Beim antisemitischen Terrorangriff im australischen Sydney war zu beobachten, was die in der Palästina-Solidarität so beliebte Parole »Globalisierung der Intifada« meint.
Bret Stephens, Kolumnist der New York Times, hat mit seinem Kommentar zum Massaker am Bondi Beach benannt, was da passiert ist: »So sieht die ›Globalisierung der Intifada‹ aus«, wie sie an amerikanischen Hochschulen und auf Europas Straßen gefordert wird. »Intifada« soll nämlich heißen: antijüdisches Pogrom.
Arafats »Al-Aqsa-Intifada«, bei der Splitterbomben gegen Senioren am Abendessenstisch und gegen Kinder in Restaurants und Diskotheken detonierten, hat keine Zweifel daran gelassen, dass es darum geht, so viele Juden wie möglich zu ermorden. Ahlam Tamimi, welche die Jerusalemer Pizzeria Sbarro für einen Selbstmordanschlag ausgesucht und den Täter mit der Bombe dorthin geführt hatte, lächelte bekanntlich einst über das ganze Gesicht, als sie bei einem Interview in einem israelischen Gefängnis vom Journalisten informiert wurde, dass sie acht jüdische Kinder getötet hat – mehr, als sie gedacht hatte. Mittlerweile lebt sie in Freiheit in Jordanien, nachdem sie im Gilad-Shalit-Deal von den Terroristen freigepresst wurde.
Was sie tat – einen von jüdischen Familien in der Freizeit besuchten Ort zum Ziel eines Terroranschlags zu machen –, ist das, was auch die Täter am Bondi Beach von Sydney taten. Die Palästinenser können sich nicht nur rühmen, Pioniere bei Flugzeugentführungen und Selbstmordanschlägen gewesen zu sein, sie haben auch die Taktik erfunden, Juden beim Feiern zu ermorden: bei Hochzeiten, bei Bar-/Bat-Mitzvahs, in der Synagoge, in der Diskothek, im Restaurant. Jüdische Feiertage wie Passah, das jüdische Freudenfest Simchat Torah (7. Oktober 2023) oder jetzt Chanukka reizen sie besonders.
Denn wenn die Antisemiten eines noch mehr hassen als Juden, dann ist das glückliche Juden. Der Antisemit will sie tot sehen – überall auf der Welt. Das ist es, was »Globalisiert die Intifada« meint.
Ein Platz, wo Juden sicher sind
Nur israelische Juden zu töten, ist nicht genug. Es soll keinen Platz auf der Welt geben, wo Juden sicher sind. Darum wird der Staat Israel von Antisemiten gehasst. Erinnern wir uns: Bei der Konferenz von Evian im Sommer 1938 hatten Regierungen der ganzen Welt deutlich gemacht, dass sie keine deutschen und österreichischen Juden aufnehmen würden.
Der von den Briten eingesetzte Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, sorgte dafür, dass sie auch nicht nach Palästina konnten. Überall waren die Juden in der Falle. In Marseille und Lissabon warteten Tausende vergeblich auf ein rettendes Schiff. Den neunhundert jüdischen Flüchtlingen auf der St. Louis verweigerten im Jahr 1939 Havanna, Miami und Kanada die Aufnahme. Sie wurden zurück nach Europa gebracht, viele von ihnen wurden später ermordet.
Mit Israels Gründung 1948 gab es nun einen rettenden Hafen. Das brachte die Antisemiten zum Schäumen: Die Juden entzogen sich plötzlich ihrer Kontrolle. Der Hass auf Israel gleicht der stereotypen Szene im Zombie-Film: Menschen haben sich in einem Gebäude verbarrikadiert, das von Zombies umzingelt ist, die an die Türen hämmern oder versuchen, durchs Fenster zu kommen. Das Haus – also Israel – zu verlassen, bringt Juden keine Sicherheit, im Gegenteil. Die israelischen Juden werden nicht gehasst, weil sie Israelis, sondern, weil sie Juden sind.
Die Antisemiten wollen alle Juden töten, egal, ob in Israel, Australien, Frankreich oder anderswo. Dass sie so viel Energie auf den Kampf gegen Israel verwenden, hat zum einen etwas mit Aufwand und Ertrag zu tun: Dort leben eben besonders viele Juden. Zum anderen haben sie kapiert, dass die Existenz des Staates Israel das Haupthindernis bei der Ausrottung der Juden ist. Darum kümmern sie sich um die schwierigste Arbeit zuerst, der Rest kommt später.
