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Saudis entfernen antisemitische Inhalte aus Schulbüchern

Wegen Corona findet der Unterricht in Saudi-Arabien gerade online statt
Wegen Corona findet der Unterricht in Saudi-Arabien gerade online statt (© Imago Images / Xinhua)

Ein Jerusalemer Institut, das Schulbildung auf Friedenserziehung und kulturelle Toleranz überprüft, stellte fest, dass die saudische Einstellung gegenüber Israel „ausgewogener und toleranter“ wird.

Shahar Klaiman

Die saudischen Behörden haben für das kommende Schuljahr antisemitische und antizionistische Inhalte aus den Schulbüchern des Landes entfernt, so ein Bericht des in Jerusalem ansässigen Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (IMPACT-se).

Der Bericht erschien während der lauter werdenden Spekulationen über eine mögliche Annäherung zwischen dem jüdischen Staat und der arabischen Golfmacht. Saudi-Arabiens Nachbarn, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain, normalisierten ihre Beziehungen zu Israel im September in einem von den Vereinigten Staaten vermittelten Abkommen. Washington hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass es gerne sehen würde, wenn Riad dem Abraham-Abkommen beitreten würde, bevor die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump im nächsten Monat endet.

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Neue Entwicklung

Das Jerusalemer Institut sagte, sie zwar nicht berichten kann, dass „neues Toleranz lehrendes Material in den Lehrplan eingefügt wurde, aber eine beträchtliche Menge an beleidigendem und diskriminierendem Material wurde entfernt.“

Der Bericht sagte, dass viele der Bücher nicht mehr die Ankündigung eines Religionskrieges enthalten, in dem die Muslime alle Juden vernichten würden. Außerdem wurde das klassisch antisemitische Stereotyp gestrichen, dass „zionistische Kräfte“ ruchlose Methoden anwenden würden, um die Welt zu kontrollieren.

„Wenn man sich die Entwicklung unserer Berichte über den saudischen Lehrplan vom Jahr 2002 über 2008 und sogar noch 2019 ansieht, dann wird klar, dass die neuen Schulbücher für 2020 einen institutionellen Versuch darstellen, den Lehrplan des Königreichs zu modernisieren“, sagte Marcus Sheff, der Chef von IMPACT-se. „Die saudischen Behörden haben damit begonnen, den antijüdischen Hass zu bekämpfen.“

Die Haltung gegenüber Israel werde „ausgewogener und toleranter“, sagte das Institut und nannte als Beispiel die Entfernung eines ganzen Kapitels mit dem Titel: „Die zionistische Gefahr“, welches das Existenzrecht Israels delegitimierte. Generell wurden die meisten Verweise auf den Dschihad entfernt, während vor einem Jahrzehnt der Fokus des Lehrplans noch darauf lag, die Schüler auf den Märtyrertod vorzubereiten, so die Gruppe.

Noch einiges zu tun

„Trotzdem gibt es immer noch israelfeindliche Inhalte in den Lehrplänen“, so IMPACT-se. Der Hass auf Juden sei immer noch präsent, wie man etwa an einer „aus dem Zusammenhang gerissenen und zweideutigen“ Geschichte über jüdische „Übeltäter“, die als Affen beschrieben werden.

Trotz der verzeichneten Fortschritts stellte der Bericht demenstprechend fest, dass Israel immer noch nicht auf Landkarten der Region eingezeichnet ist, während der Zionismus als eine rassistische politische Bewegung dargestellt wird und vielerorts der Name „Israel“ durch „zionistischer Feind“ ersetzt ist.

In dem Bericht heißt es: „Es gibt eindeutig noch einiges zu tun. Die bisher vorgenommenen Änderungen sind jedoch vielversprechend für einen moderaten und toleranten Lehrplan. Weitere Verbesserungen müssen vorgenommen werden. Aber der überwiegende Eindruck ist der einer Bereitschaft, sich zu engagieren, am Dialog über Lehrplaninhalte teilzunehmen und sich endlich in Richtung Schulbuchreform zu bewegen.“

Ermutigende Veränderungen

Als Reaktion auf die Ergebnisse sagte ein Beamter des US-Außenministeriums gegenüber dem Time Magazine, Washington sei „ermutigt durch den Bericht, der positive Veränderungen in einflussreichen Schulbüchern feststellt, die in ganz Saudi-Arabien verwendet werden.“

Das Magazin zitierte Fahad Nazer, Sprecher der saudischen Botschaft in Washington, mit den Worten, dass das Königreich „eine konzertierte Anstrengung unternimmt, um alles [anstößige Material] aus dem gesamten Lehrplan zu entfernen.“ Der Direktor für internationale interreligiöse Angelegenheiten beim American Jewish Committee, Rabbi David Rosen, übergab den Bericht an hochrangige Beamte des Königreichs, als er Riad auf Einladung des Herrschers König Salman besuchte, so die Erklärung.

(Der Artikel „Report: Saudi authorities remove anti-Semitic, anti-Zionist content from textbooksist zuerst beim Jewish News Syndicate erschienen. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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