Der von den USA inhaftierte venezolanische Präsident Nicolás Maduro stand in Sachen Israelhass und Antisemitismus seinem Vorgänger Hugo Chávez in nichts nach.
Nach der Kommandooperation in Caracas, bei der Venezuelas Diktator Nicolás Maduro von US-Spezialkräften entführt worden war, fand man neben seinem Bett einen Zettel in hebräischer Kursivschrift. Darauf war gekritzelt: »Huhn, Eier, Milch, Hummus, Shakshuka-Gewürz, Hashachar Ha`ole.« Sie haben es wohl gemerkt: Der Einkaufszettel ist literarische Ausmalung. Es gibt kein Foto davon und auch sonst keinen Beleg seiner Existenz. Er ist etwas, das wir uns gerade ausgedacht haben.
Aber so ähnlich muss man sich das wohl vorstellen, wenn die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die nun amtierende Staatschefin ist, sagt, das Land sei »Ziel und Opfer eines Angriffs geworden, der zweifellos eine zionistische Handschrift trägt«. Belege lieferte sie nicht. Sie wiederholte einfach die von ihren Vorgängern bekannten Klischees. Für jedes Problem eine »zionistische«, also jüdische Verschwörung verantwortlich zu machen, geht auf Hugo Chávez zurück; sein von ihm ausgewählter Erbe Nicolás Maduro hat dies in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Und Delcy Rodríguez macht einfach weiter.
Antisemitismus ist ein harter ideologischer Kern des Chávismus. In einer mehrstündigen Weihnachtsansprache 2005 sagte Chávez, »einige Minderheiten, die Nachkommen derer, die Christus gekreuzigt haben«, hätten »Besitz von den Reichtümern der Welt ergriffen«. Die Juden wurden zwar nicht explizit genannt, aber die Hinweise reichten zur Entschlüsselung. Der Satz enthielt drei der wichtigsten klassischen antisemitischen Stereotype: Die Gottesmörder, die »Jesus gekreuzigt« hätten; die »Reichtümer«, die sie sich angeeignet hätten, und das Weltumspannende und Ausbeuterische ihres angeblichen Tuns. All das wurde seit Jahrhunderten über die Juden behauptet und über niemanden sonst. Das Wort »Minderheit« war ein zusätzlicher Wink.
Auch die Shoah missbrauchte Chávez für seine Demagogie. In einer Rede im Jahr 2006 verurteilte er Israel wegen der Invasion des Libanons und bezeichnete diese als »einen neuen Holocaust« gegen Palästinenser und Libanesen. Drei Jahre später brach er einseitig die Beziehungen zu Israel ab und gab dem israelischen Botschafter 72 Stunden Zeit, das Land zu verlassen.
Während Chávez seine Rhetorik gegen Israel weiter verschärfte und als »genozidalen Staat« bezeichnete, zog die staatliche Presse nach und rief zum Boykott lokaler jüdischer Geschäfte auf, sofern diese Israel nicht öffentlich verurteilten. Antisemitische Schmierereien tauchten in ganz Caracas auf. Eine Synagoge wurde schwer beschädigt, als etwa ein Dutzend Angreifer eindrangen, die Sicherheitskräfte überwältigten und heilige Gegenstände schändeten.
Chávez und sein Lehrer
Hugo Chávez war von dem Holocaustleugner Norberto Ceresole beeinflusst, der ihn für seinen Putschversuch 1992 gelobt hatte und in den 1990ern als sein Berater galt. Ceresole veröffentlichte 1998 ein Buch mit dem Titel Caudillo, Ejército, Pueblo: La Venezuela del Comandante Chávez (»Anführer, Armee, Volk: Das Venezuela von Kommandant Chávez«). Darin pries er eine Gesellschaft mit Chávez als »starkem Mann« (»caudillo«) an der Spitze – ein System, das in Lateinamerika eine lange Tradition hat.
Chávez selbst machte den Antisemitismus selten zu einem zentralen Element seiner Reden, doch in den Medien seines Regimes, etwa auf der Website Aporrea, blühten die Verschwörungstheorien über die »zionistische Weltherrschaft« und die »zionistischen Faschisten« im eigenen Land, die einen Umsturz planten. Der »Vater der Lügen« – eine traditionelle christliche Beschreibung des Teufels – sei ihr Vater, hieß es da etwa. Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2012 wurde der Oppositionskandidat Henrique Capriles Radonski, ein Christ mit jüdischen Großeltern, in regierungsnahen Medien als »zionistischer Agent« bezeichnet. Das zeigt, dass »Zionismus« hier nicht nur als außenpolitische Demagogie, sondern auch als politischer Vorwurf innerhalb Venezuelas instrumentalisiert wurde und nichts anderes als »jüdisch« heißt.
