Die Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen wollten in Wien den Song Contest feiern. Aus Sicherheitsgründen kann die Veranstaltung jedoch nicht in der geplanten Form stattfinden.
»Die Lebensrealität von uns Jüdinnen und Juden hat sich in Österreich und Europa seit Oktober 2023 signifikant verschlechtert. Die seit jeher schwierige Sicherheitslage ist inzwischen dermaßen brüchig, dass jüdisches Leben in der Öffentlichkeit kaum mehr stattfinden kann. Daran muss sich jetzt etwas ändern!« Dies schreibt die Co-Vorsitzende der Jüdischen Österreichischen HochschülerInnen (JöH) Lia Guttmann in einer aktuellen Presseaussendung. Unmittelbarer Anlass für dieses Fazit sind die Vorgänge rund um den diese Woche stattfindenden Eurovision Song Contest (ESC) in Wien.
Eigentlich wollten die Jüdischen HochschülerInnen wie jedes Jahr ein Public Viewing auf dem Universitätscampus im alten AKH abhalten. Die Veranstaltung musste allerdings wegen massiver Sicherheitsbedenken abgesagt werden, wie es in der JöH-Pressaussendung heißt. So sei der Organisation in den vergangenen Wochen »von unzähligen öffentlichen und gemeindeinternen Seiten erklärt [worden], dass das gemeinsame Schauen des Songcontests in der Öffentlichkeit für jüdische Studierende zu gefährlich sei.«
Trotz wochenlanger Bemühungen sei den Organisatoren ständig mitgeteilt worden, dass es keine Kapazitäten gebe, um jüdische Studierende zu schützen, wodurch das ursprünglich geplante Public Viewing faktisch unmöglich geworden sei. »Das bedeutet im Klartext: Jüdische Studierende können aufgrund massiver Sicherheitsbedrohungen kein gewöhnliches ESC-Public-Viewing ausrichten, sondern sollen sich angesichts des Hasses hinter geschlossenen Türen verstecken«, resümiert die JöH in Ihrer Pressaussendung.
Angesichts der Sicherheitsgefährdung muss die geplante Übertragung des Song Contests nun als Solidaritäts- und Protestkundgebung stattfinden, damit sie von der Polizei geschützt werden kann. Mit dieser Veranstaltungsform wollten sie »gemeinsam für die offene Gesellschaft einstehen – und gegen jenen Hass und Antisemitismus, der verhindert, dass jüdische Studierende ein Public Viewing des ESC unter gewöhnlichen Bedingungen veranstalten«, erläutern die Jüdischen HochschülerInnen ihren durch die Umstände notwendig gewordenen Schritt.
Nicht einschüchtern lassen
Dass jüdische Studenten an der Wiener Universität nur unter schwerem Polizeiaufgebot den Song Contest feiern können, kommt nicht aus heiterem Himmel. Es reiht sich ein in eine lange Geschichte von Veranstaltungsabsagen, die seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 immer offenere und bedrohlichere Formen angenommen hat. Dies habe nicht zuletzt zu dem skandalösen Zustand geführt, dass jüdische Studenten sich auf ihrem Campus nicht einfach in die Wiese setzen und das ESC-Finale verfolgen können, wie die zweite JöH-Co-Präsidentin, Milli Li Rabinovici, feststellte.
Erst zuletzt war Wien dadurch aufgefallen, dass sich kein Kaffeehaus bereit erklären wollte, als Treffpunkt für die israelischen ESC-Fans zu fungieren, während dies für alle anderen Teilnehmerländer problemlos möglich war. Erst durch eine private Initiative fand sich mit der »Kantine« im Museumsquartier letztlich doch noch ein Lokal, das – unter erheblichen Hindernissen und Anfeindungen – diese Rolle übernahm. »Öffentliches jüdisches Leben ist seit bald drei Jahren in Österreich und Europa aufgrund der anhaltenden Bedrohungslage kaum mehr möglich«, stellt die JöH denn auch ernüchtert fest.
Dennoch geben sich die Jüdischen Hochschülerinnen kämpferisch. Sie würden sich weder einschüchtern noch gar aus der Öffentlichkeit verdrängen lassen, schreiben sie in ihrer Pressaussendung und fordern alle solidarischen Menschen auf, sich ihrem Protest gegen die untragbar gewordene Situation anzuschließen. Die Solidaritätskundgebung soll am Samstagabend auf dem Wiener Universitätscampus im Alten AKH stattfinden.






