Anlässlich der antisemitischen Demonstration vor einer New Yorker Synagoge erklärte Mamdani, das Gotteshaus habe mit ihrer Veranstaltung über die Auswanderung nach Israel gegen das Völkerrecht verstoßen.
Am 1. Januar 2026 wird Zohran Mamdani New Yorks neuer Bürgermeister. Letzte Woche war er zu Gast im Weißen Haus und verstand sich dort bestens mit US-Präsident Donald Trump. Beide betonten, am selben Strang zu ziehen, etwa, wenn es darum geht, die Lebenshaltungskosten der New Yorker zu senken. Trump sagte, er habe erfahren, dass viele seiner Wähler bei der Bürgermeisterwahl für Mamdani gestimmt hätten, was »okay« für ihn sei.
Mamdani wurde von einer Journalistin gefragt, ob er dabei bleibe, dass Trump ein »Faschist« sei. Er wollte gerade eine diplomatische Erklärung abliefern, als Trump ihm zur Seite sprang: Er solle ruhig »ja« sagen, das sei »einfacher«, und ihm mache das nichts aus. Dabei berührte er Mamdani freundschaftlich am Arm. An die Reporter gerichtet, sprach Trump darüber, dass das Treffen ein Medienereignis sei: Es seien oft Staatschefs bei ihm und niemanden interessierten diese; nun aber seien alle aus dem Häuschen. Die New York Times sprach in ihrem Bericht von einer Situation wie in einer Screwball Comedy.
Der Popularität der beiden Politiker wird das geholfen haben, sehnen sich viele Bürger doch nach Politikern, die pragmatisch, volksnah und überparteilich sind. Und genau das war der Eindruck, der hier vermittelt wurde. Es war, als wäre Mamdani durch seinen Wahlsieg plötzlich Freund mit der ganzen Welt. Der ganzen? Nein. Israel hasst er wie eh und je, und auch solche Juden, die nach Israel ziehen wollen. Das hat er letzte Woche gezeigt.
Aliyah als Straftat?
Als es am Mittwoch eine antisemitische Versammlung vor der New Yorker Park-East-Synagoge gab, machte er die Synagoge mitverantwortlich. Dort nämlich fand eine Veranstaltung der Organisation Nefesh B’Nefesh statt, die Juden aus Nordamerika dabei unterstützt, nach Israel auszuwandern.
Vor der Synagoge skandierten Judenhasser »Death to the IDF« (Israel Defense Forces), »From New York to Gaza, globalize the Intifada!« und »Resistance, you make us proud, take another settler out«. »Resistance« ist ein Wort für die Hamas, deren vollständiger Name »Islamische Widerstandsbewegung« lautet und deren Terror für Antizionisten als »bewaffneter Widerstand« gilt. »Siedler« sind im Weltbild der Hamas und von Antizionisten alle Israelis. Es war also der Aufruf an die Terrororganisation, israelische Juden zu ermorden. Andere riefen laut Presseberichten »Palästina ist arabisch« oder »jüdische Arschlöcher!«.
»Das Ziel war Einschüchterung«, schrieb das Wall Street Journal und lieferte Belege: »›Wir müssen ihnen Angst einjagen‹, wies ein Protestführer die Menge an und wiederholte die Aussage dreimal, um sie zu unterstreichen. ›Es ist unsere Pflicht, sie zum Nachdenken zu bringen, bevor sie solche Veranstaltungen abhalten‹.«
Gemeint war die geschützte Meinungsäußerung in einer Synagoge. Polizisten mussten die Besucher beschützen. Mamdani verurteilte den antisemitischen Mob nur vage und wies den Besuchern der Synagoge über seinen Sprecher eine mindestens ebenso große Schuld zu:
»Der designierte Bürgermeister hat die bei den gestrigen Protesten verwendete Sprache verurteilt und wird dies auch weiterhin tun. Er ist der Ansicht, dass jeder New Yorker ein Gotteshaus ohne Einschüchterung betreten können sollte und diese heiligen Stätten nicht zur Förderung von Aktivitäten genutzt werden dürfen, die gegen internationales Recht verstoßen.»
