Für Beiruts Außenminister zählt die iranische Regionalpolitik zu den Hauptursachen für die Instabilität nicht nur im Libanon, sondern im gesamten Nahen Osten.
Die Rolle des Iran sei »äußerst negativ« und seine Regionalpolitik gehöre zu den »Hauptursachen für Instabilität« im Libanon und im gesamten Nahen Osten, sagte Beiruts Außenminister Youssef Rajji vergangene Woche in einem Interview mit dem katarischen Sender Al Jazeera. Anfang dieser Woche wiederholte er seine Anschuldigungen dann in einer Reihe von englischsprachigen X-Beiträgen.
Die Hisbollah, Irans Terror-Stellvertreter im Libanon, habe die israelische »Besatzung auf libanesisches Gebiet gebracht«, und die Waffen der Terrorgruppe müssten »vor Jahresende an den libanesischen Staat übergeben werden. Bis Ende 2025 muss das Gebiet südlich des Litani-Flusses frei von allen illegalen Waffen sein und bis Ende 2026 müssen die libanesischen Streitkräfte den Prozess der Beschlagnahmung aller Waffen im gesamten libanesischen Staatsgebiet abgeschlossen haben.«
Seit Wochen erhalte Beirut »warnende Meldungen von mehreren internationalen und arabischen Parteien, die darauf hindeuten, dass Israel sich auf groß angelegte Angriffe vorbereitet. Der Libanon intensiviert seine diplomatischen Bemühungen, um den Staat und seine Institutionen zu schützen.«
Rajjsi Kritik am Iran erfolgte vor dem Hintergrund seiner Weigerung, in die Islamische Republik zu reisen, um mit dem dortigen Regime über die Entwaffnung der Hisbollah zu verhandeln. »Unter den gegenwärtigen Umständen konnte ich die Einladung zu einem Besuch in Teheran nicht annehmen«, schrieb Beiruts oberster Diplomat am Mittwoch auf X. Rajji teilte seinem iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi mit, dass dieser zu einem Besuch in Beirut willkommen sei. Araghchi kündigte daraufhin Pläne für eine Reise in die libanesische Hauptstadt zu diplomatischen Gesprächen an.
Iran’s role is extremely negative, and its policies are among the chief sources of instability in Lebanon and the region. pic.twitter.com/r94u2xiDPO
— Youssef Raggi (@YoussefRaggi) December 15, 2025
Hisbollah-Weigerung
Die der Hisbollah nahestehende Tageszeitung Al-Akhbar aus dem Libanon berichtete letzte Woche, Rajji hätte sich geweigert, die Beglaubigungsschreiben des neuen iranischen Botschafters dem Kabinett in Beirut zur Genehmigung vorzulegen, was dessen Ernennung verzögert habe. Die Hisbollah und ihre iranischen Unterstützer haben Forderungen abgelehnt, dass die Terrororganisation im Rahmen des von den USA vermittelten Waffenstillstands mit Israel vom 27. November 2024 entwaffnet werden solle.
Ali Akbar Velayati, Berater des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei, sagte am Sonntag: »Die Hisbollah spielt als eine der wichtigsten Säulen der Widerstandsfront eine grundlegende Rolle im Kampf gegen den Zionismus. Die Islamische Republik Iran wird unter der Führung und auf Befehl des Führers diese wertvolle und selbstlose Gruppe an der Front des Widerstands weiterhin entschlossen unterstützen.«
Der Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon trat im Dezember 2024 nach einer intensiven zweimonatigen israelischen Militäraktion in Kraft, die zu einer Schwächung der massiven Hisbollah-Führung führte. Das Abkommen wurde von der israelischen und der libanesischen Regierung sowie von fünf vermittelnden Ländern, darunter die USA, besiegelt. Die amerikanische Regierung hat Berichten zufolge den 31. Dezember als Frist gesetzt, um die Hisbollah zu entwaffnen.






