgesamt.

Auf der anderen Seite: Ich bin keine Iran-Expertin. Also will ich nicht sagen, was wie und wo ist, also wenn du sagst, es gibt keine Erhängungen von Schwulen, nehme ich das erst mal so hin.

Aber die Fragen von Frauenrechten und anderen Rechten im Iran ist was, was wir als Partei, die auf Gleichberechtigung, nicht nur von Homosexuellen, sondern auch von Frauen steht, auch immer wieder ansprechen und auch weltweit ansprechen, weil für uns gilt auch, Menschenrechte sind nicht relativierbar und die gelten weltweit für alle Menschen, an jedem Ort dieser Erde.

Moderator, an Zuschauer gewandt: Hast du noch `ne Frage an Robert oder ein anderes Thema?

Mann im T-Shirt: Ja, gut, das war jetzt so `ne Standardantwort zum Thema Israel. Wie kann ich unter der Ausrede „Staatsräson“ und „historische Verantwortung“ Kriegsverbrechen mittragen, an Kriegsverbrecher Waffen permanent exportieren, die Kriegsverbrechen nahezu nie beim Namen nennen, es wird ja schon beides weitestgehend totgeschwiegen und man spricht auch nie von einer Apartheidmilitärdiktatur, sondern sehr oft…

Moderator: Da bist du auch der Einzige hier, der von einer Militärdiktatur in Israel sprechen würde.

Mann im T-Shirt: Wenn die Mehrheit der Bevölkerung kein Wahlrecht hat und unter einer Militärdiktatur lebt, was ist das denn dann?

Habeck: Aber findest du denn nicht – also ich räume ein, dass ich die letzten politischen Äußerungen von Politikern im Iran nicht so drauf hab’, aber Ahmadinedschad…

Mann im T-Shirt: Der ist schon lange weg.

Habeck: Ich weiß, aber du redest ja auch über eine lange Zeit. Also, so. Also, das ist `ne verkeilte Situation, oder? Ne offensichtlich verkeilte Situation.

Und dass Israel viele Fehler macht, oder aus unserer Sicht, im Umgang mit palästinensischen Gebieten, das wird angesprochen, wird kritisiert, also ich will jetzt nicht, kann man halt auch deutlicher sagen, hat Annalena dargestellt, das ist `ne Grenzwanderung. Aber dass der Iran jetzt sozusagen nur Tauben sind und gerade gegenüber Israel die totale Appeasementpolitik betreibt, kannste ja auch nicht sagen. Oder?

Mann im T-Shirt: Iran hat den Nahen Osten von der ISIS befreit, die vom Westen mit Milliarden Dollar massiv aufgerüstet wurde. Und die israelische Armee kämpft an der Seite von ISIS und Al-Qaeda gegen Iran, Russland und…

Habeck: Der Iran kämpft mit Assad zusammen gegen die ISIS. Okay, da kann man natürlich sagen, soll man sich jetzt darüber streiten, wer hier der Bessere ist?

Mann im T-Shirt: Die ISIS oder Iran?

Habeck: Stell dich doch mal auf die Seite der Richtigen. Wenn Assad mit Iran gegen ISIS kämpft, ist, das wirst du einräumen, nicht `ne ganz einfache Frage. Du kannst nicht sagen: Ist doch logisch, wer der Bessere ist. Also aus meiner Sicht sind die einen Mörder wie die anderen.

Mann im T-Shirt: Hätte der Westen nicht Milliarden Dollarn an die ISIS geliefert, wäre der Krieg lange vorbei gewesen.

Habeck: Klar, am einfachsten wäre es, es hätte keinen Kolonialismus gegeben, und die Grenzen von Syrien und Jordanien wären nicht so gezogen worden, wie sie da gezogen wurden, das ist alles richtig.

Aber wenn du dich aktuell zu der Situation verhalten musst, dann findest du doch eine Melasse von unterschiedlichsten Konflikten. Deswegen finde ich deinen Appell – also mit allem Respekt, du kannst dich ja äußern, wie du willst – es ist doch so offensichtlich, entscheidet euch doch mal anders, für die richtige Seite, bei der Situation, die du gerade eben geschildert hast, so ist es eben nicht. Du kannst dich da eben nicht klar entscheiden.

Und stell dir vor, also ich weiß nicht, ob du das willst, aber stell dir vor, wir würden sagen, Israel ist kein Alliierter mehr. Also, es gibt keine Allianz mehr für Israel. Das wäre doch Wahnsinn, jetzt in der Situation. Umgekehrt ist es genauso falsch zu sagen, wir kritisieren nicht mehr Menschenrechtsverletzungen und Siedlungsbau und die Politik von Netanjahu. Aber es ist eben nicht so leicht.

