Palästinenserfreunde, die nicht vor Palästinensern auftreten wollen

„[Roger] Waters ist ein glühender Israelkritiker. Israel diskriminiert seiner Ansicht nach die Palästinenser, und deren Leid rührt Waters an. Irgendwie. Scheinbar. Denn obwohl er für die Sache der Palästinenser brennt wie einer der Autoreifen, die Hamasaktivisten seit Wochen gegen den Grenzzaun werfen, der Israel vor Angriffen palästinensischer Terroristen schützen soll, tritt Waters nicht bei seinen Schützlingen auf. Seine aktuelle ‚Us+Them Tour‘ führt ihn in 23 Länder: Große wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien stehen ebenso auf der Liste wie Litauen und Dänemark. Aber Gaza? Oder die Westbank? Fehlanzeige. So groß scheint seine Begeisterung für die Palästinenser nun auch wieder nicht zu sein, dass er sich herablässt, vor ihnen ein Konzert zu geben.

Waters ist damit nicht alleine: Auch andere BDS-Bands wie Massive Attack oder die Young Fathers sind gerade auf Tour, ziehen von Land zu Land und werben immer wieder für den Boykott Israels. An ihre palästinensischen Fans, deren Wohl ihnen angeblich so am Herzen liegt, denken sich nicht: In den palästinensischen Autonomiegebieten sind keine Konzerte geplant. (…) All die Bands, die BDS unterstützen (und ihr Guru Waters vorneweg) setzen sich nicht für die Palästinenser ein. Sie tun nichts, um ihr Leben zu verbessern, ihre Freiheiten zu vergrößern. Sie sorgen noch nicht einmal dafür, dass die Palästinenser etwas Spaß haben – zum Beispiel durch Auftritte. Oder wären sie im sittenstrengen Gaza-Streifen und bei der korrupten Fatah in der Westbank am Ende gar nicht gerne gesehen? Auch das wäre ja ein Thema, für das man streiten könnte: Der Kampf um das Recht auf Party verschaffte den Beastie Boys immerhin einen Welthit.

Waters und seine Epigonen streiten nicht für die Palästinenser, sie kämpfen gegen Israel. Die Palästinenser sind nur das Vehikel, das genutzt wird, um antisemitische Ressentiments auszuleben. Hinter ihnen können sich die Judenhasser verstecken. Und die Palästinenser sind ihnen nicht einmal einen Auftritt wert.“ (Stefan Laurin: „BDS: Kein Roger in Ramallah“)

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