Die syrische Regierungszeitung al-Thawra druckt eine Landkarte ab, die darauf schließen lässt, dass Damaskus die israelische Annexion der Golanhöhen aus dem Jahr 1981 anerkennt.
Die israelische Website Israel National News berichtete unlängst, dass auf der offiziellen syrischen Nachrichtenplattform al-Thawra eine syrische Landkarte ohne den Golan veröffentlicht worden sei.
»Ein Artikel, der in der seit dem Sturz des Assad-Regimes vierzehnten Ausgabe der Regierungszeitung al-Thawra veröffentlicht wurde, enthält eine Karte, auf der zum ersten Mal nur der Bezirk Quneitra zu sehen ist, in den israelische Truppen nach dem Sturz des Regimes einmarschiert sind, nicht jedoch die Gebiete der Golanhöhen. Auch in offiziellen Veröffentlichungen des syrischen Außenministeriums soll die neue Karte verwendet worden sein, auf der die Golanhöhen bei der Darstellung der Landesgrenzen weggelassen sind.«
Die Golanhöhen waren 1967 im Sechs-Tage-Krieg von Israel besetzt worden und wurden 1981 an den jüdischen Staat angegliedert. Diese Annexion wurde sowohl von den Vereinten Nationen als auch von der EU abgelehnt und bislang lediglich im Jahr 2019 von den Vereinigten Staaten anerkannt, was damals lautstarke deutsche und europäische, aber kaum arabische Kritik nach sich zog.
Mena-Watch-Autor Thomas von der Osten-Sacken erinnerte angesichts des US-Schritts daran, dass im Jahr 1999 Berichte über einen möglichen Friedensschluss zwischen Syrien und Israel die Runde gemacht hatten, im Zuge derer Jerusalem auch bereit gewesen sein soll, die Golanhöhen an seinen nordöstlichen Nachbarn zurückzugeben:
»Bekanntlich ist ein Friedensabkommen nie zustande gekommen: Der Vater des heutigen [2019] syrischen Präsidenten, Hafiz al-Assad zog es vor, Teil der Achse des Widerstands und damit im iranischen Orbit zu bleiben. Wenige Monate später brachen Yassir Arafat und die palästinensischen Parteien die Al-Aqsa-Intifada los und jene Zeit, in der Frieden nicht nur mit den Palästinensern, sondern auch mit allen Nachbarländern Israels als reale Option erschien, endete.
Wenn nun Donald Trump die Annexion des Golan anerkennt und damit nicht nur Fakten schafft, sondern weit eher Fakten einfach anerkennt, sollte man sich also kurz in Erinnerung rufen, wie es vor zwanzig Jahren aussah. Hätte Syrien damals einem Friedensabkommen zugestimmt, wäre der ganze Golan heute wohl wieder unter syrischer Kontrolle.
Umso lächerlicher also ist es, wenn jetzt in Damaskus das Geschrei losgeht, es handele sich um eine ganz furchtbare Verletzung syrischer Souveränität und überhaupt ein ›zio-imperialistisches‹ Verbrechen. Dies scheint man denn anderswo in der Region auch nur zu gut zu wissen: Bis auf ein paar von Assad kontrollierte Drusen ging bislang niemand wegen der Entscheidung in der Region auf die Straße. Im Gegenteil wundert sich etwa die New York Times, wie wenig Kritik bislang aus den Hauptstädten der arabischen Welt zu hören war.«
Verhandlungen festgefahren
Nun also scheint es, als würde Syrien unter seinem neuen Übergangspräsidenten Ahmad al-Sharaa von sich auf die Golanhöhen zu verzichten. Bereits vor Monaten hatte Mena-Watch über Verhandlungen zwischen Syrien und Israel und die Bereitschaft Syriens berichtet, die neue Grenzziehung anzuerkennen. Jerusalem wäre im Gegenzug zu einer Abtretung der zwischen Israel, Syrien und dem Libanon umstrittenen Shebaa-Farmen bereit gewesen, die an Syrien fallen würden.
Nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes in Syrien am 8. Dezember 2024 hatte Israel auch die bis dahin unter syrischer Kontrolle stehende demilitarisierte Zone um Quneitra besetzt, die in der Landkarte nach wie vor als syrische Staatsgebiet eingezeichnet ist und deren Räumung Syrien fordert.
Nach dem Massaker an syrischen Drusen in Suwayda und ihrer Unterstützung durch Israel sind die Verhandlungen zwischen Damaskus und Jerusalem festgefahren. Nicht ausgeschlossen ist jedoch, dass die USA, die an guten Beziehungen zum neuen Regime in Syrien großes Interesse haben, nach dem aktuellen Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu bei US-Präsident Donald Trump erneut auf eine Vereinbarung drängen werden.






