Im Sahel-Staat Mali kann die Junta von Russlands Gnaden die koordinierte Offensive von Tuareg-Rebellen und al-Qaida nicht stoppen.
Seit Monaten war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann die Terrorgruppe al-Qaida und die mit ihr verbündeten Tuareg-Milizen in Mali eine größere Offensive auf die Hauptstadt Bamako und andere Städte beginnen würden. Ideologisch haben beide keine Gemeinsamkeiten, sie eint der gemeinsame Feind, weshalb sie schon einmal, 2012, ein solches Bündnis eingegangen sind.
Die Azawad Liberation Front der Tuareg kämpft für einen eigenen Staat im Norden des Landes, Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM), der lokale Ableger von al-Qaida, dagegen für einen Scharia-Staat. Vor über zehn Jahren kam es zwischen beiden dann zum Bruch und JNIM vertrieb die Tuareg aus dem Norden.
Die nun wieder Seite an Seite kämpfenden Gruppen befinden sich schon seit Längerem im Sahel-Staat Mali auf dem Vormarsch. In den letzten Monaten haben sie immer größere Teile des Landes eingenommen und gezielt die wichtige Hauptstadt eingekreist. Die dort residierende Putschisten-Junta, die mit russischer Unterstützung an die Macht gekommen ist und westliche Truppen des Landes verwiesen hat, scheint unfähig, den Vormarsch zu stoppen.
Unbeliebte Junta
Auch die Wagner-Milizionäre, mittlerweile in russisches Afrikakorps umbenannt, die anstelle europäischer und amerikanischer Truppen ins Land geholt wurden, sind dazu anscheinend nicht in der Lage.
Sie fielen bislang vornehmlich durch eine Mischung aus Korruption und Grausamkeit auf. Moskau scheint also nicht in der Lage, seinen Verbündeten entscheidende Hilfe leisten zu können. Seine Intervention hat einem Bericht The Sentry eher zur Destabilisierung beigetragen:
»Wagners Vorgehen in Mali hat nicht nur die Zivilbevölkerung getroffen, sondern auch die Unsicherheit verschärft und den Weg für die Zersplitterung des malischen Staates geebnet. Wagner-Kämpfer haben Chaos und Angst innerhalb der malischen Militärhierarchie verbreitet und die malischen Streitkräfte (Forces Armées Maliennes, FAMA) gezwungen, zu Übergriffen auf Zivilisten zu schweigen. Darüber hinaus hat der Mangel an Ordnung und Kommunikation innerhalb der Befehlskette zu einer fortschreitenden Schwächung der FAMA geführt.«
Die von Russlands Gnaden existierende Junta ist im Land äußerst unbeliebt, wenn nicht sogar verhasst. Am vergangenen Samstag nun ist es erstmalig zu einem koordinierten und groß angelegten Angriff von JNIM auf die Hauptstadt Bamako und seine Umgebung gekommen. Parallel dazu sind die Tuareg in die größte Stadt des Nordens, Kidal, vorgerückt, wo offenbar auch der Verteidigungsminister des Landes getötet wurde.
Tage scheinen gezählt
Für Ulf Laessing, den Leiter des Sahel-Programms der Konrad-Adenauer-Stiftung, sieht dies »nach dem größten koordinierten Angriff seit Jahren aus. Bemerkenswerterweise gab es eine Koordination zwischen Dschihadisten und Tuareg-Rebellen, die nichts gemeinsam haben, aber einen gemeinsamen Feind«.
Auch wenn es (noch) nicht um die Eroberung Bamakos geht, haben die Angriffe doch einmal mehr gezeigt, was seit längerem befürchtet wird: Auf Dauer wird sich das Regime in Mali wohl kaum am Ruder halten können. Seine Tage scheinen gezählt, gerade auch, weil es sich in die Arme Moskaus begeben hat. So droht eher früher als später, dass in diesem wegen seiner geostrategischen und sicherheitspolitischen Rolle wichtigen Sahel-Staat al-Qaida bald die Macht übernehmen könnte. Vor zwei Jahrzehnten wurde das Land noch als Modell für Demokratisierung und Entwicklung in Afrika gelobt.
Das hätte nicht nur fatale Folgen für die Bevölkerung, die die französischen Truppen 2013 mit Jubel begrüßte, als sie den ersten Vormarsch der Dschihadisten gewaltsam stoppten, sondern auch für die gesamte Region. Auch im Nachbarstaat Niger hat sich vor drei Monaten mit Hilfe aus Moskau eine Militärjunta an die Macht geputscht. Diese kämpft seitdem mit bescheidenem Erfolg gegen auch dort erstarkende Jihadisten und hatte jüngst sogar zu einer allgemeinen Mobilmachung aufgerufen.






