New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani steht massiv in der Kritik. Der Vorwurf, er dulde Antisemitismus und zerstöre das interreligiöse Gefüge der Stadt, kommt nun auch von liberalen Angehörigen der muslimischen Community.
»Sich auf Ihre Identität als Muslim zu berufen, gibt Ihnen, Mister Mamdani, keineswegs das Recht, jüdischen New Yorkern ein Gefühl der Unsicherheit einzujagen«, rügte die Frau am Mikrophon. Sie stand an der Spitze einer bunten, entschlossen wirkenden Demonstration in Manhattan. Schätzungen zufolge waren bis zu zweitausend Protestierende anwesend, die ihren Unmut direkt vor der Residenz des New Yorker Bürgermeisters Luft machten. Applaus brandete auf, untermalt von zustimmenden Rufen. Die Rednerin wartete, bis sich die Kulisse wieder beruhigte. Dann setzte sie fort: »Muslim zu sein, berechtigt niemanden dazu, jüdische Bürger zu schikanieren, einzuschüchtern oder zu bedrohen. Und erst recht darf niemand unter Verweis auf seine Religion wegsehen, wenn die Religionsfreiheit jüdischer Menschen Tag für Tag verletzt wird.«
Die Scheinwerfer erfassten den Schal, den sie offen um den Kopf gelegt hatte, während die langen Enden des Tuches locker nach vorn fielen. So gewann die Schärfe ihrer Kritik an Mamdani eine neue Dimension: Hier sprach keine Jüdin, keine außenstehende Beobachterin, sondern eine gläubige Muslima. Es handelt sich um Anila Ali. Die US-Bürgerin pakistanischer Herkunft ist Präsidentin des Verbandes American Muslim & Multifaith Women’s Empowerment Council (AMMWEC). Dies ist ein US-amerikanischer Dachverband, der sich auf interreligiöser Ebene für die Stärkung von Frauen, religiöse Toleranz sowie die Bekämpfung von Extremismus und Antisemitismus einsetzt.
Der Protest markiert einen frühen Wendepunkt in der Amtszeit Mamdanis. Auch wenn eine einzelne Demonstration mit einer vierstelligen Teilnehmerzahl noch keinen flächendeckenden politischen Umschwung bedeutet, signalisiert sie doch einen ernstzunehmenden Riss in der New Yorker Stadtgesellschaft. Liberale Muslime demonstrieren hier öffentlich – und gemeinsam mit Juden sowie christlichen Verbündeten der jüdischen Community – gegen die antisemitische Stimmungsmache in der Stadt. Eine Stimmungsmache, welche die Protestierenden direkt dem Oberhaupt der Achtmillionen-Metropole anlasten.
Muslime gegen Radikalislam
Zohran Mamdani, der seit Januar 2026 als erstes muslimisches Stadtoberhaupt New Yorks im Amt ist, vertritt den dezidiert demokratisch-sozialistischen Flügel seiner Partei. Doch dieses politische Umfeld gerät massiv in die Kritik.
Liberale Muslime werfen dem Bürgermeister vor, durch sein Schweigen israelfeindliche Tendenzen in New York zu begünstigen. Für Anila Ali ist hier eine rote Linie überschritten. Sie distanziert sich entschieden vom Council on American-Islamic Relations (CAIR), dem mächtigen Motor hinter Mamdani. Sie wirft CAIR vor, die öffentliche Repräsentation des Islam in den USA zu monopolisieren und eine islamistische Bewegung voranzutreiben. Säkulare und moderate Muslime fühlten sich von solchen Kräften zunehmend an den Rand gedrängt, so Ali, da diese weder ihren Glauben noch ihre Werte widerspiegelten. In diesem Sinne bezeichnete sie Mamdani als »Erfolgsprojekt« von CAIR & Co.
Die Vorwürfe im Detail wiegen schwer und treffen eine systematische Neuausrichtung der New Yorker Stadtpolitik unter Mamdani. Ali wirft dem Bürgermeister vor, sich aktiv hinter die Israelboykott-Bewegung BDS zu stellen und damit eine Kampagne gegen Israel zu institutionalisieren. Flankiert werde dies von einer gefährlichen Ignoranz gegenüber offenem Extremismus. Mamdani habe wiederholt antisemitische Parolen wie »Globalize the Intifada« öffentlich verteidigt und zögere nicht, politische Kandidaten zu unterstützen, die sogar die Urheberschaft der Terroranschläge vom 11. September 2023 anzweifeln.
