Am 11. Mai veröffentlichte die New York Times einen Artikel, in dem behauptet wird, israelisches Wachpersonal bilde Hunde dazu aus, palästinensische Gefangene sexuell zu missbrauchen.
Israels Premierminister Netanjahu und Außenminister Gideon Sa’ar kündigten am Donnerstag die Einleitung eines Gerichtsverfahrens gegen die New York Times (NYT) an, weil diese »eine der abscheulichsten und verdrehtesten Lügen, die jemals gegen den Staat Israel veröffentlicht wurden«, gedruckt habe. Am 11. Mai veröffentlichte die NYT einen Artikel des Kolumnisten Nicholas Kristof, in dem Palästinenser zitiert wurden, die Israel »weit verbreitete sexuelle Gewalt gegen Männer, Frauen und sogar Kinder« vorwarfen. Diese sei von Soldaten der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), Siedlern, Verhörbeamten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet und vor allem von Gefängniswärtern begangen worden, hieß es in Kristofs Text.
»Heute habe ich meine Rechtsberater angewiesen, die härtesten rechtlichen Schritte gegen The New York Times und Nicholas Kristof zu prüfen«, twitterte Netanjahu am Donnerstag. »Sie haben die Soldaten Israels diffamiert und eine Verleumdungskampagne über Vergewaltigung verbreitet, um eine falsche Symmetrie zwischen den genozidalen Terroristen der Hamas und den tapferen Soldaten Israels herzustellen. Unter meiner Führung wird Israel nicht schweigen. Wir werden diese Lügen vor dem Gericht der öffentlichen Meinung und vor Gericht bekämpfen. Die Wahrheit wird siegen.«
Mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht
Kristof hat die Quellen nicht auf ihre Richtigkeit überprüft oder ihre Zuverlässigkeit hinterfragt. So zitiert er etwa einen Bericht von Euro-Med, einer in Genf ansässigen Organisation, die Israel vorwirft, »systematische sexuelle Gewalt« anzuwenden, die »im Rahmen einer organisierten staatlichen Politik weit verbreitet« sei. Die in Jerusalem ansässige Organisation NGO Monitor stellte fest, dass zentrale Mitglieder von Euro-Med Verbindungen zur Hamas haben. So tauchte beispielsweise Ramy Abdu, Gründer und Vorsitzender von Euro-Med, auf einer 2013 von Israel veröffentlichten Liste der »wichtigsten Akteure und Institutionen« der Hamas in Europa auf.
Kristof zitierte auch das Komitee zum Schutz von Journalisten, das er als »eine angesehene amerikanische Organisation« bezeichnet. Im Jahr 2024 machte der investigative Journalist David Collier öffentlich, wie die Organisation in einem Bericht, in dem Israel vorgeworfen wurde, Journalisten in Gaza ins Visier zu nehmen, Hamas-Propaganda wiedergekäut hatte.
Kristof schien alle ihm gegenüber artikulierten Anschuldigungen ungeprüft für bare Münze zu nehmen. »Unsere amerikanischen Steuergelder subventionieren das israelische Sicherheitsestablishment, daher handelt es sich hier um sexuelle Gewalt, an der die Vereinigten Staaten mitschuldig sind«, schrieb er. Auch die Sde-Teiman-Affäre behandelte er als einen Fall von Vertuschung. Im Zuge der Affäre wurden im Jahr 2025 fünf IDF-Reservisten, die in einer für Hochrisikohäftlinge zuständigen Einheit der Militärpolizei dienten, wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs eines palästinensischen Häftlings angeklagt. Das Verfahren wurde eingestellt und die Reservisten wurden wieder in den Dienst aufgenommen.
Dabei verschwieg Kristof seiner Leserschaft das Gutachten von Professor Alon Pikarsky, Direktor der Allgemeinchirurgie am Hadassah-Universitätsklinikum in Jerusalem und Facharzt für Allgemeinchirurgie mit Spezialisierung auf Kolorektalchirurgie.
In dem Gutachten hieß es, dass das Fehlen von Verletzungen am Anus des Terroristen darauf hindeute, dass er sich die Wunde selbst zugefügt habe. »Gerade das selbstständige Einführen eines Fremdkörpers, das auch einen Riss im Rektum verursachen kann, ruft keine Schäden am Anus selbst hervor, da der Einführende (der Patient) für ein sanftes und nichttraumatisches Einführen des Fremdkörpers sorgt. Die mir zur Verfügung gestellten medizinischen Unterlagen (Krankenhausunterlagen sowie ein Computer-Screenshot von Dr. Muhammad Melhem vom 8. Juli 2024), die keine Verletzungen am Anus erkennen lassen, stützen die These der Selbsteinführung und nicht die eines Eingriffs durch eine externe Person.«
Die absurdeste Beschuldigung in Kristofs Artikel ist die Behauptung, israelisches Wachpersonal bilde Hunde dazu aus, palästinensische Gefangene sexuell zu missbrauchen. Der Artikel löste denn auch scharfe Kritik von Analysten, Wissenschaftlern und ehemaligen Beamten aus, die dem NYT-Autor vorwarfen, sich auf haltlose Behauptungen und hetzerische Rhetorik zu stützen sowie Propaganda zu verbreiten.






