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Organisator des Nova-Festivals berichtet über seine Hamas-Gefangenschaft

Verwandte von Elkana Bohbot mit Bild des Hamas-Gefangenen am Grenzzaun zu Gaza
Verwandte von Elkana Bohbot mit Bild des Hamas-Gefangenen am Grenzzaun zu Gaza (© Imago Images / ZUMA Press Wire)

Die fast zwei Jahre lange Gefangenschaft von Elkana Bohbot war geprägt von körperlicher Misshandlung, psychischer Qual und Angst um das Schicksal seiner Familie.

Elkana Bohbot, einer der Israelis, die während des Massakers der Hamas am 7. Oktober 2023 entführt worden war, wurde 738 Tage lang im Gazastreifen festgehalten. In einem Interview mit der israelischen Nachrichtenplattform Ynet berichtete er über einige der Schrecken, die er durch seine Entführer erleiden musste. Die fast zwei Jahre lang dauernde Gefangenschaft waren geprägt von schwerer körperlicher Misshandlung, psychischer Qual und Angst um das Schicksal seiner Familie: »Es waren zwei Jahre voller Leid und Ungewissheit.«

Während dieser Zeit waren seine Gedanken bei seiner Frau Rivka und ihrem kleinen Sohn Re’em, erzählte Bohbot: »Was ist mit ihnen? Wo sind sie? Was haben sie dem Kind gesagt? Wie kommt er damit zurecht? Das war das Schwerste.«

Physische und psychische Gewalt

Vor dem 7. Oktober 2023 war Elkana Bohbot Unternehmer und einer der Organisatoren des Nova-Musikfestivals, das er sechs Monate lang gemeinsam mit seinen Jugendfreunden und Geschäftspartnern Osher und Michael Vaknin geplant hatte. Die Vaknin-Zwillinge wurden wie 376 andere Besucher auf dem Festival ermordet. »Wir haben so lange auf diese Produktion gewartet und viel daran gearbeitet«, erinnerte sich Bohbot. »Nach all den Schwierigkeiten, die Rivka und ich durchgemacht hatten, fühlte es sich wie ein Höhepunkt an. Und dann kam der Albtraum.«

Als an diesem Morgen der Raketenbeschuss begann, forderte Bohbot die Festivalbesucher zur Flucht auf. Was dann folgte, war laut seiner Aussage das reinste Chaos. Hamas-Terroristen stürmten das Gelände, schossen aus nächster Nähe auf Zivilisten und dokumentierten die Morde. Bohbot bezeichnete sie wegen ihrer Gräueltaten als »menschliche Tiere«.

Der Nova-Organisator wurde gefangen genommen und in den Gazastreifen gebracht. Während der Entführung wurde er geschlagen und erlitt eine schwere Verletzung, als ein Terrorist ihm einen heißen Gewehrlauf gegen ein Bein drückte. Die Wunde war so tief, dass seine Entführer, als er im Gazastreifen ankam, vermuteten, er sei angeschossen worden, und versuchten, das Bein zu behandeln, was er jedoch ablehnte.

Eines der ersten von der Hamas veröffentlichten Videos zeigte verwundete israelische Geiseln, die gefesselt und mit dem Gesicht nach unten lagen. Bohbot war unter ihnen, sein entsetzter Gesichtsausdruck wurde von Ynetals tief ins israelische Bewusstsein eingebrannt beschrieben. »Das Erste, was sie uns antaten, war, uns zu schlagen.« An einem bestimmten Punkt betete er nur darum, erschossen anstatt gelyncht zu werden. »Ich dachte nur an Re’em – daran, dass er aufwachsen und wissen würde, dass sein Vater bei einem Lynchmord der Hamas ums Leben gekommen war.«

Die psychische Misshandlung übertraf jedoch oft die physische Gewalt. Seine Entführer belogen ihn wiederholt über das Schicksal seiner Familienmitglieder und nutzten damit seine größte Schwäche aus. »Sie sagten mir, meine Mutter sei tot, meine Frau sei tot. Ein Terrorist fragte nach dem Namen meines Sohnes und sagte dann: ›Ich bete, dass dein Sohn stirbt‹ und begann vor meinen Augen zu beten.«

Während Bohbot in unterirdischen Tunneln festgehalten wurde, führte seine Frau unermüdlich eine öffentliche Kampagne für seine Freilassung, traf sich mit Politikern und sprach in jedem verfügbaren Forum.

Propagandavideos

Die Hamas veröffentlichte während seiner Gefangenschaft vier Propagandavideos von Elkana Bohbot. Ein weiteres, das nie veröffentlicht wurde, wie er verriet, sei noch brutaler gewesen. Die Gefangenen wurden geschlagen und derart verletzt, dass es so aussah, als hätten sie versucht, Selbstmord zu begehen. »Dafür haben sie mir die Hand zerschlagen«, erzählte er und deutete auf die heute noch sichtbaren Spuren.

In den letzten Monaten vor seiner Freilassung verschlechterten sich die Bedingungen erheblich. Er und andere Geiseln seien ausgehungert, ständig schikaniert und gezwungen worden, Videos von Hamas-Angriffen auf israelische Soldaten anzusehen. »Man befindet sich in einem mit Sprengfallen versehenen Tunnel, umgeben von Terroristen und Sprengstoff. Man kann nichts tun. Man ist völlig hilflos.«

Er beschrieb auch wiederholte »Spiele«, bei denen Terroristen mit Verstümmelung oder Hinrichtung drohten und von den Geiseln verlangten, zu entscheiden, wer von ihnen verletzt werden sollte. Einmal kam ein Entführer mit einem Messer und forderte sie auf, eine Geisel auszuwählen, der er einen Finger abschneiden würde. Sie flehten und baten ihn, davon abzusehen, worauf die Drohung verschoben wurde.

Während der ersten Woche seiner Gefangenschaft habe Bohbot kurz über eine Flucht nachgedacht, dann wurde er in den Untergrund verlegt. »In einem Tunnel gibt es keinen Unterschied zwischen dir und einem Toten. Du bist lebendig begraben.«

Der Tod der Vaknin-Zwillinge, mit denen er das Nova-Festival organisiert hatte, verfolgt ihn weiterhin. Seit seiner Rückkehr laste die Schuld des Überlebenden schwer auf ihm und komme täglich wieder hoch. »Manchmal wache ich nachts auf und frage mich: Warum ich?« Auf die Frage, ob die Heimkehr der bedeutendste Moment seines Lebens gewesen sei, antwortete Bohbot ohne zu zögern: »Ja, nach der Geburt meines Sohnes. Nach allem, was ich gesehen habe, lebendig davonzukommen? Ich kann es immer noch nicht fassen.«

Elkana Bohbot erholt sich derzeit in Mevaseret Zion, einer Gemeinde am Rande Jerusalems, was jedoch nicht einfach ist. So würden Alltagsgeräusche ständig Erinnerungen an die Gefangenschaft wachrufen. Auch habe er noch keine Routine gefunden: »Ich lebe von Stunde zu Stunde.« Die Wiedervereinigung mit seiner Frau und seinem Sohn sei sowohl eine Quelle der Kraft als auch ein langer Prozess der Rehabilitation. »Nach zwei Jahren wieder eine Verbindung zu Re’em aufzubauen, ist nicht einfach.«

Auf seinen Wunsch hin hat die Vereinigung Reach Out eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um seine Genesung zu unterstützen. »Ich habe meine Scham beiseitegeschoben, weil ich keine andere Wahl habe. Ich möchte einfach wieder ein richtiger Ehemann und Vater sein – um ihre Seelen und meine eigene zu rehabilitieren.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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