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Warum eine junge Frau nicht mehr für Amnesty International arbeiten konnte

Zentrale von Amnesty International in Deutschland. (© imago images/Steinach)
Zentrale von Amnesty International in Deutschland. (© imago images/Steinach)

Eine einst überzeugte Mitarbeiterin musste erkennen: Amnesty International verbreitet israelbezogenen Antisemitismus.

Als Lea De Gregorio vor drei Jahren begann, für Amnesty International zu arbeiten, war sie überzeugt, das Richtige zu tun. In ihren Augen stand AI für den Kampf für Menschenrechte und repräsentierte das »ausnahmslos Gute«. Die Frage eines Freundes, was sie denn bei »den Antisemiten« wolle, fand sie absurd.

Allerdings fiel ihr schon vor ihrem Bewerbungsgespräch auf, dass das Thema Antisemitismus auf der Webseite der Organisation kaum vorkam. In ihrer Zeit beim Amnesty Journal versuchte sie, dem gegenzusteuern und Antisemitismus in ihrer Arbeit immer wieder zu thematisieren. So etwa, als sie im Oktober 2020 nach dem antisemitischen Anschlag von Halle Max Privorozki interviewte, den Vorsitzenden der dortigen jüdischen Gemeinde.

Aber ihr wurde immer deutlicher bewusst, dass der Antisemitismus ein für viele Menschen »vertracktes Thema« darstellt und es mit der Sensibilität für Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit oft zu Ende ist, sobald es um Antisemitismus in Bezug auf Israel geht.

Als Amnesty International Anfang 2022 dann den Bericht mit dem Titel »Israel’s Apartheid against Palestinians« veröffentlichte, wurde ihr, wie sie in ihrem Beitrag auf Zeit Online schreibt, klar: »Amnesty hat ein Antisemitismus-Problem.«

Statt differenzierter Analyse stieß sie darin auf eine strikt dichotomische, gegen Israel gerichtete Sichtweise des palästinensisch-israelischen Konflikts, der Israels Existenzberechtigung infrage zu stellen schien. Jetzt musste sie sich die Frage stellen: »Was tut man, wenn einem klar wird, dass die Organisation, für die man arbeitet, Menschenfeindlichkeit befeuert und damit gegen die eigenen Prinzipien handelt?«

Verstört war sie nicht zuletzt, weil Amnesty International ausgerechnet diesen Bericht völlig anders behandelte als die zahlreichen anderen Veröffentlichungen der Organisation. »Noch nie hatte ich mitbekommen, dass die AI-Zentrale in London einen ihrer zahlreichen Berichte auf sozialen Medien derart feierte. Als sei er ihr Opus magnum.« Das internationale Sekretariat, so schreibt De Gregorio, twittert seitdem bei »jeder Gelegenheit weiterhin ›Apartheid‹, den neuen Kampfbegriff gegen Israel«.

Und sie fand verstörend, wie Amnesty International Kritik an dem Bericht, etwa durch jüdische Organisationen, abtat, ohne sich selbstkritisch damit auseinanderzusetzen: »Während es beim Thema Antirassismus heißt, Betroffene müssten gehört werden, gilt das gegenüber dem Zentralrat der Juden offenbar nicht.«

Die einst von Amnesty International überzeugte De Gregorio musste feststellen, dass der Israel-Bericht alle Kriterien des sogenannten 3-D-Tests über israelbezogenen Antisemitismus erfüllt: Er misst Israel nicht mit denselben Maßstäben wie andere Akteure, er dämonisiert das Land als »Apartheidstaat« und delegitimiert Israel.

Schweren Herzens konnte sie sich der Konsequenz ihrer Einsichten nicht entziehen – und kündigte ihren Job. Bei Amnesty International kann dagegen von einem Einsehen keine Rede sein: Die ehemals renommierte Menschenrechtsorganisation ist voll auf den Zug der offenen Israelfeindlichkeit aufgesprungen. Während ihre auf Israel bezogenen Tweets nicht anders denn als obsessiv zu bezeichnen sind, startete sie zuletzt sogar eine ganze Merchandising-Kampagne. De Gregorio wird vermutlich froh sein, nicht mehr mit ihrem Namen für den Israelhass von Amnesty International zu stehen.

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