Nein? Kein Problem: Mena-Watch erläutert Passagen aus einem Interview mit Hamas-Führer Ghazi Hamad.
Israel hat den medialen Krieg längst verloren. Das Land wird als Aggressor dargestellt, der im Gazastreifen einen Genozid begehe, so die breite öffentliche Meinung. Weltweit gehen Demonstranten gegen Israel auf die Straße, Künstler unterzeichnen Brandbriefe, führende westliche Staatschefs wollen einen Staat »Palästina« anerkennen.
Die Hamas spielt im weltweiten antiisraelischen Narrativ hingegen kaum noch eine Rolle. Fast niemand geht gegen die Terrororganisation auf die Straße, die israelischen Geiseln sind nur noch eine Randnotiz. Auch, dass die Hamas ihr eigenes Volk seit Jahrzehnten als Schutzschild ihrer blutigen Agenda missbraucht, wird ausgeblendet und negiert.
Die Hamas hat mit ihrem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 ihre strategischen und kommunikativen Ziele offenbar erreicht. Dabei wäre es so einfach, die mörderischen Ziele der Hamas zu verstehen – man muss ihr nur genau zuhören. Die Hamas will keinen Frieden, sondern die Auslöschung Israels.
Ghazi Hamad, geboren in Rafah im Gazastreifen, ist ein führendes Mitglied der Terrororganisation. Kürzlich gab er dem lautesten Hamas-Lautsprecher, dem katarischen Fernsehsender Al Jazeera, ein Interview, in dem er aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Das Original finden Sie unter anderem auf der Webseite des Middle East Media Research Institute (MEMRI). Zum besseren Verständnis erläutern wir die wichtigsten seiner Aussagen in verständlicherer Sprache.
Die Waffen und die palästinensische Sache
»Waffen sind wichtig für die palästinensische Sache. Waffen sind gleichbedeutend mit unserer Sache. So wurden wir seit unserer Kindheit erzogen. Ich spreche vom gesamten palästinensischen Volk und aller palästinensischen Fraktionen, die zu den Waffen griffen, kämpften, sich wehrten und starben und das Land mit ihrem Blut bewässerten. Das war schon immer unsere größte Stärke im Kampf gegen diese Besatzung. Deshalb gab es zu diesem Thema einen palästinensischen nationalen Konsens. Niemand unter den Palästinensern sagt heute, dass der Widerstand beendet werden muss. Die Abgabe der Waffen bedeutet das Ende des Widerstands.«
Hamad setzt also Waffen symbolisch gleich mit der nationalen Identität und der politischen Sache der Palästinenser. Damit hat er historisch nicht Unrecht: Seit der Frühzeit der PLO in den 1960er Jahren wird der »bewaffnete Kampf« als einzig möglicher Weg zur »Befreiung Palästinas« fetischisiert. Die Glorifizierung von Kampf, Märtyrertum und vergossenem Blut ist in all den Jahrzehnten danach tatsächlich eine Konstante der palästinensischen Bewegungen in ihren vielfältigen Schattierungen geblieben.
Hamad schließt an diese Tradition an, verengt sie aber auf die Hamas. Der bewaffnete Kampf bleibt der Kern der gesamten nationalen Bewegung, die heute durch die Hamas repräsentiert werde. Der Tod im Kampf ist nichts, das es möglichst zu verhindern gilt, sondern vielmehr eine hohe Ehre. Einzig das Schlachtfeld zählt; ohne Märtyrer gibt es kein Vorankommen. Diplomatie und Verhandlungen kommen nicht infrage.
Die Ablehnung einer Entwaffnung der Hamas werde von allen Palästinensern geteilt, innerpalästinensische Differenzen soll es hier nicht geben. Wer das anders sieht, verstoße gegen den nationalen Konsens und seiein Verräter an der nationalen Sache. Damit soll jede Debatte über eine Abgabe der Waffen, wie sie jüngst selbst von etlichen arabischen Staaten gefordert wurde, von vornherein delegitimiert werden. Entwaffnung wird als Synonym für Kapitulation gesehen. Es gibt nur den bewaffneten Kampf oder die vollständige Aufgabe der nationalen Ziele. Da die nationale Sache eins ist mit dem bewaffneten Kampf, bedeutet die Aufgabe der Waffen nichts anderes als Kapitulation.
