Mena-Exklusiv

Teilungsplan: Die Briten und der Mufti gegen Israel

Von Stefan Frank

Während in der UNO 1947 über eine Aufteilung des britischen Mandatsgebiets Palästina zwischen Juden und Arabern beratschlagt wurde, bestärkten die Briten den wichtigsten Führer der palästinensischen Araber, Amin el-Husseini – den Großmufti von Jerusalem –, ausdrücklich in seiner Haltung, jeglichen Kompromiss mit den Juden abzulehnen. Das zeigt ein ehemals geheimes und bislang unveröffentlichtes CIA-Dokument, über das israelische Zeitungen dieser Tage berichten und dessen Inhalt Mena Watch hier erstmals auf Deutsch wiedergibt.

Es ist auf den 27. Januar 1947 datiert und trägt den Titel: „Erklärung des Muftis über die Situation in Palästina“. Der Text lautet:

„1.) Afif Tibi, Besitzer der in Beirut erscheinenden Zeitung ‚Al Yawm‘ und früherer Nazi-Kollaborateur, soll den Mufti im November getroffen haben. Dabei soll der Mufti Tibi zufolge die folgenden Äußerungen gemacht haben:

(a) Die Araber Palästinas werden zu den Waffen greifen und die Juden angreifen, sollte die Teilung durchgeführt werden.

(b) Unter den gegebenen Umständen ist der Status quo in Palästina, d.h. die Fortsetzung des Mandatregimes, unendlich besser als jeglicher Teilungsplan. Unter keinen Umständen sollte es den Juden gestattet werden, in irgendeinem Teil des Landes echte Macht zu erlangen, aus dem einfachen Grund, dass sie dann sofort mit einem Bewaffnungsprogramm begönnen, angrenzende Ländereien angreifen und die vier Großmächte vor die vollendete Tatsache eines viel größeren Palästina stellen würden. [Man beachte, dass der Mufti das Wort »Palästina« an dieser Stelle nicht synonym mit dem gesamten Mandatsgebiet verwendet, sondern in Zusammenhang mit den jüdisch kontrollierten Teilen benutzt; S.F.].

(c) Die Briten stehen mit dem Mufti in ständiger Verbindung und ermutigen ihn sogar dazu, eine Teilung zu verurteilen.

(d) Die Briten machen es den Arabern leicht, sich zu bewaffnen.

 2.) Tibi schloss seine Bemerkungen, indem er sagte, er habe ‚den Mufti nie zuvor so pro-britisch erlebt‘ wie bei den obigen Äußerungen.“

karsh

Efraim Karsh

Mena Watch bat den Historiker Efraim Karsh, einen der besten Kenner der Geschichte Palästinas während des britischen Mandats und Autor der Bücher Fabricating Israeli History: The ‚New Historians’ und Palestine Betrayed, um eine Einordnung. Zwar sei ihm diese spezielle Dokument bislang unbekannt gewesen, so Karsh, „doch es ist kaum eine Überraschung angesichts Großbritanniens starrer Opposition gegen eine Teilung und seiner unablässigen Versuche, sie zu vereiteln“. In einem Kapitel von Fabricating Israeli History habe er diese detailliert beschrieben. „Dazu gehörte, die Araber zu bewaffnen und die Juden daran zu hindern, Waffen zu erlangen; arabische Armeen zu trainieren und zu befehligen, vor allem die jordanische Legion; Zehntausende junge Holocaustüberlebende in Haftlagern auf Zypern festzuhalten, um sie daran zu hindern, Palästina zu erreichen und am Krieg teilzunehmen; internationale Anstrengungen, die UN-Teilungsresolution zu untergraben – und so weiter.“

Dass die Juden Palästinas die Einzigen waren, die zu einem friedlichen Kompromiss bereit waren – und sich auch mit einem winzigen Flecken Wüste begnügten – wird heutzutage gern vergessen. Erst Ende Dezember verzerrte der damalige US-Außenminister John Kerry in seiner 70-minütigen Rede über die „Zwei-Staaten-Lösung der Nahostkrise“ die  Geschichte, als er behauptete, die Resolution 181 (der Teilungsplan) der UN-Generalversammlung, die in Palästina zwei Staaten für zwei Völker forderte, sei „in die Gründungsdokumente sowohl der Israelis als auch der Palästinenser eingegangen“.

Anders als Kerry es darstellte, akzeptierten nur die Juden den Teilungsplan; in der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 wird explizit auf ihn Bezug genommen. Die arabischen Staaten hingegen lehnten jegliche Ansprüche der Juden ab und billigten ihnen keinerlei Rechte zu. In der PLO-Charta (die 1964 beschlossen und 1968 geändert wurde) heißt es: „Die Teilung Palästinas im Jahr 1947 und die Schaffung des Staates Israel sind völlig illegal, ohne Rücksicht auf den inzwischen erfolgten Zeitablauf, denn sie standen im Gegensatz zu dem Willen des palästinensischen Volkes und seiner natürlichen Rechte auf sein Heimatland; sie waren unvereinbar mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen, insbesondere mit dem Recht auf Selbstbestimmung.“

Mit den Osloer Verträgen zwischen der PLO und Israel erkannte die PLO zwar an, dass Israel existiert, nicht aber, dass es ein Recht dazu hat. Während das 1997 vom Palästinensischen Legislativrat beschlossene Grundgesetz den Staat Palästina als arabisch und islamisch definiert, lehnt PA-Präsident Mahmoud Abbas eine Anerkennung Israels als dem Staat der Juden prinzipiell ab und verwirft somit die Formel „Zwei Staaten für zwei Völker“. In einem seltenen Interview, das er 2011 einem israelischen Fernsehsender gab, gestand er jedoch ein, dass die Ablehnung des Teilungsplans von 1947 ein „Fehler“ gewesen sei: „Es war unser Fehler. Es war ein Fehler aller Araber. Doch können sie (die Israelis) uns für diesen Fehler 64 Jahre später bestrafen?“

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