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Kobane: Die Angst ist zurück

Kobane: Die Angst ist zurück
Kobane während der Belagerung durch den IS. Quelle: VOA/Wikimedia Commons.

„Die Menschen in Nordsyrien, in der Rojava-Region, haben wieder Angst vor Krieg und Zerstörung. Ich kann es an ihren Gesichtszügen erkennen. Zahlreiche Menschen treffe ich jetzt zum wiederholten Mal, ich kann ohne Worte ihre Verunsicherung, ihre Enttäuschung sehen. Und die Furcht, alleingelassen zu werden. Ich kann ihre Angst sehen und spüren. ‚Wir sind hier in Kobane geboren, da gehören Angst, Not, Leid und Sterben zu unserem Leben dazu‘, sagt mir ein hier praktizierender Chirurg, der seinen Namen lieber nicht genannt haben möchte – um ihn und seine Familie zu schützen. ‚Wir haben alle große Sorge, verspüren eine große Unsicherheit, und mit jedem Tag wissen wir weniger, was morgen sein wird.‘ (…)

Unmittelbar an der Grenze zur Türkei liegend, werden die Menschen aber vom Antidemokraten Recep Tayyip Erdogan, dem türkischen Präsidenten, militärisch bedroht. Erdogan und seine Gefolgsleute diffamieren die kurdisch-arabischen Widerständler gegen den IS immer wieder als Terroristen. ‚Wir haben Angst, dass Erdogan die arabischen Flüchtlinge instrumentalisiert, um sie dann in von der türkischen Armee besetzte Gebiete in Rojava zurückzuführen‘, sagt mir der befreundete Chirurg. (…)

Es geht Erdogan nicht um die Bekämpfung von Terrorismus, es geht ihm um den eigenen Narzissmus und die territoriale Erweiterung der Türkei. Und insbesondere um die Unterdrückung und Vernichtung des kurdischen Volkes. Erdogan hat schon in der Afrin-Region völkerrechtswidrig Krieg geführt und gezielt Zivilisten ermorden lassen.

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All dies wissen wir in der freien demokratischen Welt, aber wir schweigen. Die NATO, ein Militärbund der freien und demokratischen Welt, zu dem auch Deutschland gehört, akzeptiert es, dass ein NATO-Partner Kriegsverbrechen begeht. Wir akzeptieren diesen Staatsterrorismus, weil wir Angst davor haben, den NATO-Partner Türkei zu verlieren, Angst davor haben, dass noch mehr Menschen ins freie Europa fliehen.

Wir verlieren dabei unsere eigene Identität: ein europäisch-freiheitliches Selbstverständnis, das Toleranz, Mitmenschlichkeit, die Einhaltung der Menschenrechte als Basis unseres Miteinanders gesellschaftlich implementiert hat. Für welche Werte stehen eigentlich noch westliche Demokratien?“ (Gerhard Trabert: „Gastbeitrag aus Kobane: ‚Ich kann die Angst spüren‘“)

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