Der DEM-Vorsitzende kritisierte die türkische Regierung am Dienstag dafür, dass sie für den NATO-Gipfels in Ankara versuche, die herrschende Armut mit Transparenten zu verhüllen.
Die Türkei empfängt am 7. und 8. Juli 32 NATO-Staats- und Regierungschefs sowie die Partner des Bündnisses in der Region, wobei erwartet wird, dass auch US-Präsident Donald Trump an der Veranstaltung teilnimmt. Im Rahmen der Gipfelvorbereitungen habe die türkische Regierung den Versuch unternommen, heruntergekommene Gebäude und Fassaden mit Bannern zum Gipfel zu verdecken, erklärte der Co-Vorsitzende der Partei für Gleichheit und Demokratie der Völker (DEM-Partei) in der vergangenen Woche.
»Entlang der Routen, die hochrangige NATO-Vertreter zurücklegen werden, verdecken sie alte Gebäude und baufällige Bauten mit Bannern, damit man sie nicht sieht. Mit anderen Worten: Sie verstecken die Armut, in der wir leben, die großen, unverputzten Gebäude, in denen wir wohnen, hinter Bannern, damit die Staats- und Regierungschefs und NATO-Delegationen, die hierherkommen, sie nicht sehen. Dies ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Fall eines Potemkinschen Dorfes«, sagte Tuncer Bakırhan am Dienstag in einer Rede bei der Fraktionssitzung seiner Partei.
Vertuschung der Armut
Der Begriff Potemkinsches Dorf beschreibt eine vorgetäuschte, auf Hochglanz polierte Fassade, die dazu dient, die unangenehme Wahrheit dahinter zu verschleiern. Der Begriff stammt aus einer Erzählung über Grigori Potemkin, einen Günstling der russischen Zarin Katharina der Großen. Dieser ließ angeblich entlang ihrer Krim-Reiseroute im Jahr 1787 vorgetäuschte, geschmückte Fassaden errichten, um die tatsächliche Armut der Region zu verbergen. Der Ausdruck wird heute allgemein verwendet, um Versuche zu beschreiben, Probleme durch Äußerlichkeiten zu verschleiern, anstatt sie tatsächlich zu beheben.
»Nun tut Ankara genau dasselbe«, merkte Bakırhan an. »Sie lösen das Problem nicht, sie vertuschen es. Es ist unmöglich zu verstehen, wohin das führen soll. Sie beseitigen weder die Armut noch den Verfall, noch die mangelnde Planung, noch die enormen Probleme unserer Städte. Stattdessen kommt ihnen die Idee, diese baufälligen Gebäude entlang der im Protokoll vorgesehenen Routen zu verbergen.«
Entlang des Boulevards, der Teil der Route der NATO-Delegationen ist, wurden an mehreren Stellen große Plakate mit den Aufschriften »Schlüssel zum Frieden«, »Schlüssel zur Sicherheit« und »Gemeinsame Zukunft in Frieden« angebracht, während Ankara sich auf den NATO-Gipfel vorbereitet.
Der Vorsitzende der islamistisch-konservativen Partei der Glückseligkeit, Mahmut Arıkan, kritisierte die Regierung ebenfalls dafür, dass sie versuche, ein positives Bild von verarmten Gebieten zu vermitteln. »Armut lässt sich nicht mit Planen verdecken«, schrieb er am Sonntag auf X neben einem Bild eines armen Mannes, der an einer Werbeanzeige für den NATO-Gipfel vorbeigeht.
Präsident Erdoğan erklärte am Montag, der NATO-Gipfel in Ankara werde sich darauf konzentrieren, die nationalen Sicherheitsbelange der Verbündeten zu wahren und gleichzeitig die Solidarität und Einheit des Bündnisses zu stärken. Er wies darauf hin, dass die Staats- und Regierungschefs auch die Kriege im Iran, in der Ukraine und im Gazastreifen erörtern würden.






