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Erschließung gemeinsamer Gasvorkommen vor Gaza?

Bau einer Gaspipeline durch Israel Natural Gas Lines
Bau einer Gaspipeline durch Israel Natural Gas Lines (Quelle: JNS)

Berichten zufolge verhandeln israelische Beamte mit palästinensischen Partnern über die mögliche Erschließung von Erdgasfeldern vor der Küste des Gazastreifens.

Auf israelischer Seite würden die Gespräche vom nationalen Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi, dem IDF-Verbindungsmann zu den Palästinensern und Generalmajor Ghassan Alian mit Zustimmung des Premierministers geführt, wie der israelische Sender Channel 13 berichtet. Bei den Verhandlungen geht es um die Felder Marine 1 und 2, die etwa 30 Kilometer vor der Küste des Gazastreifens liegen.

Die Angelegenheit wurde Berichten zufolge während der israelisch-palästinensischen Gipfeltreffen in Aqaba in Jordanien und Sharm el-Sheikh in Ägypten im Februar bzw. März angesprochen. Nach der Konferenz in Sharm el-Sheikh veröffentlichten die Parteien ein gemeinsames Kommuniqué, in dem sie zusagten, »die notwendigen Schritte zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der palästinensischen Bevölkerung« zu unternehmen, um »die Finanzlage der Palästinensischen Autonomiebehörde erheblich zu verbessern«.

Das Thema war im Laufe der Jahre immer wieder diskutiert worden, und der damalige israelische Premierminister Yair Lapid genehmigte einen Tag vor den bislang letzten Wahlen am 1. November eine vorläufige Vereinbarung zwischen israelischen, ägyptischen und palästinensischen Beamten, um die Ressourcen zu erschließen.

In einem Interview mit Channel 13 bestätigte Hanegbi seine Beteiligung an den Gesprächen, betonte aber, es werde keinen Fortschritt »in Bezug auf die Entwicklung der Infrastruktur« im Gazastreifen geben, solange die Hamas nicht die Leichen der IDF-Soldaten Oren Shaul und Hadar Goldin zurückgibt, die während des Kriegs zwischen Israel und der Hamas im Jahr 2014 im Gazastreifen getötet wurden. Außerdem hält die Hamas derzeit die Israelis Avera Mengistu und Hisham al-Sayed als Geiseln fest, die beide an psychischen Erkrankungen leiden und vor fast zehn Jahren aus eigenem Antrieb in den Gazastreifen eingereist waren.

Man könne reden und planen, damit die Palästinenser den Preis des Verlusts verstehen, der entstehe, sollten sie die Geiseln nicht herausgeben, sagte Hanegbi: »Es geht nicht nur um das Gas, sondern auch um die Infrastruktur, mit der die ganze Welt bereit ist, den Gazastreifen zu unterstützen. Wir werden das allerdings nicht zulassen, solange die Geiseln nicht zurück sind.«

Zusammenarbeit mit Ägypten

Ein Hindernis für die Israelis ist, dass die Palästinensische Autonomiebehörde nicht als Staat anerkannt ist, der rechtlich befugt ist, die Gasvorkommen zu erschließen. Eine mögliche Lösung wäre, dass Ägypten das Projekt sponsert, weshalb Jerusalem mit Kairo Gespräche über das Unternehmen geführt hat.

Währenddessen genehmigte das israelische Kabinett vor Kurzem ein 226 Mio. Euro teures Projekt zur Ausweitung der Erdgasexporte nach Ägypten. Eine 65 Kilometer lange Pipeline wird entlang einer Strecke zwischen Ramat Hovav südlich von Beersheva und Nitzana nahe der Sinai-Grenze über Ashalim gebaut werden, sodass jedes Jahr zusätzliche sechs Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Ägypten exportiert werden können.

Der Verkauf des zusätzlichen Gases soll Israel Natural Gas Lines jährliche Einnahmen in der Höhe von 50 Mio. Euro und der Regierung dementsprechende Summen an Lizenzgebühren und Steuern einbringen. Die Leitung wird von Nativ gebaut, einem staatlichen Unternehmen, das für das Gassystem in ganz Israel zuständig ist.

Die jetzt getroffene Entscheidung erhöhe »das Potenzial für eine Zusammenarbeit zwischen Israel und Ägypten im Bereich Erdgas und bereitet weitere Entscheidungen über Exporte vor, die bald getroffen werden müssen«, sagte Israels Minister für Energie und Infrastruktur, Israel Katz. »Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern wird die Wirtschaft stärken, das Wohlergehen der israelischen Bürger fördern und die regionale Stabilität stärken.« Darüber hinaus werde er sich »weiterhin für den Ausbau der gegenseitigen Beziehungen in den Bereichen Erdgas, erneuerbare Energien, Wasserstoff und Energiespeicherung einsetzen«, so der Minister weiter.

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