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Der israelische Antiterrorkampf ist erfolgreich, aber Sorgen bleiben bestehen

Begräbnis eines der bei dem israelischen Antiterroreinsatz in Nablus getöteten palästinensischen Terroristen. (© imago images/ZUMA Wire)
Begräbnis eines der bei dem israelischen Antiterroreinsatz in Nablus getöteten palästinensischen Terroristen. (© imago images/ZUMA Wire)

Aktuell gelingt es den israelischen Sicherheitsbehörden, den palästinensischen Terror unter Kontrolle zu halten. Aber was geschieht nach dem Abgang von Abbas?

(Vorbemerkung: In Medien hierzulande finden sich zu Einsätzen wie dem hier beschriebenen oft nur Kurzmeldungen, meist mit Überschriften wie »Zwei Palästinenser von israelischer Armee erschossen«, gelegentlich noch versehen mit Statements von palästinensischen Behörden, die über israelische »Verbrechen« klagen und ihre »Märtyrer« bejubeln. Der folgende Artikel beschreibt einen solchen Antiterroreinsatz aus einer israelischen Perspektive.)

Yoav Limor

Eine Operation am frühen Sonntagmorgen vor einer Woche, bei der zwei bewaffnete Palästinenser getötet und neun verwundet wurden, war Teil der intensiven laufenden Aktivitäten der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in Judäa und Samaria. Dennoch handelte es sich um ein besonders gewalttätiges Ereignis, bei dem ein Teil des Hauses, in dem sich die Terroristen versteckt hielten, zerstört und eine beträchtliche Anzahl von Waffen beschlagnahmt wurde, von denen einige zur Durchführung von Terroranschlägen in Samaria verwendet worden waren.

Die Operation, die in der Kasbah (der alten Zitadelle) von Nablus stattfand, war eine der kompliziertesten Operationen der letzten Jahre in diesem Gebiet. Das Haus, in dem sich die Terroristen versteckt hielten, lag in einem Viertel mit engen, überfüllten Gassen, die es den israelischen Streitkräften schwer machten, ihr Ziel zu erreichen. Nach den vorläufigen Informationen des Sicherheitsdienstes Shin Bet war klar, dass sich in dem Haus zahlreiche Waffen befanden, sodass die Operation in die Hände der Spezialeinheit der israelischen Polizei zur Terrorismusbekämpfung gelegt wurde, die auf Operationen dieser Art spezialisiert ist. Die Mitarbeiter der Antiterroreinheit arbeiteten mit Aufklärungssoldaten der Givati-Brigade zusammen, die das Gebiet absperrten, um das Entkommen von Flüchtigen und das Hinzukommen weiterer Terroristen zu verhindern.

Nachdem das Haus umstellt war, forderten die Streitkräfte die Flüchtigen auf, herauszukommen. Die Terroristen begannen zu schießen, woraufhin die israelischen Streitkräfte das »Schnellkochtopf«-Protokoll einführten, indem sie einige Raketen auf das Haus abfeuerten und später einen Teil des Gebäudes mit einem Bulldozer zerstörten. Das Gefecht dauerte mehr als drei Stunden, Schusswechsel ereigneten sich auch in anderen Teilen der Kasbah. Palästinensischen Berichten zufolge wurden zwei der Terroristen getötet, aber Israel geht davon aus, dass die Zahl höher ist. Nach Abschluss der Operation wurden alle Waffen im Haus beschlagnahmt, auch die, mit denen während der Razzia geschossen worden war.

Früher Hamas und Islamischer Dschihad, heute die Tanzim der Fatah

Der Einsatz richtete sich hauptsächlich gegen Mitglieder der Tanzim, des bewaffneten Flügels der Fatah-Partei von Palästinenserchef Mahmud Abbas. Einige von ihnen waren in jüngster Zeit in Schießereien verwickelt. Seit Anfang 2022 haben die Gewalt und die terroristischen Aktivitäten in Nordsamaria stark zugenommen, über 75 Prozent aller Anschläge werden von Terroristen aus diesem Gebiet verübt.

Während in der Vergangenheit die meisten aktiven Terroristen der Hamas und dem Palästinensischen Islamischen Dschihad angehörten, kam es in den letzten Monaten zu einem sprunghaften Anstieg von Terroranschlägen durch Tanzim-Mitglieder.

