Im Mittelpunkt der zweiten Phase des Friedensplan für Gaza steht die Entwaffnung der Hamas und die Errichtung einer internationalen Übergangsverwaltung ohne Beteiligung der Terrorgruppe.
Der Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump befindet sich an einem kritischen Punkt. Nach der ersten Phase, die auf Waffenruhe, Geiselaustausch und einen begrenzten israelischen Rückzug abzielte, rückt nun Phase zwei in den Mittelpunkt der internationalen Diplomatie. Laut Washington soll der Übergang noch vor Weihnachten verkündet werden – ein Schritt, der verhindern soll, dass der derzeitige fragil stabilisierte Zustand im Gazastreifen zu einer Dauerlösung wird.
Der Kern von Phase zwei ist die Errichtung einer internationalen Übergangsverwaltung, die erstmals eine Verwaltungsstruktur schaffen soll, die nicht unter dem Einfluss bewaffneter Gruppen oder politischer Rivalitäten der Region steht. Das Modell dafür ist bereits weitgehend ausgearbeitet. An der Spitze soll ein von den USA geführtes Board of Peace stehen, ergänzt durch arabische und westliche Staaten. Ein Exekutivrat aus internationalen Fachleuten und palästinensischen Technokraten soll die operative Leitung – explizit unter Ausschluss von Hamas und anderer Milizen – übernehmen.
Parallel dazu soll eine internationale Stabilisierungstruppe eingesetzt werden, deren Mandat von der UNO bereits genehmigt wurde. Ihre Aufgabe umfasst die Überwachung der Sicherheit im Gazastreifen, die Kontrolle über militärische Aktivitäten und die Absicherung des politischen Übergangs. Diese externe Sicherheitsarchitektur gilt als notwendige Grundlage für jede zivile Verwaltung und jeden Wiederaufbau.
Realitäten und Chancen
Während die USA versuchen, eine breit abgestützte internationale Allianz zu formen, fallen die Reaktionen aus der Region unterschiedlich aus. Besonders Ägypten äußert erhebliche Vorbehalte gegenüber bestimmten Elementen des Plans. Kairo lehnt unter anderem die von israelischer Seite diskutierte Idee ab, den Grenzübergang Rafah vorerst nur für Ausreisen zu öffnen. Ägyptische Regierungsvertreter warnen, diese Regelung könne die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränken und langfristig politische Instabilität erzeugen.
Auch innerhalb Israels ist der Übergang zu Phase zwei Gegenstand intensiver politischer Debatten. Teile der Regierung betrachten die internationale Übergangsverwaltung als Chance, die enorme sicherheitspolitische Last zu teilen, die Israel seit Oktober 2023 trägt. Zugleich besteht die Sorge, eine externe Verwaltung könne zu sehr in sicherheitsrelevante Entscheidungen eingreifen. Innerhalb der israelischen Regierung laufen umfangreiche Verhandlungen darüber, wie weit sich Israel zurückziehen kann und welche sicherheitskritischen Befugnisse es behalten muss, um ein Wiedererstarken der Hamas zu verhindern. Israelische Entscheidungsträger arbeiten weiterhin daran, die Bedingungen festzulegen, unter denen Israel einem internationalen Verwaltungsrahmen zustimmen kann – insbesondere hinsichtlich operativer Sicherheitskontrollen.
Trotz der Unsicherheiten bietet Phase zwei eine Möglichkeit, den Gazastreifen auf eine neue politische Grundlage zu stellen. Eine internationale Übergangsverwaltung, unterstützt durch eine neutrale Sicherheitsstruktur und eine palästinensische technokratische Führung, könnte die erste echte Alternative zur Herrschaft der Hamas darstellen. Die Herausforderung besteht jedoch darin, einen Konsens zwischen den USA, Israel, den arabischen Staaten und den internationalen Institutionen zu finden.
Aus israelischer Sicht ist klar, dass Phase zwei nur tragfähig sein kann, wenn Sicherheit das Fundament der entstehenden politischen Ordnung bildet. Jede Lösung, die Israels sicherheitspolitischen Bedürfnissen zu wenig Raum lässt, wird im Ergebnis instabil bleiben. Umgekehrt könnte eine gut implementierte Übergangsphase nicht nur den Wiederaufbau der Küstenenklave ermöglichen, sondern auch den Weg zu einer langfristigen politischen Stabilität ebnen.
Vision und Realpolitik
Der Übergang zu Phase zwei von Trumps Friedensplan ist mehr als ein diplomatischer Schritt, er ist auch ein Test dafür, ob internationale Politik im Gazastreifen jemals mehr sein kann als bloßes Krisenmanagement. Gelingt es den USA, eine kohärente internationale Struktur durchzusetzen, die sowohl die Sicherheitsanforderungen Israels respektiert als auch eine glaubwürdige palästinensische Selbstverwaltung vorbereitet, könnte dies ein Wendepunkt sein. Scheitern die Verhandlungen jedoch an regionalen Rivalitäten oder an mangelnder internationaler Koordination, droht Phase zwei zu einer weiteren Absichtserklärung ohne praktische Wirkung zu werden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Trumps Gaza-Plan eine realistische Zukunftsvision ist oder nur ein diplomatisches Experiment, das an den alten Konfliktlinien der Region scheitert.
Hamas und Islamischer Jihad kennen den Aufenthaltsort der letzten Geisel Ran Gvili, sie haben allerdings kein Interesse ihn zu bergen, da sie Phase 2 des Abkommens verzögern wollen. Phase 2 würde nämlich die Entwaffnung der Terrorgruppen beinhalten.https://t.co/Hfit2LjfdK
— Markus Schaub 🎗️ (@M_Schaub) December 12, 2025






