Das Verhalten der Passagiere an Bord des Kreuzfahrtschiffs stehe nicht im Einklang mit den moralischen Werten der türkischen Gesellschaft, begründeten die lokalen Behörden das Verbot.
Die Scarlet Lady von Virgin Voyages war am 5. Juli von Athen aus zu einer zehntägigen Kreuzfahrt in See gestochen. Organisiert wurde die als »epische Reise exklusiv für Schwule« organisierte Kreuzfahrt von Atlantis, einem US-amerikanischen Unternehmen, das Urlaubsreisen für LGBTQ+-Personen anbietet. Das Schiff sollte am 7. Juli in der türkischen Hafenstadt Kuşadası anlegen, um danach nach Istanbul weiterzufahren.
Die Behörden der Provinz Aydın, in der Kuşadası liegt, veröffentlichten jedoch eine Online-Erklärung, in der sie angaben, die Kreuzfahrt sei »von Gruppen gechartert worden, die für Verhaltensweisen bekannt sind, die nicht mit der Struktur unserer Gesellschaft und unseren moralischen Werten im Einklang stehen«. Weil die Nachricht über die Ankunft des Schiffes »erhebliche öffentliche Besorgnis ausgelöst« habe, sei diese verweigert worden: »Es besteht absolut keine Möglichkeit, dass die betreffende Gruppe unsere Provinz für eine Veranstaltung dieser Art besucht.«
Schockierend
Atlantis habe in den letzten 25 Jahren dreizehn Mal mit seinen Gay-Kreuzfahrten in Istanbul und Kuşadası angelegt, erklärte Rich Campbell, Präsident und Geschäftsführer von Atlantis Events, gegenüber USA Today. Gegenüber CNN zeigte sich Campbell schockiert über die Entscheidung und sagte, es sei das erste Mal in der 36-jährigen Geschichte von Atlantis, dass dem Unternehmen »aktiv mitgeteilt wurde, dass wir hier nicht anlegen dürfen, weil wir sind, wer wir sind. Es ist ziemlich erschreckend, um ehrlich zu sein. Die Begründung dafür ist, dass es sich um eine schwule Gruppe handelt. Es beunruhigt mich sehr, wenn ein Land beschließt, dass es sich aussuchen kann, welche Touristen einreisen dürfen und welche nicht.«
Wie Campbell gegenüber USA Today ausführte, sei es dem Unternehmen trotz umfangreicher Gespräche mit der US-Botschaft in der Türkei nicht gelungen, »die türkischen Behörden zum Einlenken zu bewegen. Wenn wir in den Hafen einlaufen, sieht das Schiff aus wie jedes andere auch. Es ist ja nicht so, als wären wir eine Gay-Pride-Kundgebung. Wir sind kein Marsch, wir sind keine Organisation, wir sind in keiner Weise ein politisches Statement. Die Kreuzfahrt wurde bereits vor einem Jahr angekündigt, das ist nichts Neues.«
Während das Schiff nun statt in der Türkei in Kairo und auf Kreta anlegen wird, haben sich Vertreter der türkischen Regierung bislang noch nicht zu der Angelegenheit geäußert. Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar, doch Homophobie ist weit verbreitet. Sie reicht sogar bis in die höchsten Regierungskreise, wo der Präsident, Recep Tayyip Erdoğan, LGBTQ+-Personen regelmäßig als »Perverse« und als Bedrohung für die traditionelle Familie bezeichnet. Und auch die Istanbul-Pride, die einst Tausende Teilnehmer anzog, wird seit 2015 jedes Jahr von der islamistischen Regierung in Ankara verboten.






