Während US-Präsident Trump die europäischen NATO-Partner kritisiert und Israel vor den Kopf stößt, bezeichnet er seinen türkischen Amtskollegen Erdoğan als »großartigen und weltweit respektierten Führer«.
Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geht mit dem NATO-Gipfel in Ankara ein alter Traum in Erfüllung. Die Türkei, sonst eher das Schmuddelkind des Bündnisses, lädt mit großem Pomp die Staats- und Regierungschefs der anderen Länder ein. Und dies in einer Zeit, in der Erdoğan einmal mehr ganz gewaltig an der Repressionsschraube dreht und gerade dabei ist, die größte Oppositionspartei des Landes, die kemalistische CHP, de facto zu zerschlagen.
Aber Kritik an seinem Vorgehen muss er ganz sicher nicht fürchten. Ganz im Gegenteil scheinen europäische Politiker sogar ganz glücklich mit der Wahl des Ortes zu sein, wie Politico berichtet. Das liegt vor allem an US-Präsident Donald Trump, der ja eine äußerst enge Beziehung zum türkischen Präsidenten pflegt, welcher in seinen Worten ein ganzer Kerl und echter Macher sei. So hoffen die Europäer, dass, seit die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni diese Rolle nicht mehr erfüllt, vielleicht ihr türkischer Amtskollege Trump ein wenig zu besänftigen vermag.
Der wiederum kommt mit Groll und den bekannten Themen nach Ankara: Er beansprucht weiterhin Grönland für sich, findet, dass andere NATO-Länder zu wenig Geld für Rüstung ausgeben, die USA im Irankrieg im Stich gelassen haben, und droht erneut mit Abzug der US-Truppen aus Europa.
So lauteten jedenfalls seine Breitseiten, noch bevor der Gipfel überhaupt begann. Ganz anders dagegen verhielt er sich gegenüber Erdoğan, dem er ausgerechnet seinen Unmut über die zögerliche Haltung europäischer Länder im Irankrieg ventilierte, ganz so, als hätte die Türkei diesen Krieg nicht mehrfach und lautstark verurteilt. Auf einer Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten erklärte Trump sogar, dass er eigentlich nur wegen Erdoğan am NATO-Gipfel teilnehme. »Ehrlich gesagt, würde das Treffen nicht in der Türkei stattfinden, wo mein Freund zufällig ein sehr einflussreicher Mann ist, wäre ich vielleicht gar nicht gekommen.«
Lob für Erdoğan
Dass der Irankrieg sich auch deswegen zu einem strategischen Flopp entwickelte, weil alle Planungen, iranisch-kurdische Kämpfer zu unterstützen, schon in den ersten Tagen gestoppt worden waren, lag zu einem Gutteil ebenfalls an Erdoğan. Denn der hatte wohl massiv in Washington interveniert, um diese Pläne zu Fall zu bringen. Entsprechend gut steht er nun auch gegenüber Teheran da, denn er kann immerhin für sich beanspruchen, Bodenkämpfe verhindert zu haben. Der britische Telegraph erklärte deshalb den türkischen Präsidenten sogar zum »wirklichen Gewinner« des Irankrieges.
Im Präsidentenpalast in Ankara ließ Trump dann nicht nur seine Tiraden gegen europäische Verbündete ab. Er versprach seinem »Freund« Erdoğan auch noch, er wolle sich persönlich für die Aufhebung US-amerikanischer Sanktionen, die auch noch während seiner ersten Amtszeit verhängt wurden, einsetzen. Dabei geht es um den Verkauf von hochmodernen F-35-Kampfflugzeugen, der 2020 zusammen mit allen Rüstungsexporten in die Türkei eingefroren wurde, nachdem Ankara 2018 ein russisches Luftabwehrsystem erworben hatte.
Diese Erklärungen wiederum wurden in Jerusalem mit großer Sorge aufgenommen. Umgehend kritisierte Premier Benjamin Netanjahu, der sich ansonsten mit Kritik an Trump extrem zurückhält, gegenüber CNN den möglichen F-35-Verkauf. Die Türkei sei von Muslimbrüdern kontrolliert und hasse die USA, erklärte er. Erst vor wenigen Tagen hatte der türkische Außenminister und ehemalige Geheimdienstchef Hakan Fidan öffentlich verlautbaren lassen, dass Israel »zu einer Last geworden ist, die die Menschheit nicht länger tragen kann.«
Ganz offenbar aber störte sich Trump nicht an den Einwänden aus Jerusalem, so wie sich in letzter Zeit das Verhältnis zwischen den USA und Israel ohnehin merklich abgekühlt hat. In Erdoğan dagegen scheint er einen jener »starken Männer« zu sehen, für die er traditionell so viel Hochachtung empfindet. Umgekehrt verstand es der türkische Präsident, seinem amerikanischen Amtskollegen all das zu offerieren, was dieser auf Staatsbesuchen so hoch zu schätzen weiß: von Schmeicheleien bis hin zu Treffen in überladenem Louis-XIV-Mobiliar. Selbst ein Gebäude in Ankara wurde zur Feier des Besuchs nach dem US-Präsidenten benannt. Der lobte dann auch die »wunderschönen Straßen« der Stadt und bezeichnete Erdoğan als einen »großartigen und weltweit respektierten Führer«.






