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September 1922 – 100 Jahre seit aus dem Mandat Palästina Jordanien wurde

Abdullah bin al-Hussein wurde von den Briten 1921 zum Emir von Transjordanien gemacht
Abdullah bin al-Hussein wurde von den Briten 1921 zum Emir von Transjordanien gemacht (© Imago Images / UIG)

Die antiisraelische Kritik behauptet oft, der jüdische Staat sei auf dem Großteil des historischen Palästina gegründet worden. Dabei wird ignoriert, dass drei Viertel des Mandatsgebiets bereits 1922 zu Jordanien wurden.

Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs wurde im Jahr 1920 auf der Konferenz von San Remo und in den Verträgen von Sèvres neben den französischen Mandaten des Völkerbunds für den Libanon und Syrien und dem britischen Mandat für den Irak in Erfüllung der Balfour-Erklärung auch das Mandat über Palästina errichtet.

Die Zionistische Weltorganisation suchte das Einvernehmen mit den Arabern des Hussein-Ibn-Ali-Clans, den Herrschern von Mekka, welche die Balfour-Deklaration vorerst nicht abgelehnt und die jüdische Einwanderung begrüßt hatten, sofern dabei arabische Interessen berücksichtigt blieben.

Am 3. Januar 1919 schloss Chaim Weizmann mit Faisal I., dem Sohn des Führers des arabischen Aufstandes gegen die Osmanen, Hussein Ibn Ali, ein Abkommen, wobei Faisal seine Unterschrift von der britischen Zusage für ein selbstständiges Großarabien abhängig machte. Als er sich in Syrien zum König ausrufen ließ, wurde er von den Franzosen vertrieben, worauf die Briten ihn als König im halbautonomen Irak einsetzten.

September 1922 – 100 Jahre seit aus dem Mandat Palästina Jordanien wurde
Teilung des den den Briten vom Völkerbund übertragenen Mandatsgebiets in das Mandat Palästina und Transjordanien

Noch vor Ratifizierung des Völkerbundmandats trennte im September 1922 Großbritannien drei Viertel des vorgesehenen Palästina-Mandats östlich des Jordans ab, um das halbautonome Emirat Transjordanien zu errichten und so auch für den zweiten Sohn des Haschemiten Hussein Ibn Ali, Abdallah Ibn al-Hussein, ein Herrschaftsgebiet zu schaffen. Sein bei den Engländern in Ungnade gefallene Vater wurde von Abd al-Aziz ibn Saud aus Mekka vertrieben.

Kontrolliert wurde Jordanien durch den britischen General John Glubb, der 1939 als Kommandeur die Arabischen Legion als Schutzgarde des Königshauses aufbaute. 1946 erlosch das britische Mandat in Jordanien.

Von der Unabhängigkeit bis zum Sechstagekrieg

Das nun unabhängige Jordanien beteiligte sich am israelischen Unabhängigkeitskrieg auf der Seite der angreifenden arabischen Staaten Ägypten, Syrien und Irak, der mit dem Waffenstillstandsabkommen von 1949 endete. Vereinbarungen, wonach die Juden gemäß Artikel VIII weiterhin Zugang zu den Heiligen Stätten wie der Klagemauer und dem jüdischen Friedhof am Ölberg erhalten sollten, wurden in der Praxis nicht umgesetzt. Durch den jüdischen Friedhof wurde vielmehr eine Straße gebaut und Grabsteine für Sanitäranlagen des dort errichteten Hotels Intercontinental verwendet.

Nach 1948 stieg der Anteil der urbanen Palästinenser, welche die jordanische Staatsbürgerschaft erhielten, gegenüber den Anteil der den Haschemiten nahestehenden Beduinen auf weit mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung.

1952 wurden die von Jordanien eroberten Gebiete westlich des Jordans einschließlich der Altstadt von Jerusalem formell dem bisherigen Transjordanien angegliedert, was völkerrechtlich nur von Großbritannien und Pakistan anerkannt wurde. Am Sechstagekrieg im Jahr 1967 beteiligte sich Jordanien, trotz mehrmaliger Warnungen und der Zusage Israels, nicht gegen Jordanien vorgehen zu wollen, durch einen Angriff auf das israelische Westjerusalem.

Frieden mit Israel

Bereits vor dem Sechstagekrieg und der damit einhergehenden israelischen Eroberung der Westbank wurde am 28. Mai 1964 auf Initiative des damaligen ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser die Palestinian Liberation Organisation (PLO) ins Leben gerufen, um eine Vertretung des arabischen Volks in Palästina im Rahmen einer panarabischen Bewegung zu schaffen.

Von 1969 bis 2004 war Jassir Arafat Vorsitzender der PLO. Am 1. September 1970 verübten Mitglieder der Demokratischen Volksfront für die Befreiung Palästinas einen Anschlag auf König Hussein von Jordanien, worauf im darauffolgenden Bürgerkrieg die entstandenen autonomen Strukturen der palästinensischen Terrororganisationen in Jordanien zerschlagen wurden.

1988 gab König Hussein endgültig alle Ansprüche auf Gebiete westlich des Jordans zugunsten der PLO auf und unterzeichnete 1994 ein Friedensabkommen mit Israel. Jordaniens Verzicht war eine Folge der zunehmenden Anerkennung der PLO als legitime Vertretung palästinensischer Interessen durch Europa und die internationale Welt, nicht zuletzt durch die Bemühungen des österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky.

Eine »jordanische Lösung«?

Vor dem Hintergrund der von einigen Beobachtern getätigten Analyse, dass die Errichtung eines palästinensischen Staates westlich des Jordans sich mit den Sicherheitsinteressen Israels nicht vereinbaren lasse und Ausgangspunkt terroristischer Aktivitäten wäre, wie es sich bereits in den autonomen Gebieten der Palästinenserbehörde zeigt, wird immer wieder eine »jordanische Lösung« zur Diskussion gestellt. Sei es, dass Jordanien überhaupt als Palästinenserstaat betrachtet wird, oder etwa eine jordanische Mitbestimmung in Gebieten der Palästinenserverwaltung erfolgen bzw. es zu einer Teilung der Gebiete zwischen Israel und Jordanien kommen soll.

Infolge der historischen Entwicklung der letzten hundert Jahre spricht jedoch im Moment wenig für eine Realisierbarkeit dieser Vorschläge. Solch eine Lösung würden wahrscheinlich ein Ende der haschemitischen Herrschaft in Jordanien bedeuten und es der PLO erst recht ermöglichen, in Jordanien Macht- und Terrorstrukturen aufzubauen, was wiederum nicht im Interesse Israels wäre.

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