»Wir als palästinensisches Volk werden unsere Waffen nicht abgeben. Verstehen Sie das. Das sind keine leeren Worte. (…) Wir werden Israel niemals geben, was es sich in dieser Hinsicht erträumt.«
Wieder setzt Hamad die Hamas mit dem palästinensischen Volk gleich, das niemals seine Waffen abgeben werde. Damit droht er mehr oder minder offen auch allen, die den Plan einer Entwaffnung unterstützen. Da eine solche das wäre, was Israel sich erhoffe, wird die Unterstützung der Forderungen praktisch mit Hochverrat gleichgesetzt und auch klar gemacht, dass jeder, der dies tue, wie ein Feind behandelt werde – eben so, wie Verräter an der nationalen und islamischen Sache es verdienen.
Verstümmeln von Babys kein Terror?
»Die Palästinenser tun nichts Illegales. Wir kämpfen für unsere und streben nach unserer Freiheit. Wir sind keine Terroristen und wir wenden keine terroristischen Methoden an. Auch der 7. Oktober [2023]. Manche glauben, dass die Welt am 7. Oktober stehen geblieben ist. Nein, die Geschichte begann 1948.«
Hamad versucht sich in einer pseudojuristischen Selbstrechtfertigung, mit der noch jede Barbarei begründet werden kann. So auch das Morden, Foltern, Vergewaltigen, Verstümmeln, Brandschatzen und Entführen am 7. Oktober – all das sei nur Ausdruck des Strebens nach Freiheit, wie die Hamas sie sich vorstellt, und als solches legitim. Selbst das Ermorden von Kindern und Babys sowie das Massakrieren von über 80-jährigen Holocaust-Überlebenden soll mit dieser Begründung nichts mit Terrorismus zu tun haben.
»Der 7. Oktober war eine Antwort auf alle Verbrechen Israels in den letzten 77 Jahren.«
Man dürfe sich Hamad zufolge nicht nur auf den 7. Oktober konzentrieren, sondern müsse auf Jahrzehnte voller israelischer Verbrechen blicken. Da ist der Hamas-Kader bezeichnenderweise einer Meinung mit UN-Generalsekretär António Guterres, der in seiner ersten Stellungnahme nach dem Massaker betont hatte, »dass die Angriffe der Hamas nicht in einem Vakuum stattfanden«, sondern die Palästinenser unter Jahrzehnten der Besatzung gelitten hätten.
Beide sagen im Grunde, dass nicht die Hamas mit dem Blutvergießen begonnen habe, sondern die Israelis. Die Vergewaltigung von Frauen und deren Verstümmelung bei lebendigem Leib werden so zu Reaktionen auf israelisches Unrecht erklärt.
Drei »bedeutende Erfolge«
»Es war ein schwerer Schlag für Israel. Mit dem 7. Oktober wurden drei sehr bedeutende historische Erfolge erzielt. Erstens wurde die palästinensische Sache wieder in den Vordergrund gerückt. Warum erkennen diese Länder Palästina jetzt an? Hat irgendeines der Länder sich vor dem 7. Oktober getraut, Palästina anzuerkennen? Die Ereignisse des 7. Oktober haben der ganzen Welt die Augen geöffnet. Jetzt erkennen sie, dass das palästinensische Volk einen Staat verdient.«
Hamad legitimiert die Bluttaten der Hamas auf dieselbe Art und Weise, wie palästinensische Terrorgruppen dies seit den 1960er Jahren getan haben: Durch die eigene Grausamkeit wäre die internationale Öffentlichkeit gezwungen worden, die Palästinenser zur Kenntnis zu nehmen. Die Logik ist einfach: Umso blutiger, desto besser, weil dadurch umso mehr Aufmerksamkeit generiert wird.
