Trotz der Kriege der vergangenen Jahre geht es der israelischen Wirtschaft erstaunlich gut. Von ihren Wachstumsraten kann man in Europa nur träumen.
Trotz der bereits fast drei Jahre andauernden Kriege und der sie begleitenden internationalen Hetze wächst die israelische Wirtschaft weiter in einem eigentlich unglaublichen Ausmaß. Während Kriege und Konflikte in anderen Ländern das Wachstum abwürgen und nicht selten regelrechte Krisen auslösen, erweist sich die israelische Volkswirtschaft weiterhin als überaus robust.
Wir haben auf dieses erstaunliche Phänomen bereits im vergangenen Dezember hingewiesen, als die Waffenruhe im Gazastreifen gerade zwei Monate alt war. Diesen Februar haben wir das Thema noch einmal aufgegriffen und berichteten u. a. über die positive Entwicklung des Börsenindexes von Tel Aviv. Damals wussten wir selbstverständlich nicht, dass rund zwei Wochen später der Krieg gegen das iranische Regime beginnen würde.
Turbulente drei Monate später, in denen die Bewohner Israels viel Zeit in Schutzräumen verbringen mussten, um keinen Schaden von iranischen Drohnen- und Streubombenangriffen zu nehmen, und in denen sich das Land erneut gegen Attacken der Hisbollah, des iranischen Handlangers im Libanon, zur Wehr setzen musste, kann man erfreut notieren: Die positive Entwicklung der israelischen Wirtschaft setzte sich auch diesen widrigen Umständen zum Trotz weiter fort: Am 4. Mai stand der Tel Aviver Börsenindex bei 4.440 Punkten. Gegenüber dem Wert vom 8. Oktober 2023 ist er somit um über 150 Prozent angestiegen.
Tiefe Spuren
Selbstverständlich haben die Ereignisse tiefe Spuren hinterlassen. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober mussten Zigtausende israelische Reservisten ihren Dienst in den israelischen Streitkräften antreten, viele sogar mehrfach. Der Wirtschaft wurden dadurch dringend benötigte Arbeitskräfte entzogen, der Bauwirtschaft fehlten palästinensische Arbeiter, der immer wichtiger werdende Tourismussektor stürzte wegen ausbleibender Gäste praktisch komplett ab.
Gleichzeitig boomten aber andere Sektoren der Wirtschaft, insbesondere die Hightech- und Rüstungssektoren. Israelische Exporte, die in Fremdwährung fakturiert werden, und große ausländische Investitionen – allein im Jahr 2025 beliefen sie sich auf rund 39 Milliarden Dollar – schwemmten Dollar ins Land – ließen den Wert der staatlichen Währung Schekel steigen. An seinem Tiefpunkt am 20. Oktober 2023, wenige Wochen nach dem Hamas-Massaker in Israel, war ein US-Dollar 4,06 Schekel wert, heute bekommt man für einen Dollar weniger als drei Schekel. (Der Euro war beim Tiefstand 4,30 Schekel wert, heute sind es 3,42 Schekel.)
Die Stärke der israelischen Währung ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Sie ist gut für Importe und für Israelis, die – falls das wieder ungestört möglich ist – ins Ausland verreisen, ist aber eher ein Problem für die israelische Exportindustrie, da sie Güter aus Israel für Abnehmer im Ausland teuer macht.
Ein Rückgrat der israelischen Wirtschaft stellen die rund 1.400 Start-ups des Deep-Tech-Sektors dar, die auf innovativen zukunftsweisenden Technologien wie Biotechnik, Halbleitern und KI basieren. Ihr Marktwert beträgt rund 112 Milliarden US-Dollar, in den vergangenen zehn Jahren hat sich ihr Wert versechzehnfacht. Insgesamt beherbergt Israel aktuell 90 sogenannte Unicorns, also Firmen mit einem Wert von über einer Milliarde Dollar.
Wachstumbranche Rüstung
Neben dem Technologie- ist der Rüstungssektor von großer Bedeutung, allerdings hat auch das eine ambivalente Wirkung. Einerseits fährt der Sektor Rekordgewinne ein. 2025 betrug etwa der Gewinn des Rüstungskonzerns Elbit 738 Millionen Dollar, der Börsenwert des Unternehmens stieg von zwischen sechs und acht Milliarden Dollar Anfang der 2020er-Jahre auf aktuell über vierzig Milliarden. Der Aktienkurs von Elbit stieg von 50,16 Euro im Dezember 2014 auf über 722 Euro.
Erst dieser Tage unterzeichnete Israels Regierung mit Elbit einen Kontrakt über die Lieferung hochspezialisierter Munition für die Luftwaffe, um beim Nachschub mit Produkten moderner Rüstungstechnologie möglichst autark zu werden. Dies ist umso wichtiger, als in den USA die Stimmen lauter werden, die Kürzungen bei der finanziellen Hilfe für Israel fordern (die in Wahrheit freilich eine Unterstützung der amerikanischen Rüstungsindustrie ist, da mit den Geldern Einkäufe in den USA finanziert wurden).
Auf der anderen Seite belasten die in Kriegszeiten naturgemäß höheren Militärausgaben aber die Staatsfinanzen. 2025 betrug das Defizit des Staatshaushaltes 4,7 Prozent des BIP, die Staatsschuldenquote lag bei 68 Prozent. Das ist zwar sowohl im Vergleich zu den weitaus höheren Schuldenquoten vergangener Jahrzehnte als auch im Vergleich zum EU-Raum, in dem die Staatschuldquote im Schnitt bei rund 82 Prozent liegt, nicht dramatisch. Im Vergleich zum niedrigsten Wert von rund 59 Prozent aus dem Jahr 2019 bedeutet das aber immerhin eine Steigerung um mehr als 15 Prozent in nur sechs Jahren.
Um den Staatshaushalt im Griff zu behalten und die Schulden nicht weiter in diesem Tempo ansteigen zu lassen, wäre selbstverständlich eine Beruhigung der Situation im Nahen Osten hilfreich, die eine Senkung der Militärausgaben möglich machen würde. Profitieren könnte Israel davon, dass die insgesamt sehr überzeugende Performance des Militärs in den Kriegen gegen Hamas, Hisbollah und insbesondere das iranische Regime in etlichen Ländern Interesse an israelischen Rüstungsgütern geweckt haben dürfte.
Zu den potenziellen Absatzmärkten gehören auch einige Staaten in der Region, wie die Partnerländer der Abraham-Abkommen und Saudi-Arabien sowie, etwas weiter entfernt, Indien. Dieser Tage haben israelische Raketenabwehrsysteme bereits mitgeholfen, iranische Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate abzuwehren.
Und auch europäische Staaten haben ein Interesse an israelischem Know-how in der Rüstungstechnologie: Wie Mena-Watch berichtet hat, soll ein Tochterunternehmen des israelischen Rüstungskonzerns Rafael ein Werk des deutschen Autokonzerns Volkswagen in Osnabrück übernehmen, um dort künftig Komponenten für Raketenabwehrsysteme zu produzieren.
Im Vergleich zu den Daten aus Europa sehen die Prognosen für die weitere Entwicklung der israelischen Wirtschaft jedenfalls geradezu rosig aus. Von einem prognostizierten Wachstum von zwischen 3,8 und 4,7 Prozent im Jahr 2026 können Länder wie Deutschland und Österreich nur träumen.






