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Türkisch-israelische Beziehungen abhängig von Erdogans Umgang mit der Hamas

Der türkische Präsident Erdogan mit seinem israelischen Amtskollegen Herzog
Der türkische Präsident Erdogan mit seinem israelischen Amtskollegen Herzog (© Imago Images / Xinhua)

Die Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Ländern ist untrennbar von einer neuen türkischen Positionierung gegenüber der Terrororganisation Hamas abhängig.

Yaakov Lappin

Das jüngste Zeichen für eine Verbesserung der türkisch-israelischen Beziehungen wurde am Dienstag gesetzt, als die neue israelische Botschafterin in Ankara, Irit Lillian, ihr Beglaubigungsschreiben Präsident Recep Tayyip Erdogan überreichte und den seit vier Jahren vakanten Posten besetzte.

Oberflächlich betrachtet sieht es so aus, als ob das türkisch-israelische Verhältnis zu besseren Zeiten zurückkehrt, aber es bleiben grundlegende Fragen über die Zukunft offen, insbesondere aufgrund der anhaltenden Unterstützung der Hamas durch die anatolische Nation.

Einerseits haben der türkische Geheimdienst MIT und israelische Mossad-Agenten Berichten zufolge außerordentlich gut zusammengearbeitet, um iranische Terrorkommandos zu vereiteln, die im Juni israelische Touristen auf türkischem Boden angreifen wollten. Andererseits hat Israel offenbar noch keine eindeutigen Zusicherungen erhalten, dass die palästinensische Terrororganisation Hamas in ihren Möglichkeiten eingeschränkt wird, auf türkischem Boden zu operieren, von wo aus sie die Finanzierung von Anschlägen in der Westbank koordiniert und diese auch zu inszenieren versucht. Das genaue Ausmaß dieser Aktivitäten ist nicht bekannt.

Neue türkische Strategie

George Tzogopoulos, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Begin-Sadat-Zentrums für Strategische Studien und Dozent am Europäischen Institut in Nizza, erklärte dieser Tage gegenüber Jewish News Syndicate: »Ιch würde niemals erwarten, dass die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei zur vollen Normalität zurückkehren, trotz der Wiederherstellung [vollständiger] diplomatischer Beziehungen, ohne dass Jerusalem von Ankara Zusicherungen über die Einschränkung der Hamas erhält und Beweise in dieser Richtung sieht.

Vor allem die Netanjahu-Regierung wird auf ihrer berechtigten Forderung beharren. Abgesehen davon wird der Ball bei der Türkei liegen. Erdogan weiß sehr genau, was er tun muss, damit die israelische Regierung, aber auch die israelischen Bürger, der Türkei wieder vertrauen. Es wird ein langer Prozess sein«, sagte er.

Die Bemühungen zur Verbesserung der Beziehungen zu Israel sind Teil eines umfassenderen Trends, so Tzogopoulos. »Die Türkei ist bestrebt, die Verbindungen zu mehreren Ländern des Mittelmeerraums und Nahen Ostens zu verbessern. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten sind bis zu einem gewissen Grad Beispiele dafür, zusammen mit Israel.«

Tzogopoulos plädiert daher dafür, die Verbesserung der türkisch-israelischen Beziehungen in den Kontext der Anpassung von Ankaras Strategie stellen. »Erdogan ist sich der Risiken und Grenzen bewusst, die ein ständiger Konflikt mit anderen mit sich bringt und bestrebt, Kooperationsmöglichkeiten zu schaffen. Offensichtlich ist Israel für sein Land von großer Bedeutung, wie die Geschichte der türkisch-israelischen Beziehungen vor 2010 zeigt«, erklärte er.

Unter den derzeitigen Umständen sei Erdogan besonders daran interessiert, Washington zu gefallen und eine Situation zu vermeiden, in der die Türkei von den regionalen Beratungen im östlichen Mittelmeerraum ausgeschlossen werden könnte, was die Erdgasvorkommen und andere Fragen betrifft, schätzt Tzogopoulos die Lage ein.

Im August verkündeten Israel und die Türkei, ihren diplomatischen Umgang wieder in vollem Umfang aufzunehmen und die Rückkehr der Botschafter und Generalkonsuln zu veranlassen.