Das ist einerseits ein rhetorischer Kniff, weil bereits vor dem Massaker über 120 Länder »Palästina« als Staat anerkannt hatten. Aber Hamad hat völlig recht damit, dass ohne den 7. Oktober 2023 Frankreich, Großbritannien und Kanada jetzt nicht auf einen Anerkennungskurs umgeschwenkt wären. Deren führende Politiker können hundert Mal bestreiten, dass eine Anerkennung »Palästinas« keine Belohnung für den Terror der Hamas sei, aber diese Schutzbehauptung wird von Hamad Lügen gestraft.
Für die Hamas ist die Politik Frankreichs und anderer Staaten nichts anderes als eine Bestätigung ihres Kurses. Ihre Lehre aus den letzten knapp zwei Jahren lautet: Grausamster Terror zahlt sich aus, weil er erreicht, was sonst nicht erreicht worden wäre. So sieht die Ermunterung zu weiterem blutigen Terror aus, die Macron & Co. ausgesprochen haben.
»Zweitens war die ganze Welt davon überzeugt, dass der Besatzungsstaat ein schöner, demokratischer Staat war, der unterdrückt und verfolgt werde. Heute, glaube ich, dass die ganze Welt sieht, dass diese Maske Israels gefallen ist. Die ganze Welt ist heute gegen Israel. Heute wird auf Demonstrationen und Festivals in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland von Völkermord gesprochen.
Wer hätte heute gedacht, dass der Premierminister des Besatzungsstaates [Netanjahu] vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird? Israel wird Völkermord und ethnische Säuberung vorgeworfen. All diese Dinge sind aufgedeckt worden.«
Es ist eine einzige Erfolgsbilanz, die Hamad hier zieht. Und es ist schwierig, ihm zu widersprechen. Die Reaktionen nach dem 7. Oktober 2023 haben nicht etwa die Hamas zu einem Paria gemacht, sondern Israel. Fast macht es den Anschein, als könne Hamad diesen Triumph selbst kaum glauben, wäre selbst erstaunt, dass nicht die Mörder und Vergewaltiger seiner eigenen Organisation international als Verbrecher dargestellt werden, sondern Israel.
Es spielt keine Rolle, dass etwa der Vorwurf des Völkermords völlig unbegründet ist und nur darauf beruht, den legitimen Krieg Israels gegen eine in der Tat genozidale Terrororganisation zu einem Verbrechen umzulügen. Es zählt einzig, dass viele Leute weltweit die Lüge glauben. Wer kann Hamad verdenken, dass er darin einen großen Triumph sieht?
»Das Dritte, woran ich fest glaube, ist, dass diejenigen, die dachten, Israel zu besiegen sei schwierig, nun wissen, dass es sehr einfach ist. Wir haben durch den 7. Oktober bewiesen, dass es nicht so schwierig ist, Israel zu besiegen, wie manche gedacht haben.«
Hamad offenbart in dieser Passage die mörderische Logik der Hamas: Der Umstand, dass der Gazastreifen schwerewiegende Schäden erlitten hat, dass zigtausende Palästinenser ihr Leben verloren haben und Hamads eigene Organisation militärisch so gut wie zerschlagen ist und mehrere Ebenen ihrer Führungsebene sowie über 20.000 ihrer Kämpfer eliminiert worden sind, ändert für ihn nichts daran, dass Israel zu besiegen eigentlich ganz »einfach« sei.
Möglich war dieser »Sieg« freilich nur dank der nützlichen Idioten der Hamas weltweit, von den Israel hassenden Demonstranten auf den Straßen bis hin zu den Führungsspitzen westlicher Staaten, die der Hamas ihren »Sieg« auf dem Silbertablett präsentieren, indem sie Israel zum Paria-Staat erklären und den Terror der Hamas mit der Anerkennung »Palästinas« belohnen. Dass viele von ihnen noch nicht einmal verstehen, was sie da tun, ist Teil des Problems.