Israel geht davon aus, dass diese Aktivitäten nicht von oben gesteuert werden und dass Abbas und die palästinensischen Sicherheitsdienste sie sogar ablehnen, weil sie befürchten, sie könnten sich früher oder später gegen sie wenden. Sie sind jedoch kaum gewillt, ihnen Einhalt zu gebieten, und die lokalen Terroristen nutzen dies aus, um ihre Macht in dem Gebiet zu vergrößern. Manchmal sind auch andere Elemente, wie Kriminelle, beteiligt.

Seit der Welle von Terroranschlägen im März und April dieses Jahres haben die israelische Armee (die IDF) und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet die Verhaftungen in Judäa und Samaria verstärkt. Jede Nacht werden im Rahmen der Operation »Breakwater« einige Festnahmen durchgeführt, doch der Einsatz in Nablus war in Bezug auf das Ausmaß der Gewalt, den er mit sich brachte, ungewöhnlich. Sicherheitsbeamte erklärten, dass die relativ frühe Ankunft in der Kasbah in Verbindung mit der vergleichsweisen harten Reaktion auf die Schüsse auf die israelischen Streitkräfte den Palästinensern deutlich machen sollte, dass die IDF nicht davor zurückschrecken, an jedem Ort und zu jeder Zeit in Judäa und Samaria [dem gesamten Westjordanland] zu handeln.

»Die Idee ist, sie in die Flucht zu schlagen. Ihnen ihren sicheren Ort, ihr Zuhause, zu nehmen und es für sie und die Menschen, die sie verstecken, unsicher zu machen«, erklärte ein Militärvertreter.

Am Sonntag kursierten Gerüchte, dass es sich bei dem Ziel der Operation in Nablus um Ibrahim al-Nablusi handelte, einem Mitglied einer Terrorzelle, die die Antiterroreinheiten der Polizei im vergangenen Februar in einem ebenfalls ungewöhnlich gewalttätigen Einsatz zerschlagen hatten. Drei Terroristen, die an einer Reihe von Schießereien gegen IDF-Kräfte in Samaria beteiligt waren, wurden tödlich getroffen. Seitdem hat sich al-Nablusi in der Kasbah versteckt und ist unter der Tanzim-Jugend zu einem Lokalhelden geworden. Sowohl die IDF als auch der Shin Bet bestritten allerdings, dass er das Ziel des Einsatzes in Nablus gewesen sei.

Was geschieht, wenn Mahmud Abbas abtritt?

Unterdessen führt der israelische Sicherheitsapparat die jüngste relative Ruhe auf seine intensiven, meist nächtlichen Aktivitäten in Judäa und Samaria zurück. Ein weiterer Grund ist der verstärkte Einsatz von Kräften entlang der Grenzlinie, der es Palästinensern ohne Papiere erschwert, nach Israel einzusickern. Beamte erklärten, dass angesichts der dennoch unvermindert hohen Zahl an Warnungen und Terroranschlägen mit weiteren Verhaftungen zu rechnen sei. Die Antiterroreinsätze waren kurz vor dem Besuch von US-Präsident Joe Biden unterbrochen und nach Bidens Abreise aus dem Nahen Osten wieder aufgenommen worden.

Die starken terroristischen Aktivitäten, die seit Anfang des Jahres andauern, sind für Israel Anlass zu großer Sorge, nicht zuletzt wegen der Schwierigkeiten der Palästinensischen Autonomiebehörde bei der Regierung ihrer Gebiete. All dies könnte sich nach dem Tod von Abbas noch verstärken. Abbas hat Hussein al-Sheikh zu seinem Nachfolger bestimmt und ihn in diesem Jahr zum Vorsitzenden des PLO-Exekutivkomitees ernannt, aber es ist unwahrscheinlich, dass es al-Sheikh gelingen wird, alle palästinensischen Fraktionen hinter sich zu vereinen.

Israel hat begonnen, sich auf das besorgniserregende Szenario der Nachfolge von Abbas vorzubereiten. Die meiste Aufmerksamkeit gilt der Hamas, die immer wieder versucht, von Judäa und Samaria ausgehend Terroranschläge zu verüben, bisher dank der Arbeit des Shin Bet ohne Erfolg. Diese Misserfolge sind einer der Gründe dafür, dass die Hamas sich vermehrt darum bemüht, in Flüchtlingslagern im Libanon militärische Zellen aufzubauen. Diese Bemühungen werden von Salah al-Arouri überwacht, der auch für viele der Versuche verantwortlich ist, Terrorzellen in Judäa und Samaria zu rekrutieren.

(Yoav Limor ist erfahrener Journalist in Sachen Verteidigungsfragen. Der Artikel ist auf Englisch vom Jewish News Syndicate veröffentlicht worden. Übersetzung von Florian Markl.)

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