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Mandelas Enkelinnen entkräften Apartheid-Vorwurf gegen Israel

Keine Apartheid: Nelson Mandelas Enkelinnen Zaziwe and Zamaswazi (Swazi) bei ihrem Besuch in Israel und Gaza
Keine Apartheid: Nelson Mandelas Enkelinnen Zaziwe and Zamaswazi (Swazi) bei ihrem Besuch in Israel und Gaza (Quelle: JNS)

Geht es um Israel, fällt weltweit der Vorwurf der Apartheid. Doch ausgerechnet zwei Südafrikanerinnen, deren Nachname bis heute weltpolitische Schwerkraft besitzt, widerlegen ein Bild, das vielerorts als nahezu unumstößliche Wahrheit gilt.

Zwei Frauen, Princess Zamaswazi »Swati« Dlamini-Mandela und ihre Schwester Zaziwe Dlamini-Manaway – beide Töchter von Zenani Mandela-Dlamini und damit direkte Enkelinnen Nelson Mandelas –, brechen mit einer Erwartungshaltung, die ihnen fast automatisch zugeschrieben wird. Statt sich in die vertrauten ideologischen Linien ihrer Regierung und eines großen Teils der internationalen Aktivistenszene einzureihen, wählen sie bewusst einen eigenen Weg. Ihre Reise nach Israel und in den Gazastreifen, unternommen ohne öffentliche Inszenierung, führte sie zu einem Fazit, das politisch wie moralisch kaum deutlicher ausfallen könnte: Israel ist kein Apartheidstaat.

Der IGH-Blick

Bevor die Wucht der Aussagen der Mandela-Enkelinnen verstanden werden kann, bedarf es einer juristischen Klarstellung. Denn der Apartheid-Vorwurf gegen Israel beruht nicht auf einem Gerichtsurteil, sondern auf einem Advisory Opinion, einem nicht rechtsverbindlichen Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag. Dieses Gutachten wurde am 19. Juli 2024 veröffentlicht und geht auf eine ebenfalls nicht rechtsverbindliche Resolution der UN-Generalversammlung vom 30. Dezember 2022  zurück.

Der IGH gelangt in seinem Gutachten zu der Bewertung, Israels Politik im Westjordanland und in Ost-Jerusalem verstoße gegen das Völkerrecht, insbesondere gegen Artikel 49 der IV. Genfer Konvention, der die Umsiedlung eigener Bevölkerung in besetzte Gebiete verbietet. Das Gutachten beschreibt eine »nahezu vollständige Trennung« zwischen israelischen Siedlern und Palästinensern und erkennt darin Elemente systematischer Diskriminierung. Daraus leitet es Verpflichtungen ab: Israel solle seine »rechtswidrige Präsenz« beenden, keine neuen Siedlungen errichten und bestehende aufgeben.

Doch ebenso entscheidend sind die Grenzen dieser Analyse. Mehrere Richter kritisierten in ihren Sondervoten, der Begriff »Apartheid« lasse sich juristisch nicht eindeutig anwenden, die Lage sei komplexer, als das Gutachten erkenne, und wichtige Kontextfaktoren fehlten. Zudem bleibt die Advisory Opinion unverbindlich: Sie besitzt moralisches Gewicht, ist aber weder Prozess noch Urteil noch Präzedenzfall.

Kurz gesagt: Selbst auf höchster juristischer Ebene ist der Begriff »Apartheid« in Bezug auf Israel nicht bestätigt, sondern bleibt eine kontroverse, politisch aufgeladene Interpretation.

Selbst sind die Frauen

Zaziwe und Swati Mandela reisten im September/Oktober für eine fünftägige humanitäre Mission nach Israel und in den Gazastreifen, organisiert vom National Black Empowerment Council. Während ihres Aufenthalts trafen sie unter anderem Israels Präsident Isaac Herzog, besuchten die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die Altstadt Jerusalems, den am 7. Oktober 2023 zerstörten Kibbuz Nir Oz und das Gelände des von der Hamas überfallenen Nova-Musikfestivals.

Im Gazastreifen halfen sie mit der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) bei der Verteilung von über 10.000 Mahlzeiten, vor allem an Frauen und Kinder. Sie berichteten von der »überwältigenden Logistik« und engen Koordination zwischen israelischen, amerikanischen und lokalen Hilfsorganisationen – ein Bild, das sie in den Medien so nicht wiederfanden. »Wir sahen die Wahrheit mit unseren eigenen Augen – vieles ist weit komplexer, als Medienberichte suggerieren«, sagte Swati Mandela. »Beide Narrative existieren, aber vor Ort zu sein, verändert alles.«

In ihren Worten war diese Mission kein politischer Akt: »Wir kamen als humanitäre Helferinnen und Friedensstifterinnen, nicht als Politikerinnen.« Gleichzeitig zogen sie ein klares Fazit: »Apartheid war staatlich verordnete Rassentrennung. Was wir hier sahen, ist etwas völlig anderes. Es gibt keinen Vergleich.« Beim Treffen mit Rachel Goldberg-Polin, Mutter des Geiselopfers Hersh Goldberg-Polin, erzählte diese von ihrem Traum einer Wahrheits- und Versöhnungskommission im südafrikanischen Stil (»Truth and Reconciliation Commission«).

