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Israelboykott-Bewegung BDS: „Sing nicht mit Juden!“

Wird boykottiert, weil sie jüdische Israelin ist: Neta Elkayam
Wird boykottiert, weil sie jüdische Israelin ist: Neta Elkayam (Quelle: עמית חי כהן / CC BY-SA 3.0, © Imago Images / ZUMA Press)

Weil sie nicht bei einem Musikfestival auftreten wollen, bei dem auch eine jüdische Israelin singt, haben vier palästinensische Künstler ihre Teilnahme an der von einem prominenten arabischen Kulturinstitut in Frankreich ausgetragenen Veranstaltung abgesagt. Das berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz.

Das Festival Arabofolies wird vom Pariser Institut du Monde Arabe (IMA) organisiert und findet alle vier Monate statt, im Frühjahr, Frühsommer und Herbst. Jeweils zehn Tage lang gibt es zu einem bestimmten Thema sechs oder sieben Konzerte, eine Podiumsdiskussion, zwei Lesungen und eine Filmvorführung.

In diesem Trimester läuft das Festival vom 3. bis 12. Dezember. Auftreten wird auch Neta Elkayam, eine bekannte marokkanischstämmige Sängerin aus Israel, der die New York Times im Frühjahr ein ausführliches Porträt widmete. Elkayams Großeltern väterlicherseits waren Amazigh (die umgangssprachlich oft als „Berber“ bezeichnet werden) aus Tinghir, einer Oasenstadt im marokkanischen Atlas-Gebirge.

Über die Bedeutung des marokkanischen Erbes sagt Elkayam:

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„Marokkanische Musik gibt es nicht nur in Marokko. Die marokkanische jüdische Gemeinde hat wunderbare Traditionen nach Israel gebracht. Unsere Großmütter sprachen den marokkanischen Dialekt.

Bei Hochzeiten und Feiern ist marokkanische Musik sehr präsent. In den Tempeln werden unsere Rituale auf marokkanische Weise durchgeführt. Wir leben jeden Tag in Marokko, auch wenn wir weit von diesem geliebten Land entfernt sind.“

Auf der Bühne wird Elkayam von ihrem Ehemann, dem Musiker und Filmemacher Amit Hai Cohen, am Klavier begleitet. Auch seine Großeltern stammen aus Marokko, aus der Stadt Ouarzazate, etwas mehr als zwei Autostunden von Tinghir entfernt.

„Gegen kulturelle Ausbeutung durch Siedlerzionismus«

Der antisemitischen BDS-Kampagne, die den Staat Israel durch einen Boykott von Menschen und Waren zerstören will, passt es nicht, dass Frau Elkayam in Paris singt und Herr Cohen Klavier spielt. Der Hisbollah-nahe libanesische Fernsehsender Al-Mayadeen English berichtete am 29. November:

„In Ablehnung von Versuchen der Normalisierung und auf die Ankündigung der Beteiligung einer israelischen Band bei der Veranstaltung hin hat die Boykottbewegung alle Teilnehmer gedrängt, zu verlangen, dass die Einladung der israelischen Band widerrufen wird.

Etliche Künstler, darunter Sänger und Filmemacher, sagten ihre Teilnahme als Folge der Kampagne ab. Zudem wurden in den sozialen Medien Hashtags benutzt, die die Boykottkampagne unterstützten.“

Als Künstler, die infolge des Boykottaufrufs ihre Teilnahme abgesagt haben, nennt der Haaretz-Bericht den Stand-up-Komiker Alaa Abu Diab sowie die lediglich als „Künstler“ vorgestellten Suhad Khatib, Jumana Manna und Hadil Alsafadi. Khatib sagte laut Haaretz in einer Videobotschaft:

„In dem Moment, als ich begriff, dass es einen Vertreter aus Israel gibt, wurde ich sehr wütend, weil dies gegen meine persönlichen und politischen Werte verstößt, und ich informierte die Organisatoren, dass ich meine Teilnahme absagte.“

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Auf Facebook schreibt Khatib in einem Eintrag vom 24. November:

„Mein Problem ist, dass palästinensische Kunst ausgebeutet wird, um einen Teil der arabischen Welt an den Siedlerzionismus zu verkaufen.«

Das ergibt zwar keinen Sinn, aber ideologische Schlagwörter wie „palästinensisch“ „Ausbeutung“ und „Siedlerzionismus“ kommen vor, darauf kommt es offenbar an.

Khatib lebt laut ihrer Website in San Francisco, Kalifornien, und verkauft Tintenaquarelle über das Internet. Ein wiederkehrendes Motiv in ihrer Kunst sind Kalaschnikowläufe. So etwa bei ihren Porträts des Terroristen Basil Araj (1.000 US$) oder der PFLP-Terroristin Shadia Abu Ghazaleh (1.000 US$), die 1968 beim Bauen eines Sprengsatzes ums Leben kam.

Ein Aquarell mit dem Titel „Gläubige“ (2.000 US$) zeigt eine Gruppe vermummter Männer im Inneren der Al-Aqsa-Moschee. Gesichtsvermummung gehört eigentlich nicht zum Gebet der Muslime. Man fragt sich, warum jemand wie Suhad Khatib überhaupt zu einem Kulturfestival in Paris eingeladen wird – eine Waffenmesse in Teheran wäre wohl der besser geeignete Ort.

Musik, um Grenzen zu überwinden

Die israelische Sängerin Neta Elkayam sagte gegenüber Haaretz, sie fühle sich zu ihrer Muttersprache – dem Arabischen – hingezogen, solange sie denken könne:

„Die Stimmen meiner Großmütter wurden zum Schweigen gebracht, und sie blieben einfache marokkanische jüdische Frauen, die bis an ihr Lebensende fließend Arabisch und gebrochenes Hebräisch sprachen.

Ihre Geschichte, die in meiner Stimme weitergegeben wird, stillt den Durst des Publikums aus der ganzen Welt, vor allem aus der arabischen und muslimischen Welt. Jeder hört seine Mutter in den Liedern. Dies ist ein Publikum, das die Musik in den sozialen Medien hört und sich begeistert, mitmacht und nach mehr fragt, frei von Ländern und Flaggen.“

Kunst und Musik hätten die „erstaunliche Kraft, geopolitische Grenzen zu überwinden“, die den Menschen „einheitliche Identitäten ohne Komplexität“ diktieren wollten, so Elkayam weiter.

„Während Regierungen und Organisationen versuchen, Wissen zu reglementieren und ein Narrativ zu verbreiten, habe ich mich immer für diejenigen interessiert, die außerhalb der Geschichtsbücher stehen.

Gerade an einem kriegerischen Ort, der uns täglich Tragödien beschert, ist dies die Zeit, die Stimme meiner Großmütter widerhallen zu lassen, als Erinnerung an andere, unschuldigere Leben. Dies ist der Weg meines kleinen Ichs, eine bessere Welt für meine Kinder und die Kinder dieses Ortes zu schaffen.“

Der Boykott wirft die Frage auf, wie die künftige deutsche Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90 / Grüne) reagiert hätte. Roth hatte sich 2019 schützend vor die BDS-Kampagne gestellt: Diese setze sich ja lediglich „gewaltfrei für ein Ende der völkerrechtswidrigen Besetzung“ ein und dürfe nicht „pauschal“ „in die antisemitische Ecke gestellt“ werden.

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