In einem Interview mit dem Hisbollah-nahen libanesischen Sender Al Mayadin im Februar 2019 beschuldigte Maduro den damaligen Oppositionsführer Juan Guaidó, »den Interessen der Vereinigten Staaten und der Zionisten« zu dienen. Im Sommer 2024 machte er den »Zionismus« für die großen Proteste gegen seine Regierung nach der von ihm gefälschten Wahl verantwortlich: »Die gesamte Kommunikationsmacht des Zionismus, der alle sozialen Netzwerke, die Satelliten und die gesamte Macht kontrolliert, steht hinter diesem Staatsstreich.«
Jesus als »palästinensischer Feldherr«
Wie einst Chávez hat Maduro solche Anschuldigungen manchmal mit religiöser, oft biblischer oder christlich-apokalyptischer Rhetorik und Anspielungen verknüpft, was über reine politische Anklagen hinausgeht. Diese Kombination taucht vor allem dann auf, wenn er außenpolitische Gegner oder »zionistische Kräfte« als Teil eines größeren moralischen Kampfs darstellt: »Es gibt jene, die dieses Land den Teufeln übergeben wollen. Ihr wisst, wer das ist: Die ultrarechten Zionisten wollen dieses Land den Teufeln übergeben«, sagte er in einer Rede an bolivarische Basisgruppen.
Der Chávez-Nachfolger verband das mit religiös aufgeladener nationalistischer Rhetorik: »Wir sind das Volk Davids gegen die Goliaths, die wir in der Geschichte schon besiegt haben. … Wenn Gott es will, werden wir ihnen gegenübertreten.« Maduro nutzt biblische Figuren und Narrative, um seinen Standpunkt zu dramatisieren. In einem anderen öffentlichen Auftritt sprach er über die Rolle Jerusalems als »Epizentrum der Propheten« und stellte sich selbst als Teil eines größeren historischen, ja, göttlich legitimierten Kampfs dar:
»Palästina ist die Wiege der Menschheit. Palästina war schon immer Palästina. Schlagen Sie es in den Annalen der Geschichte nach. … Der wichtigste Kampf der Menschheitsgeschichte wird um diese Wiege geführt, um die Befreiung Palästinas, die Befreiung Jerusalems. Jerusalem ist das Zentrum der Propheten, der Boten Gottes – Abraham, David, Salomo, des palästinensischen Jesuskindes, des palästinensischen Menschen Jesus Christus.«
Im Stil mittelalterlicher Legenden stellt Maduro Jesus als militärischen Feldherren dar:»Ich stelle unseren Herrn Jesus Christus an die Spitze dieser Schlacht um Frieden … den jungen palästinensischen Märtyrer Jesus von Nazareth.« Dass Jesus Palästinenser sei, ist ein antisemitisches Schlagwort der modernen sozialen Medien. Würde er im heutigen Israel leben, würden Maduro & Co. ihn als »Zionisten« und »Siedler« bezeichnen und ihn auffordern, »zurück nach Deutschland oder Polen« zu gehen. Dies alles ist keine klassische theologische Argumentation, sondern eine Rhetorik, die religiöse Bilder zur politischen Mobilisierung nutzt.
Anat Vidor, die Präsidentin der World WIZO (Women’s International Zionist Organization), der weltweit größten zionistischen Frauenorganisation mit sozialen und bildungspolitischen Projekten in Israel und der Diaspora, schrieb 2024 in der Jerusalem Post, Maduros Definition von »Zionismus« entspreche »nicht der von [Menachem] Ussishkin, [Menachem] Sheinkin oder irgendeinem anderen Zionisten, nach dem Straßen in Israel benannt sind. Wenn Maduro von ›Zionisten‹ spricht, meint er jüdische Karikaturen: dicke, Zigarre rauchende, Geld zählende Juden, die in dunklen Zimmern sitzen und planen, ihn zu stürzen.«
Antisemitische Karikaturen wie im Stürmer oder die antisemitische Fälschung Die Protokolle der Weisen von Zion gaben schon immer vor, die Wirklichkeit zu zeigen. Heute sagt man nicht »die Juden«, sondern »die Zionisten«, doch die Vorwürfe sind seit über hundert Jahren dieselben.
Man darf aber von Maduro nicht auf die Venezolaner schließen. Sammy Eppel (78), ein venezolanischer Jude im Exil, sagte der Jerusalem Post: »Dieses Regime hat mit aller Macht versucht, die Venezolaner zu Antisemiten zu machen. Es ist ein gescheiterter Staat und sie brauchten einen Sündenbock, und die Juden waren ein leichtes Ziel. Aber sie haben es nicht geschafft.«
Esta foto resume el eje del mal que tanto daño ha causado al mundo entero.
La narco dictadura terrorista de Maduro, el fundamentalismo islámico de Irán 🇮🇷, Hamas y Hezbolá van cayendo finalmente.
El mundo es más libre y será más seguro. pic.twitter.com/4eMDDCFVZ2
— 🎗️Gabriel Zaliasnik 🇺🇦🇨🇱🇮🇱 (@gzaliasnik) January 3, 2026