Mamdani erwähnte weder Juden noch Antisemitismus. Welche Sprache er genau verurteilte, blieb unklar. Aus seiner Aussage lässt sich nicht schließen, was überhaupt vorgefallen war. Die einzige klare Kritik äußerte er an der Synagoge: Er unterstellte ihr »Aktivitäten, die gegen internationales Recht verstoßen«. Welche sollen das sein?
Mamdani, das ist bekannt, hält die Anwesenheit von Israelis jenseits der Waffenstillstandslinie von 1949 (Grüne Linie) für rechtswidrig. Aber darum ging es bei der Veranstaltung überhaupt nicht, wie der Bericht der Times of Israel betont. Es ging allgemein um die Aliyah, also die Auswanderung von Juden nach Israel. Schon das scheint Mamdani für einen Rechtsbruch zu halten. Falls das so wäre, dann würde es zeigen, dass er mit der Sichtweise jener palästinensischen Terroristen übereinstimmt, die alle Israelis für »Siedler« halten, die den Tod verdient hätten.
Here's @nytimes attempting to justify a despicable protest outside of a Manhattan synagogue.@NefeshBNefesh simply provided information to Jews considering moving to Israel.
And it's the NYTimes' hostile reporting that is helping create an environment where Jews want to leave. pic.twitter.com/Na1G8JcVLb
— HonestReporting (@HonestReporting) November 25, 2025
Kein spontaner Ausbruch
Die Aussage des künftigen Bürgermeisters der größten Stadt der USA ist übergriffig. Welche Veranstaltungen in einer Synagoge, Kirche oder Moschee stattfinden, geht ihn nichts an. Wäre gegen Gesetze verstoßen worden, was nicht der Fall war, wäre das Sache der Justiz. Mamdanis Stellungnahme besagt: Der Mob hatte Recht, oder zumindest handelte er aus edlem Motiv, nämlich das internationale Recht zu schützen.
Später fügte das Mamdani-Team hinzu, mit dem Verstoß gegen internationales Recht seien Siedlungen jenseits der Grünen Linie gemeint gewesen. Das war ein einfältiger Versuch, die Aussage gerade zu rücken. Denn Mamdani dürfte klar sein, dass es in der Synagoge nicht darum ging, Grenzen zu ziehen. Er hatte seine Anhänger einfach nicht verprellen wollen. Sie wollen nicht, dass er Antisemitismus verurteilt und für angegriffene Juden Partei ergreift.
Deutlicher wurde New Yorks demokratische Gouverneurin Kathy Hochul, die zur Wahl Mamdanis aufgerufen hatte. Sie sprach von einem »offenen Angriff auf die jüdische Gemeinde». Der noch amtierende Bürgermeister Eric Adams schrieb auf X: »Was gestern Abend geschah, ist völlig inakzeptabel, unabhängig von Glauben oder Herkunft. Diese Art von Protest und die damit einhergehende Hassrede sollten uns alle beunruhigen. Wer ein Gotteshaus schändet, schändet sie alle.«
Am Montagvormittag besuchte Adams die Park-East-Synagoge und versicherte Oberrabbiner Arthur Schneier seine »unerschütterliche Verbundenheit mit Israel nach den antisemitischen Protesten der letzten Woche«.
Schneier ist ein 95-jähriger Holocaust-Überlebender, der 1930 in Wien geboren wurde. Er hat lebhafte Erinnerungen an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Nun steht der Mob auch vor seiner Synagoge in New York. Wie damals ist es kein spontaner Ausbruch, sondern eine geplante Aktion. Es gebe eine »Verbindung von Islamophobie und Zionismus«, sagte Zahra Billoo, Direktorin von CAIR (Council on American-Islamic Relations) San Francisco, bei einer Konferenz 2021. »Kenne deine Feinde«, schärfte sie den Zuhörern ein. Als Feinde nannte sie unter anderem »zionistische Synagogen«.
Hinzufügen sollte man, dass Synagogen oft die einzigen Orte sind, wo Juden sich – zu welchen Veranstaltungen auch immer – treffen können. Und auch dort sollen sie das nach Mamdanis Willen nicht, weil er ihnen in klassisch antisemitischer Tradition unterstellt, dass sie dort heimlich unmoralische Dinge tun.






