Muslimbrüder: Katar finanziert islamistisches Netzwerk in Europa

Tariq Ramadan mit dem geistlichen Führer der Muslimbruderschaft Yusuf al-Qaradawi in Doha/Katar

„Religiöse Führer und Denker porträtieren sich häufig als jenseits der Politik stehend und nur der von ihnen verkündeten Wahrheit verpflichtet. Westliche Medienschaffende akzeptieren diese Vorstellung oft bebereitwillig, zumindest wenn es ihnen gerade passt. Dies geschieht insbesondere dann, wenn die betreffende religiöse Figur praktischerweise jenen politischen Ansichten widerspricht, die diese Medienschaffenden selbst nicht mögen. Ein Beispiel dafür ist Tariq Ramadan, ein in der Schweiz geborener muslimischer Denker und in Oxford beheimateter Akademiker, der vor seiner Verhaftung wegen Vergewaltigung im Jahr 2017 als einflussreiche religiös-moderate Persönlichkeit galt.

Vielleicht ist es genau dieses Bild von Uneigennützigkeit, das es umso schockierender macht, wenn eine prominente religiöse Stimme auf der Gehaltsliste von jemandem steht. Im Fall von Ramadan jedoch sollte es keine Überraschung sein. Als Enkel von Hassan al-Banna, der seinerzeit die Muslimbruderschaft gründete, wurde er lange Zeit von Forschern und Aktivisten einer wohlwollenden Haltung gegenüber der Muslimbruderschaft beschuldigt. Neue Forschungen haben jetzt ergeben, dass Ramadan von Katar, dem Hauptpatron der Bruderschaft, großzügig finanziert wurde. Katars mächtige staatliche Entwicklungsorganisation, die ‚Qatar Foundation‘, zahlte Ramadan monatlich 35.000 Euro für seine ‚Beratungstätigkeit‘. Der jüngste Skandal um den islamistischen Ideologen wurde durch das neue Buch, ‚Qatar Papers‘ der französischen investigativen Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot aufgedeckt. (…)

 Aber Katars Beziehung zu Ramadan ist nur ein kleines Detail in einer größeren Geschichte. ‚Qatar Papers‘ enthüllte auch die tiefe Verstrickung des katarischen Regimes in das islamistische Netzwerk in Europa. Ein Großteil davon wurde von ‚Qatar Charity‘ getragen, einer mit dem Regime verbundenen Organisation, die beschuldigt wird, Milliarden von Dollar an islamistische aufständische Gruppen in Syrien, Libyen und anderswo abgeführt zu haben. In Europa hat ‚Qatar Charity‘ laut Angaben von ‚Qatar Papers‘ rund 71 Millionen Euro für den Bau von 140 Moscheen, islamischen Zentren und islamischen Museen bereitgestellt. In einem Interview sagte der Autor George Malbrunot: ‚Die Philosophie der Muslimbruderschaft besteht darin, das Leben der Menschen, von der Geburt bis zum Tod, zu kontrollieren. Alle von Katar finanzierten Projekte versuchten genau das zu tun, indem sie Moscheen mit Schulen, Schwimmbädern, Restaurants und sogar Leichenhäusern umgeben.’ Malbrunot zufolge erklärt dieses Ziel die enormen Ausgaben für europäische Projekte, die den Islamismus der Muslimbruderschaft verbreiten sollten, einschließlich der Finanzierung einer Moschee auf der winzigen Insel Jersey (die nur wenige Muslime zählt), um die Missionierung voranzutreiben. (…)

 Katars üppiges Sponsoring von Tariq Ramadans Karriere diente einem doppelten Zweck: der unmittelbaren Verbreitung der Ideologie der Muslimbruderschaft unter den muslimischen Jugendlichen Europas und der Übermittlung einer beruhigenden Botschaft der Mäßigung gegenüber den westlichen Beobachtern. Der gleiche zweigleisige Ansatz ist auch in den vielen Moscheen, bei Professuren und in Bibliotheken zu beobachten, die durch Katar in ganz Europa finanziert werden.“ (Hany Ghoraba: „When it comes to the Muslim Brotherhood, there’s no such thing as a ‚moderate‘“)

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