Mena-Exklusiv

Die Grundlage der Islamischen Republik: Antisemitismus und Hijab-Zwang

Von Thomas von der Osten-Sacken

Eigentlich kann man – irgend ein x-beliebiger europäischer Politiker wird darüber gerne Auskunft geben – mit iranischen Regimevertretern über so gut wie alles reden, ja oft zeigen sie sich sogar sehr eloquent und manchmal sogar bereit zu Kompromissen. Jahrzehnte des Dialoges haben es bewiesen, hunderte von Delegationen in Teheran es vorgemacht. Aber über zwei Punkte lässt sich nicht reden, die da wären: Die Vernichtung Israels und das Kopftuch. Wer immer es versuchte, blitzte – mochte er sich ansonsten noch so devot zeigen – einfach ab. Nein, beim Existenzrecht Israels ist ein iranischer Regierungsvertreter noch nie auch nur einen Millimeter von der Linie abgewichen, die Revolutionsführer Ayatollah Khomenei vorgegeben hatte: Das zionistische Krebsgeschwür, wie Israel in offizieller iranischer Terminologie heißt, müsse weg. Punkt. Ende des Gesprächs.

Genauso verhält es sich mit dem Kopftuch, dass schließlich auch jede Besucherin aus dem Ausland zu tragen hat, um so zu zeigen, dass man die Regeln der Islamischen Republik anerkennt und akzeptiert. Wer gegen den Hijab-Zwang demonstriert, stellt nämlich das ganze System in Frage. Deshalb auch ist der Protest iranischer Frauen dieser Tage für das Regime viel bedrohlicher, als andere Demonstrationen. Eine Islamische Republik ohne Kopftuchzwang und ohne das Staatziel der Vernichtung Israels wäre, kurz gesagt, keine Islamische Republik mehr.

Man könnte auch sagen, das ganze Gebäude ruht auf diesen zwei Säulen. Werden sie erschüttert, gerät es als Ganzes ins Wanken. So meinte auch Ayatollah Khamenei es todernst, als er die Bewegung gegen Zwangs-Hijab schon vor fast einem Jahr als zionistische Verschwörung zu entlarven versuchte. Wenn heute einer der obersten Richter des Iran erklärt, dass Frauen, die öffentlich ihr Tuch abnehmen, noch härter bestraft gehören als andere Protestierende, weist diese Aussage in dieselbe Richtung.

Wer die iranische Außenpolitik kritisiert, deren oberstes Ziel die Vernichtung des jüdisches Staates ist, wer also etwa skandiert „Vergesst Palästina, vergesst Gaza, denkt an uns“ und sich damit offen dem Staatsziel der Islamischen Republik entgegenstellt, stellt sie ebenso grundsätzlich in Frage, wie all jene mutigen Frauen, die dieser Tage gegen den Kopftuchzwang demonstrieren. Sie mögen selbst nicht einmal wissen, wie radikal ihr Vorgehen eigentlich ist, aber das Regime weiß es sehr wohl. Es wird an diesen zwei Punkten – Antisemitismus und Hijabzwang – niemals nachgeben können, ohne dabei die Grundlagen der Islamischen Republik Iran selbst in Frage zu stellen. 

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login