Mann im T-Shirt: Also selbst Ahmadinedschad hat gesagt: Wäre die Politik von Yitzhak Rabin fortgesetzt worden, hätte Israel längst seine Botschaft in Teheran wieder eröffnen können. Also Iran unterstützt eine Zwei-Staaten-Lösung, auch wenn das hier nicht so gesagt wird. Anderes Thema…

Moderator: Nee, nicht böse sein, es war ein wunderbarer Einstieg, der schön zeigt, wie’s hier laufen soll […].

„Ich bin keine Iran-Expertin“

Baerbock und Habeck kann man im besten Fall attestieren, völlig hilflos gewesen zu sein, weil sie keine Ahnung haben.

Um sich herauszuwinden, kamen sie dem Israelhasser auf halbem Weg entgegen, indem sie von den „vielen Fehlern“ Israels sprachen (Habeck) oder stolz verkündeten, „schon immer“ gegen deutsche U-Boot-Lieferungen an Israel gewesen zu sein (die der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1991 begann, aus Scham darüber, dass die Bewohner Tel Avivs während des Golfkriegs hatten Gasmasken tragen müssen, um sich vor dem Giftgas zu schützen, bei dessen Herstellung deutsche Firmen dem Irak geholfen hatten).

Halten wir einige der faustdicken Lügen fest, die der Mann, der sagt, er sei als „Flüchtling“ aus dem Iran gekommen und jetzt viel Zeit darauf verwendet, Lobbyarbeit für das iranische Regime zu machen, Baerbock und Habeck ins Gesicht sagte:

  • „Israel ist eine Apartheidsmilitärdiktatur“
  • „Iran hängt Schwule? Eine blanke Lüge!“
  • „Der Westen hat Milliarden Dollarn an die ISIS geliefert“
  • „Iran hat den Nahen Osten von der ISIS befreit“
  • „Selbst Ahmadinedschad hat gesagt: Wäre die Politik von Yitzhak Rabin fortgesetzt worden, hätte Israel längst seine Botschaft in Teheran wieder eröffnen können. Also Iran unterstützt eine Zwei-Staaten-Lösung.“

Selbstverständlich gibt es in Israel keine Apartheid. Die Bewohner der Palästinensischen Autonomiegebiete, die „Esfand“ wahrscheinlich meint, leben unter der Diktatur der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas – an beidem aber hat „Esfand“ offenbar nichts auszusetzen.

Das iranische Regime richtet Schwule hin, und jeder weiß das oder sollte es wissen. Die westliche Presse berichtet schon seit vielen Jahren immer wieder darüber. Das iranische Regime bestreitet die Hinrichtungen nicht. Dass Homosexuellen im Iran die Todesstrafe droht, kann man auch auf der Website der Grünen-Bundestagsfraktion lesen.

Es ist schockierend, dass Baerbock und Habeck sich weismachen lassen, es gebe diese Hinrichtungen nicht – und nichts Besseres zu erwidern haben als: „Ich bin keine Iran-Expertin. Also … nehme ich das erst mal so hin.“ Weil der Lüge niemand widersprach – Baerbock nicht, Habeck nicht, die Moderatoren nicht –, erschien sie in der Sendung als die Wahrheit.

Der Propagandist des iranischen Regimes konnte einen ebenso deutlichen wie leichten Punktsieg feiern, weil Baerbock und Habeck keinerlei Argumente hatten: Weder konnten sie begründen, warum Israel eigentlich ein Verbündeter ist, noch fiel ihnen irgendetwas ein, das schlecht am iranischen Regime ist.

Peinlich war, wie Habeck den Fürsprecher Teherans anzuflehen schien, dieser möge doch zumindest einräumen, dass das iranische Regime nicht „nur aus Tauben“ bestehe „und gerade gegenüber Israel [nicht] die totale Appeasementpolitik betreibt“. Soweit war Habeck schon heruntergehandelt worden. Kleinlaut fügte er hinzu: „Das kannste ja auch nicht sagen. Oder?“

Verräterisch das Wort „Appeasementpolitik“, ein Begriff der bekanntlich benutzt wird, wenn es um die beschwichtigende Politik des damaligen britischen Premiers Neville Chamberlain gegenüber Hitler im Jahr 1938 geht. Israel wäre demnach eine Bedrohung wie Hitler?

Unwissenheit über den IS

Selbstverständlich hat „der Westen“ niemals „Milliarden Dollar an die ISIS“ geliefert. Weil Baerbock und Habeck, was die Entstehungsgeschichte des IS betrifft, offenbar völlig ahnungslos sind, mussten sie auch diese Lüge schlucken. „Esfands“ Bluff funktionierte. Er stellte eine Lüge so dar, als wäre es eine allgemein bekannte Tatsache. Niemand widersprach.

Halten wir fest: Die mögliche künftige Bundeskanzlerin und der mögliche nächste Bundesaußenminister halten es für plausibel, dass der Westen dem IS „Milliarden Dollar“ geliefert habe.