»Die Wiederaufnahme wird dazu beitragen, die Beziehungen zwischen den beiden Völkern zu vertiefen, die wirtschaftlichen, handelspolitischen und kulturellen Agenden auszubauen und die regionale Stabilität zu stärken«, erklärte Ministerpräsident Yair Lapid zu diesem Zeitpunkt. »Das ist eine sehr wichtige wirtschaftliche Nachricht für die Bürger Israels. Wir werden Israels Ansehen in der Welt weiter stärken.«

Der Generaldirektor des Außenministeriums, Alon Ushpiz, und der stellvertretende türkische Außenminister Sedat Onal schlossen die neue Vereinbarung bei einem Telefonat im August. Im März traf der israelische Staatspräsident Isaac Herzog mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan in Ankara zusammen.

Störfaktor Hamas

Einem Bericht von Israel Hayom vom Juli zufolge haben sich die Erwartungen, Israels Flitterwochen mit Erdogan würden einige Gewohnheiten und Verhaltensmuster der Türkei ändern, jedoch nicht erfüllt.

»Als Teil der Versöhnung mit Israel verpflichtete sich die Türkei beispielsweise, die Hamas daran zu hindern, von ihren Grenzen aus Terroranschläge zu planen, und sogar die Präsenz und Aktivitäten der Organisation in ihrem Hoheitsgebiet zu reduzieren«, heißt es darin.

Bei einem Treffen zwischen Erdogan und dem israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz im Oktober beschuldigte der Minister jedoch Hamas-Führer in der Türkei, Terroranschläge in Judäa und Samaria zu koordinieren und zu finanzieren.

Im November berichtete Middle East Eye unter Berufung auf Äußerungen von Außenminister Mevlut Cavusoglu bei einem parlamentarischen Verfahren, die Türkei weigere sich, israelischen Forderungen nach Ausweisung von im Land lebenden Hamas-Führern nachzukommen. »Wir sind keiner [israelischen] Forderung in Bezug auf die Hamas nachgekommen, weil wir die Hamas nicht als Terrorgruppe betrachten«, sagte Cavusoglu damals. »Wir sind immer bestrebt, sie mit der Fatah zu vereinen«, fügte er hinzu.

Florierende Wirtschaftsbeziehungen

Die Türkei ist der viertgrößte Handelspartner Israels und war im vergangenen Jahr das fünftgrößte Exportziel Israels. Seit dem 1. Mai 1997 gibt es zwischen den beiden Länder ein Freihandelsabkommen, seitdem wurden vier gemeinsame Wirtschaftsgipfel abgehalten.

Im Juni unterzeichneten Israel und die Türkei außerdem ein Zivilluftfahrtabkommen als Teil einer Vereinbarung zur Erweiterung der bilateralen Beziehungen. Diese Entwicklungen sind weit entfernt von der Krise der Beziehungen im Jahr 2010, die nach dem Mavi Marmara-Zwischenfall auftrat. Damals wurden neun türkische Staatsangehörige bei Zusammenstößen getötet, die ausbrachen, nachdem israelische Kommandos angegriffen wurden, als sie an Bord eines Schiffes gingen, das von einer islamistischen Organisation entsandt worden war, die als Erdogan nahe stehend gilt und versuchte, die israelische Sicherheitsblockade des von der Hamas regierten Gazastreifens zu durchbrechen.

In der Zwischenzeit bietet sich laut Tzogopoulos eine neue Gelegenheit, das israelisch-griechisch-zypriotische Bündnis zu beleben.

»Ich halte die Rückkehr von [Benjamin] Netanjahu für eine gute Nachricht für die israelisch-griechisch-zypriotische strategische Partnerschaft. Diese Partnerschaft hat während der Bennett-Lapid-Regierung an Schwung verloren. Außerdem unterstützt die US-Präsidentschaft von Joe Biden nicht aktiv den dreigliedrigen Mechanismus von Jerusalem, Athen und Nikosia, da sie versucht, einige Hindernisse zu beseitigen, die Ankara vom Westen lösen könnten«, sagte er.

»Netanjahu wird meiner Meinung nach in der Lage sein, ein Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei, den vielversprechenden Fortschritten der Partnerschaft zwischen Jerusalem, Athen und Nikosia und der notwendigen Besänftigung der Bedenken Washingtons herzustellen.

Die israelische Regierung kann mit den Regierungen Griechenlands und Zyperns zusammenarbeiten – nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, die sowohl in Griechenland als auch in Zypern im Jahr 2023 stattfinden werden –, um sicherzustellen, dass die Türkei in die regionalen Überlegungen einbezogen wird, sofern sie sich an den Kontaktkodex der meisten Länder des östlichen Mittelmeerraums hält. Auch hier wird die Türkei am Zug sein«, so Experte Tzogopoulos.

(Der Artikel erschien auf Englisch beim Jewish News SyndicateÜbersetzung von Alexander Gruber.)

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