Die Reise habe ihre Sicht auf den Konflikt radikal verändert; die verbreitete Darstellung massiver Versorgungsengpässe im Gazastreifen greife zu kurz, denn »täglich treffen große Mengen Hilfsgüter ein«. Gleichzeitig schildern die beiden Schwestern die erlebte »Koexistenz« in Israel: Menschen unterschiedlicher Religionen, Herkunft und Identität leben Seite an Seite. Der Begriff »Apartheid« passe nicht – die Realität, die sie sahen, sei zu vielschichtig, um sie in eine historische Schablone zu pressen.

Relevanz

Die Reise der beiden Mandela-Enkelinnen wäre schon aus protokollarischer Sicht ein politisches Ereignis gewesen. Allerdings gehen ihre Erkenntnisse vor Ort weit über individuelle Eindrücke hinaus. Sie berühren den Kern eines globalen Konflikts: Wer besitzt heute eigentlich die moralische und historische Autorität, über »Apartheid« zu sprechen? Und was passiert, wenn ausgerechnet jene, deren Familiengeschichte diesen Begriff geprägt hat, eine Diagnose zurückweisen, die in großen Teilen der westlichen Öffentlichkeit längst als unumstößlich gilt?

Gerade deshalb kommt ihren Aussagen eine Bedeutung zu, die weit über die autobiografische Dimension hinausreicht. Sie zwingen eine Debatte, die sich im Westen gerne moralisch unangreifbar gibt, zurück zu ihren Grundlagen: zu Definitionen, zu historischer Präzision, zu intellektueller Redlichkeit. Denn wenn der Apartheid-Vorwurf zum schärfsten moralischen Schlagwort gegen Israel geworden ist, verliert dieses Schlagwort seine Unangreifbarkeit, sobald jene widersprechen, die Apartheid aus einer familiären Realität kennen und nicht aus ideologischer Distanz.

Die Reaktion westlicher Leitmedien auf diese Intervention ist bezeichnend: Während schon ein einzelner Social-Media-Post einer Aktivistin aus der Küstenenklave breite Reportagen auslösen kann, verhallen die Stimmen zweier Angehörigen der Mandela-Familie, die eine unbequeme Korrektur anbieten, unbeachtet im medialen Raum: Die Zurückhaltung führender europäischer Medien, diese differenzierte Gegenposition angemessen zu gewichten, indiziert einen selektiven Gatekeeping-Mechanismus.

Keine Begeisterung

In Südafrika rief die Reise der zwei Mandela-Enkelinnen gemischte Reaktionen hervor. Einige Kritiker sehen in der humanitären Mission eine PR-Aktion, die den traditionellen, propalästinensischen Ansatz untergrabe. So überrascht es nicht, dass im Lager von Nkosi Zwelivelile »Mandla« Mandela, dem Enkel Nelson Mandelas und dem Cousin von Swati und Zaziwe, keine Begeisterung herrscht.

Es ist nämlich Mandla, der den von der Hamas Al-Aqsa-Flut genannten Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 gelobt und die Terrorgruppe selbst als legitimen Widerstand bezeichnet hatte. Als er 2024 an einer Trauerfeier für Hamas-Chef Ismail Haniyeh teilnahm, wurde ihm später die Einreise nach Großbritannien verweigert. Zudem pflegt Mandla enge Beziehungen zu Teheran und nahm dort einen staatlichen »Menschenrechtspreis« entgegen.

Andere im Land begrüßen die Courage von Swati und Zaziwe als mutige Abkehr vom offiziellen Regierungskurs. Im South African Jewish Report etwa hieß es, ihr Besuch stehe in scharfem Kontrast zu der einseitigen, antiisraelischen Linie des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) und zu Mandla Mandela selbst.

Besonders empfänglich für diesen Narrativbruch ist die inner­südafrikanische Politik. Der Minister für Sport, Kunst und Kultur und Vorsitzender der Patriotic Alliance Gayton McKenzie stellt sich offen gegen die harte antiisraelische Linie des ANC. In einem Interview betonte er: »Wir sind nicht gegen Israel, wir sind gegen die Hamas.« Außerdem machte er klar, dass seine Partei keine Boykotte gegen Israel unterstützen werde und warnte in weiteren Stellungnahmen davor, »Israel zu verfluchen«. Parallel dazu bekunden zunehmend schwarze Kirchen, zivilgesellschaftliche Gruppen und sogar einzelne Schulen öffentlich ihre Solidarität mit Israel – ein Trend, der international meist übersehen, in Südafrika selbst jedoch immer sichtbarer wird.

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