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ORF verbreitet Unwahrheit über Todes-Fatwa gegen Salman Rushdie

Auch der ORF verbreitete die haltose Behauptung, der Iran habe sich vom Todesurteil gegen Salman Rushdie distanziert. (© imago images/Steinach)
Auch der ORF verbreitete die haltose Behauptung, der Iran habe sich vom Todesurteil gegen Salman Rushdie distanziert. (© imago images/Steinach)

ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary behauptet, das iranische Regime habe sich vom Todesurteil gegen Salman Rushdie distanziert – eine irreführende Fehlinformation.

Sehr geehrter Herr Teubenbacher, sehr geehrte ZiB-Redaktion,

in der gestrigen ZiB meinte Ägyptenkorrespondent Karim El-Gawhary, dass »das iranische Regime selbst sich schon seit Langem« vom Todesurteil Khomeinis gegen Salman Rushdie »distanziert« habe. Das ist leider irreführend und falsch.

Zwar war der Iran unter Präsident Mohammed Khatami darum bemüht, einen Weg aus seiner internationalen Isolation zu finden. In diesem Sinne erklärte der damalige Außenminister, Kamal Kharrazi, am 24. September 1998:

»Die Regierung der Islamischen Republik Iran hat weder die Absicht noch wird sie irgendetwas unternehmen, um das Leben des Autors der Satanischen Verse oder einer Person, die mit seinem Werk in Verbindung steht, zu bedrohen, noch wird sie jemanden dazu ermutigen oder dabei unterstützen, dies zu tun. Dementsprechend distanziert sich die Regierung von jeglicher Belohnung, die in diesem Zusammenhang angeboten wurde, und unterstützt sie nicht.«

Doch das erwies sich rasch als bloßes Lippenbekenntnis: Nur vier Tage nach Kharrazis Statement riefen Geistliche im Iran erneut zur Ermordung Rushdies auf. Eineinhalb Wochen später erklärten rund 160 iranische Parlamentsabgeordnete, das von Khomeini verhängte Todesurteil sei nach wie vor aufrecht. Im Oktober erhöhten halbstaatliche religiöse Stiftungen das für Rushdies Tötung ausgesetzte Kopfgeld von 2,5 Mio. Dollar um weitere 300.000 Dollar.

Wenige Monate später betonten hochrangige Vertreter des iranischen Sicherheitsapparats ihre ungebrochene Absicht, Rushdie zu töten. Im Mai 1999, nur einen Tag, nachdem der Iran und Großbritannien sich auf die erneute Entsendung von Botschaftern geeinigt hatten, erklärte ein iranischer staatlicher Radiosender den Autor zum »Apostaten«, was nach islamischem Recht dessen Ermordung erlaubt.

Im Januar 2005 beendete Khomeinis Nachfolger im Amt des Obersten Geistlichen Führers, Ali Khamenei, alle Unklarheiten in Bezug auf das Urteil gegen Rushdie. In einer Ansprache an Pilger stellte er klar, dass der Schriftsteller ein »Apostat« sei, dessen Ermordung vom Islam autorisiert wäre.

Einen Monat danach veröffentlichten die iranischen Revolutionsgarden eine Stellungnahme, in der sie gelobten, der Tag werde kommen, an dem die Muslime »den Abtrünnigen Rushdie für seine skandalösen Handlungen und Beleidigungen gegen den Koran und den Propheten bestrafen werden«. Wie die BBC berichtete, sei man in religiösen Kreisen im Iran überzeugt, dass die Todes-Fatwa gegen Rushdie gar nicht aufgehoben werden könne. Dies stünde nur in der Macht dessen, der sie erlassen hat – und da Khomeini bereits tot ist, müsse sie ewig gültig bleiben.

Im September 2012 erhöhte die Stiftung, die das Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt hatte, den Betrag noch einmal von 2,8 Mio. auf 3,3 Mio. Dollar. Im Februar 2016 versprachen iranische staatliche Medien einen zusätzlichen Betrag von 600.000 Dollar für die Ermordung des Autors.

Seit Februar 2017 ist auf der Homepage von Khamenei nachzulesen, wie es um Khomeinis Fatwa bestellt ist: »Es ist so, wie der Imam Khomeini es dekretiert hat.«

Und im Februar 2019 erklärte Khamenei auf Twitter: »Das Urteil von Imam Khomeini gegen Rushdie basiert auf göttlichen Versen und ist, wie die göttlichen Verse, stichhaltig und unwiderruflich.«

Khamenei ist nicht irgendwer – wenn es jemanden gibt, der für das iranische Regime spricht, dann ist er das. Sie sehen also: Anders als El-Gawhary behauptet, kann überhaupt keine Rede davon sein, dass das iranische Regime sich von Khomeinis Urteil gegen Rushdie distanziert habe, sondern es bestätigt dieses ausdrücklich immer wieder.

Im Dienste einer sachlich zutreffenden Berichterstattung und Informierung ihrer Seher wäre es wünschenswert, wenn Sie El-Gawharys haltlose Behauptung richtigstellen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

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