Diese Haltung führe zu einer tiefen Entfremdung innerhalb der traditionellen New Yorker Gemeinden. Als Beleg gilt den Kritikern, dass unter Mamdanis Führung viele physische Schutzmaßnahmen gegen antisemitische Gewalt ersatzlos gestrichen werden. Hinzu kommt, dass Mamdani die international anerkannte, von Juden mehrheitlich empfohlene IHRA-Antisemitismusdefinition ablehnt. Während er mit einer seit 1964 bestehenden Tradition brach und am 31. Mai die traditionelle Israel-Parade der Stadt boykottierte, setzte er vor kurzem mit einem offiziellen Video zum palästinensischen Nakba-Gedenken ein deutliches und auch scharf verurteiltes Signal.
Die Kritik an dem Clip bündelt sich in vier Punkten: Erstens fehlt jeder historische Kontext zu der Protagonistin, die als »Nakba-Überlebende« dargestellt wird. Medienbeobachter wie HonestReporting wiesen nach, dass ihre Familie bosnischer Herkunft war, ihr Land an Juden verkaufte und 1948 in ein jordanisch kontrolliertes Viertel zog, ehe der Vater freiwillig nach England auswanderte. Zweitens gilt der jüdischen Gemeinde die Nutzung offizieller Accounts für eine derart einseitige Agenda als Affront. Drittens blendet das Video andere Opfergruppen aus, da der palästinensischen Vertreibung gedacht wird, während das Leid der New Yorker Holocaust-Überlebenden unerwähnt bleibt. Viertens entlarvt das gezeigte »Visit Palestine«-Plakat die historische Unkenntnis der Macher, da es in den 1930er Jahren von einem jüdischen Flüchtling aus Österreich entworfen wurde.
Letztlich folgt Mamdanis Strategie einem bekannten Muster: Es geht ihm primär darum, politisch Eindruck zu schinden und sich als progressiver Vorreiter zu inszenieren. Sobald jedoch Kritik laut wird, dreht er den Spieß um und lässt seine Gegner als vermeintlich intolerante Moralprediger brandmarken. Diese systematische Täter-Opfer-Umkehr entspringt direkt dem klassischen Drehbuch der Muslimbruderschaft, um berechtigten Protest zu delegitimieren und sich selbst als Verfolgte darzustellen.
Notwendigkeit eines Gegengewichts
In diesem Kurs erkennt Anila Ali das Muster einer unheilvollen Allianz zwischen der extremen Linken und radikalen Islamisten. Die Warnung, die sie und ihre breit aufgestellten Verbündeten im Zuge ihres Protests vor dem Wohnsitz Mamdanis laut aussprechen, ist drastisch: Wenn dieser Kurs nicht gestoppt werde, drohe New York das Schicksal britischer Städte wie Birmingham und London. Diese gelten Beobachtern als Mahnmal für eine gescheiterte Integrationspolitik, die in tiefen ethnisch-religiösen Spaltungen und der Entstehung islamistischer Parallelgesellschaften gemündet ist.
Darin liegt die fundamentale Ironie der Entwicklung: Während Mamdani für sich beansprucht, die Vielfalt der Metropole zu repräsentieren, formiert sich gegen ihn eine pluralistische Koalition aus liberalen Muslimen, jüdischen Gemeinden und christlichen Verbänden. Sie machen klar, dass seine Agenda das multikulturelle Gefüge der Stadt nicht fördert, sondern zerstört.
Wie akut die Gefahr ist, zeigte ein konkreter Vorfall am 26. Mai 2026: Die demokratisch-sozialistische Stadträtin Shahana Hanif, eine enge Verbündete Mamdanis, attackierte eine pro-israelische Kundgebung in Brooklyn und verdammte die jüdischen Demonstranten auf Instagram öffentlich »in die Hölle«. Dieser offene Hassausbruch einer Amtsträgerin ist Ausdruck einer Dynamik, unter der institutioneller Antisemitismus in New York gesellschaftsfähig wird. Genau deshalb ist der Schulterschluss von liberalen Muslimen und jüdischen Gemeinden kein bloßes Symbol mehr, sondern das einzig wirksame Gegengewicht gegen die Spaltung der Stadt.






