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Opposition vorn. Netanjahus Lager ohne Mehrheit

Parlamentswahl 2026: Aktuell liegt die israelische Opposition in den Umfragen vorne
Parlamentswahl 2026: Aktuell liegt die israelische Opposition in den Umfragen vorne (© Imago Images / ANI News)

Israel wird spätestens im Oktober ein neues Parlament wählen. Mena-Watch analysiert regelmäßig aktuelle Meinungsumfragen. Die jüngsten Daten mehrerer Institute zeigen eine klare Verschiebung zugunsten der Opposition.

Sitzverteilung laut der neuesten Umfrage
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Die jüngste von Mena-Watch ausgewertete Umfrage des Instituts Lazar (30.–31. März 2026) sieht das Regierungslager von Benjamin Netanjahu bei 49 von 120 Sitzen. Die gesamte Opposition kommt auf 71 Mandate. Dabei gilt allerdings zu berücksichtigen, dass von den zwei arabischen Parteien, auf die insgesamt 10 Sitze entfallen, nur Raam bereit wäre, sich einem der beiden Lager anzuschließen. Auf der anderen Seite sind sich fast alle Oppositionsparteien darin einig, Raam wegen deren Position im Gazakrieg aktuell nicht in die Regierung aufzunehmen. De facto beträgt das Verhältnis zwischen Regierung und Opposition damit also 49 zu 61, während 10 Mandate dem sogenannten »neutralen« Lager zuzurechnen sind.

Eine frühere Erhebung von Yossi Taktika (18.–19. März 2026) zeigt ein ähnliches Bild mit 51 Sitzen für die Regierung und 69 für die Opposition, wobei auch hier die Sonderrolle der arabischen Liste zu berücksichtigen ist. In beiden Umfragen liegt die Opposition damit also vor dem Regierungslager. Der Likud regiert derzeit gemeinsam mit religiösen und rechtsnationalen Parteien wie Schas, Vereinigtes Thora-Judentum, Otzma Jehudit und der Religiösen Zionistischen Partei.

Zum Vergleich: Bei der Parlamentswahl 2021 kam das Regierungslager noch auf 64 Sitze, die gesamte Opposition auf 56. Die aktuellen Zahlen markieren damit eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse.

Schwierige Regierungsbildung

Aktuelle Umfragen zeigen stabile Mehrheit gegen Netanjahu
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Auffällig ist auch der direkte Vergleich der beiden größten Kräfte. Der Likud von Netanjahu kommt in der aktuellen Umfrage auf 25 Sitze und bleibt damit stärkste Einzelpartei. Als aussichtsreichster Herausforderer gilt Naftali Bennett, der im Frühjahr 2025 mit der Liste Bennet 2026 eine eigene Partei gründete und nun gegen Netanjahu antritt. Der rechtsgerichtete Politiker war einst ein enger Vertrauter des Premiers, später Minister in dessen Regierung und wurde 2021 selbst Regierungschef. Damals führte er eine ungewöhnlich breite Koalition aus acht Parteien an, die jedoch nach rund einem Jahr zerbrach. In aktuellen Umfragen liegt Bennett mit seiner neuen Partei teils auf Augenhöhe mit dem Likud.

Auch andere Umfragen bestätigen den Trend. Eine im März 2026 veröffentlichte Erhebung, die in der Times of Israel erschien, sieht den Likud zwar weiterhin als stärkste Einzelpartei, aber ohne mehrere Koalitionspartner weit weg von einer stabilen Mehrheit.

Auch die Haltung zum Krieg polarisiert. Zwar unterstützt eine Mehrheit die militärischen Maßnahmen grundsätzlich, bei zentralen Fragen zum weiteren Vorgehen ist die Bevölkerung gespalten. Das spiegelt sich auch im Vertrauensindex in die politische Führung wider. Laut einer Umfrage des Institute for National Security Studies (Februar 2026) vertrauen nur rund 34 Prozent der Bevölkerung Netanjahu, während eine klare Mehrheit ihm misstraut.

Was das für die künftige Regierungsbildung heißt: Die Parteienlandschaft bleibt stark fragmentiert. Die Stimmen verteilen sich auf viele Parteien, klare Mehrheiten sind schwer zu bilden. Selbst wenn die Opposition rechnerisch vorn liegt, dürfte die Regierungsbildung nach der Wahl wie schon in den vergangenen Jahren schwierig werden.

Parteienlegende

  • Ra’am: gemäßigt islamisch
  • Chadash: kommunistisch, palästinensisch
  • HaDemokratim: linkszionistisch
  • Jesch Atid (JA): nichtreligiös, liberal
  • Yashar: liberale Mitte
  • Bennet 26: gemäßigt nationalreligiös
  • Israel Beiteinu (JB): nichtreligiös, rechtsstehend
  • Likud: nationalliberal
  • Schas: sefardisch ultraorthodox
  • Vereinigtes Thorajudentum (VTJ): aschkenasisch ultraorthodox
  • Otzma Jehudit: nationalorthodox, rechtsextrem

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