Der Iran hat natürlich nicht den Nahen Osten vom IS befreit. Das iranische Regime hat in Wahrheit auf vielfache Weise dazu beigetragen, dass der IS entstand und so stark wurde: Im Irak durch die Unterstützung der Terrororganisation Al-Qaeda im Iraq (AQI) und deren Anführer Abu Musab al-Zarqawi. AQI war die Vorläuferorganisation des IS und wurde auch von Irans Verbündetem Syrien unterstützt.

Dass der Iran dann schiitische Milizen im Kampf gegen den IS unterstützte, ist korrekt. Diese aber wiederum verübten selbst Kriegsverbrechen gegen die irakische Bevölkerung. Von alldem wissen Habeck und Baerbeck offenkundig nichts und konnten der Propaganda des iranischen Regimes, die sie zu hören bekamen, nichts entgegensetzen.

So ermutigt, behauptete „Esfand“ am Schluss auch noch, Ahmadinedschad habe einmal die Eröffnung einer israelischen Botschaft in Teheran für möglich gehalten – jener Ahmadinedschad, der Israel als „Krankheitserreger“ bezeichnet hat, der „ausgelöscht“ werden müsse und der sagte, die „Idee von Israel“ in irgendeiner Form sei „tot“ und die Zionisten müssten das Land verlassen.

Baerbock oder Habeck in der UNO?

Wenn Baerbock und Habeck auf der Bühne eines deutschen Internetkanals, in jovialer Runde, den am leichtesten zu widerlegenden Lügen eines Hobbydemagogen nicht das Geringste entgegenzusetzen haben, wie werden sie dann vor der UNO oder bei Gesprächen mit Vertretern des iranischen Regimes auftreten? Oder bei Wladimir Putin oder Xi Jinping? Man mag es sich nicht vorstellen.

Hätten sie die Stimme zum Protest erhoben, als die UN-Generalversammlung am 10. November 1975 die berüchtigte „Zionismus-ist-Rassismus“-Resolution verabschiedete – so, wie der amerikanische UN-Botschafter Daniel Patrick Moynihan das tat, der sagte:

„Ein großes Unheil ist auf die Welt losgelassen worden. Dem Gräuel des Antisemitismus […] wurde der Anschein internationaler Billigung gegeben. Die Generalversammlung gibt den Mördern von sechs Millionen europäischen Juden heute eine symbolische Amnestie.“

Nein, gewiss nicht. Und auch, als der ugandische Diktator Idi Amin im Oktober 1975 in der UN-Generalversammlung sagte, dass die USA von Zionisten „kolonisiert“ würden, denen „alle Banken“, die „großen Industrien“ und „die großen Kommunikationsmittel“ gehörten, und forderte, dass Israel „ausgerottet“ werden müsse, hätten Baerbock und Habeck wahrscheinlich geschwiegen, weil sie ja „keine Experten“ sind.

Nasrin Amirsedghi: „Es wird sich nichts ändern“

Mena-Watch bat die im Iran geborene, in Deutschland lebende Publizistin, Philologin, Orientalistin, Literatur- und Filmwissenschaftlerin Nasrin Amirsedghi um einen Kommentar zu dem Auftritt Habecks und Baerbocks bei „Jung & Naiv“.

„Annalena Baerbock sagt, dass Sophie Scholl zu ihren politischen Vorbildern gehöre“, schreibt Amirsedghi in einer E-Mail. Das sei genauso, wie wenn Heiko Maas behaupte, er sei „wegen Auschwitz in die Politik gegangen“. „Die beiden instrumentalisieren sowohl Sophie Scholl als auch Auschwitz“, so Amirsedghi.

„Die Grünen haben seit 1979 bewiesen, dass ihr Interesse nicht dem iranischen Volk gilt, sondern einzig und allein den vermeintlichen ‚Reformern’, die in Wahrheit Khomeini-treu sind.“ Wie die politische Lage im Iran sei, sei vielen in Deutschland bekannt, „mit Ausnahme von Baerbock, Habeck und Maas“. Wenn Baerbock sage, sie nehme die Behauptung, dass im Iran keine Schwulen hingerichtet würden, „so hin“, dann „charakterisiert dies eine ignorante Person par excellence“, so Amirsedghi weiter.

Zwischen den „Ahnungslosen, mit Ressentiment beladenen Habeck und Baerbock“ auf der einen Seite und dem „restlichen deutschen Mainstream“ auf der anderen gebe es einen „Konsens“: „Alles was Israel als angebliche ‚Apartheidsmilitärdiktatur’ macht, ist äußerst böse und teuflisch. Alles was Mullah-Faschisten tun, ist gut und heilig – und das seit 1979.“

Amirsedghi hat darum keine Hoffnung, dass ein grüner Außenminister sich vom derzeitigen Amtsinhaber unterscheiden wird: „Es wird sich nichts ändern, außer dass die Stühle der Macht getauscht werden: Heute Heiko Maas, morgen Robert Habeck.“

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