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Saudi-Arabien hält afrikanische Migranten in tödlichen Corona-Lagern

Afrikanische Arbeistmigranten in Saudi-Arabien
Afrikanische Arbeistmigranten in Saudi-Arabien (© Imago Images / photothek)

Um die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen, hält Saudi-Arabien, eines der reichsten Länder der Erde, Hunderte, wenn nicht Tausende afrikanischer Migranten unter abscheulichen Bedingungen eingesperrt, die an die libyschen Sklavenlager erinnern.

Will Brown / Zecharias Zelalem, The Sunday Telegraph

Drastische Handybilder, die dem Telegraph von in den Haftanstalten festgehaltenen Migranten zugesandt wurden, zeigen Dutzende von abgemagerten, durch die extreme Hitze ausgezehrte Männer, die ohne Hemd in dicht gedrängten Reihen in kleinen Räumen mit vergitterten Fenstern liegen. Ein Foto zeigt in ihrer Mitte eine Leiche, die in eine lila-weiße Decke gehüllt zu sein scheint. Sie sagen, es handele sich um die Leiche eines Migranten, der an einem Hitzschlag gestorben sei, und dass andere kaum genug Nahrung und Wasser zum Überleben bekämen.

Ein anderes Bild, das zu schrecklich ist, um es zu veröffentlichen, zeigt einen jungen afrikanischen Mann, der an einem Fenstergitter in einer gefliesten Innenwand aufgehängt ist. Der Jugendliche tötete sich selbst, nachdem er die Hoffnung verloren hatte, sagen seine Freunde, von denen viele seit April inhaftiert sind. [„Ein junger Mann, etwa sechzehn Jahre alt, hat es letzten Monat geschafft, sich zu erhängen. Die Wachen werfen die Leichen einfach hinaus, als ob sie Müll wären“, sagte ein anderer].

Die Migranten, von denen mehrere Narben auf dem Rücken haben, behaupten, sie würden von Wachen geschlagen, die sie mit rassistischen Beschimpfungen überhäufen. „Es ist die Hölle hier drin. Wir werden wie Tiere behandelt und jeden Tag geschlagen“, sagte Abebe, ein Äthiopier, der seit mehr als vier Monaten in einem der Zentren festgehalten wird. (…)

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Das ölreiche Saudi-Arabien hat lange Zeit Wanderarbeiter aus Afrika und Asien ausgebeutet. Im Juni 2019 machten schätzungsweise 6,6 Millionen ausländische Arbeitskräfte etwa 20 Prozent der Bevölkerung des Golfstaates aus, wobei die meisten von ihnen schlecht bezahlte und oft körperlich anstrengende Arbeiten verrichten. Die Migranten arbeiten hauptsächlich im Baugewerbe und als Hausangestellte; in Berufen also, die saudische Staatsangehörige nicht selbst ausüben wollen.

Viele von ihnen kommen aus Südasien, aber ein großer Teil von ihnen kommt vom Horn von Afrika, das auf der anderen Seite des Roten Meeres liegt. Die vom Sunday Telegraph identifizierten Haftanstalten beherbergen hauptsächlich äthiopische Männer, und es soll weitere geben, in denen Frauen interniert sind.

In den letzten zehn Jahren haben sich Zehntausende junger Äthiopier auf den Weg in den Golfstaat gemacht, oft unterstützt von saudischen Rekrutierungsagenten und Menschenhändlern, um der Armut in ihrer Heimat zu entkommen. Nun stecken sie in der Falle, zum Teil als Folge der Pandemie, aber auch durch die „Saudisierung“ des Arbeitsmarktes des Königreichs, eine Politik, die von Muhamad Bin Salman, dem Kronprinzen, der vor drei Jahren die Macht übernahm, eingeführt wurde. (…)

Als die Pandemie im März ausbrach, befürchtete die saudische Regierung in der Hauptstadt Riad, dass die Migranten, die oft in völlig überfüllten Unterküften untergebracht sind, als Überträger für das Virus fungieren könnten. (…) Saudi-Arabien ist streng nach Herkunft, Ethnie und Gesellschaftsschicht geordnet. Afrikanische Migranten genießen nur wenige gesetzliche Rechte, und viele klagen über Ausbeutung sowie sexuellen und rassistischen Missbrauch durch Arbeitgeber.

(Aus dem Artikel „Investigation: African migrants ‚left to die‘ in Saudi Arabia’s hellish Covid detention centres“, der in The Telegraph erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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