Doch das heißt nicht, dass sie jene Juden, die außerhalb Israels leben, vergessen hätten. Jeder Jude in Deutschland, Frankreich, Belgien oder Australien kann vom täglichen Antisemitismus Zeugnis ablegen.
Viele Kommentatoren verwechseln Ursache und Wirkung: Sie tun so, als würden die Juden etwa in Deutschland wegen des »Nahost-Konflikts« gehasst. Juden in Australien würden demnach gehasst wegen etwas, das Israel vorgeworfen wird. Die Wahrheit ist einfacher: 1. Antisemiten hassen Juden. 2. Israel ist der Staat der Juden. 3. Darum hassen Antisemiten Israel. Wäre Israel der Staat der Schlümpfe, würde sich niemand für einen Boykott stark machen. Aber es sind nun einmal Juden, also müssen sie boykottiert und umgebracht werden.
Vom Boykott zum Mord
Der Boykott, die antisemitische Schrift an der Wand und die brennende Synagoge gehen der physischen Vernichtung der Juden voraus. Das ist die Lehre aus dem Nationalsozialismus. Der Boykott ist kein Substitut für den Judenmord. Man kann also nicht sagen: Die Juden werden boykottiert, also wird man sie wenigstens nicht töten. Doch. Die Nationalsozialisten haben Musik von jüdischen Künstlern boykottiert und die Juden nach Auschwitz deportiert. Es ging Hand in Hand.
So ist es auch heute. Neun Tage vor dem Massaker von Bondi Beach stellten die australischen Grünen einen Text auf ihre Website, in dem sie den Boykott des Eurovision Song Contest fordern, weil Israel daran teilnimmt. Das ist keine Kausalität, aber auch kein bloßer Zufall. Beides entspringt dem Klima des Judenhasses. Die Grünen stellen die Frage, wie man »mit Kriegsverbrechern singen« könne. »Australische Musiker sollten nicht Teil von Israels Eurovision-PR-Kampagne sein, während Krankenhäuser und Schulen bombardiert werden … Völkermord ist keine Unterhaltung.« Das ist der Antisemitismus, der auch zu den Morden am Bondi Beach führte.
Es reichte den Tätern Naveed Akram und Sajid Akram – Vater und Sohn – offensichtlich nicht, die Grünen zu wählen. Sie haben die Sache lieber selbst in die Hand genommen. Man kennt das. Papst Urban II. war im 11. Jahrhundert einer der Intellektuellen seiner Zeit. Er rief zum Kreuzzug zur Befreiung Palästinas auf. Der Pöbel aber tötete lieber die Juden, die er in der eigenen Stadt finden konnte. Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr bleiben sie gleich.
Jüdische »Tentakel«
Jenny Leong, eine Abgeordnete der Grünen im Stadtrat von Newtown, sagte 2023, die jüdische Gemeinde würde ihre »Tentakel« benutzen, um in andere ethnische Gemeinschaften einzudringen. Auch hier wieder: Man kennt das Lied.
Seit dem 7. Oktober 2023 eskaliert in Australien der Hass auf Juden. Synagogen und jüdische Kindergärten werden angezündet. Ein Boykott Israels wird gefordert. Antisemitische Slogans werden an Wohnhäuser und Autos gesprüht. Das Executive Council of Australian Jewry, Australiens Rat der jüdischen Gemeinden, registrierte im Zwölfmonatszeitraum vom 1. Oktober 2023 bis zum 30. September 2024 2.062 antijüdische Vorfälle. In den zwölf Monaten bis Oktober 2025 waren es 1.654.
Was tat die australische Regierung unter der Führung von Ministerpräsident Anthony Albanese (nicht verwandt mit Francesca Albanese)? Sie ließ die israelische Politikerin Ayelet Shaked im Dezember 2024 nicht einreisen, weil sie – aus Gründen, die der 7. Oktober 2023 und der 14. Dezember 2025 vor Augen geführt haben –, die Gründung eines palästinensischen Staates ablehnt. Ein Gedankenverbrechen. Damit gefährde sie den »gesellschaftlichen Zusammenhalt«, hieß es aus der Regierung. Juden als Spalter, auch das ist nicht neu.
Der Antisemitismus der Regierung geht einher mit privaten Initiativen zur Ausgrenzung von Juden. Besonders erschütternd war für die jüdische Gemeinde Australiens die »Doxing-Affäre« Anfang 2024. Rund sechshundert australische Juden aus der Kunst- und Kulturszene hatten sich in einer WhatsApp-Gruppe gegen Antisemitismus zusammengeschlossen. Die Schriftstellerin Clementine Ford, die fordert, den Staat Israel aufzulösen, veröffentlichte Namen, Berufe und Chatverläufe und verlinkte die Inhalte am 7. Februar als »durchgesickerten zionistischen Gruppenchat«. Die Schikanen setzten unmittelbar ein; eine Familie schloss ihr Geschäft und tauchte unter, nachdem sie bedroht worden war.
Auch hier wieder: Vordergründig geht es um etwas, das 14.000 Kilometer weit entfernt ist, doch dann werden in Wahrheit die Juden vor der eigenen Haustür bekämpft. Dass sich der Hass eigentlich gegen die Juden im Allgemeinen richtet, wird zwar aus taktischen Gründen oft geleugnet, bricht aber aus Leuten wie Clementine Ford doch heraus, ebenso wie bei Anti-Israel-Demonstrationen in Australien, die pro-israelischen Gegendemonstranten zuriefen: »Geht zurück nach Deutschland, geht zurück nach Polen!« – Ihr gehört nach Dachau oder Auschwitz, heißt das im Klartext.
Wiederkehrendes Muster
Das ist ein Muster, das sich seit Jahrzehnten wiederholt. In Israel ermorden Antisemiten Zivilisten; der israelische Staat wehrt sich; westliche Regierungen machen Israel für die Gewalt verantwortlich und wiegeln den Mob im eigenen Land noch weiter auf. Und dann fließt auch dort jüdisches Blut. Das passierte in Frankreich, in Belgien, jetzt in Australien. Australiens Regierung hat im vergangenen September den »Staat Palästina« anerkannt. Der Hamas wird der rote Teppich ausgerollt, während israelische Politikerinnen nicht nach Australien einreisen dürfen, weil sie eine angebliche Gefahr für die Sicherheit sind.
Es gibt im Antisemitismus eine Art Pluralismus: Erlaubt ist, was gefällt, solange die Opfer Juden sind. Links, rechts, islamisch, atheistisch – egal. Die Täter des heurigen 14. Dezember haben dem Islamischen Staat die Treue geschworen, heißt es. Frühere antisemitische Anschläge hat Australiens Regierung auf den Iran zurückgeführt. Die Regierung selbst und die Grünen schüren den Antisemitismus ebenso wie Neonazis, die es in Australien auch gibt. Das ist die einzige Gemeinsamkeit der genannten Gruppen. Aber dabei ziehen sie am selben Strang.
Der Terror von Bondi Beach sendet das Signal, dass die »Globalisierung der Intifada« im Gange ist. Überall auf der Welt werden Juden gehasst und getötet, weil sie Juden sind. Man kann die antisemitischen Monster aller Couleurs nicht beschwichtigen, nicht mit ihnen verhandeln, und sie werden auch nicht friedlich, wenn man ihnen eine Botschaft errichtet. Jüdisches Leben in Sicherheit ist nur in und mit einem starken Israel möglich. Und eben deshalb wollen die Judenhasser Israel auf alle möglichen Arten schwächen: militärisch, politisch, moralisch, ökonomisch, durch Klagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof etc. Die Auslöschung jüdischen Lebens ist das Ziel.
Am 16. Mai 2026 werden die Antisemiten vor der Wiener Stadthalle gegen die israelische Teilnahme am Eurovision Song Contest demonstrieren, das lässt sich absehen. Wahrscheinlich wird Israels Vertreter – oder Vertreterin – auch in der Halle ausgebuht und ausgepfiffen werden. Das bedeutet nicht: »Uns gefällt dein Gesang nicht«, sondern, »wir wünschten, du wärst tot«. Die Boykottkampagne gegen Israel und das Massaker am Bondi Beach sind zwei Seiten derselben Medaille.
— Mena-Watch (@MENA_WATCH) December 15, 2025






