Islamisten kämpfen für Erdogan

 

Erdogan setzt bei der Militäroffensive im Nordosten Syriens auf islamistische Milizen. Diese haben bereits beim Angriff auf Afrin im Jahr 2018 Kriegsverbrechen und Vertreibungen begangen.

Islamistische Milizen an der Seite Erdogans (Quelle: Twitter @TSKGnkur)

„14 000 Kämpfer der sogenannten Nationalen Syrische Armee sind in den Tagen vor Beginn der Offensive in die südtürkischen Grenzstädte Akcakale sowie Ceylanpinar verlegt worden; Tausende weitere Kämpfer warten in Nordsyrien auf ihren Einsatzbefehl. Gemeinsam mit 6000 türkischen Elitesoldaten bilden diese Einheiten die Speerspitze der Bodenoffensive. Als der erste Konvoi mit zwanzig gepanzerten Fahrzeugen, voll besetzt mit Rebellenkämpfern, die syrische Grenze überquerte, schwenkten die Milizionäre die Flagge der syrischen Opposition, machten das Victory-Zeichen und riefen: ‚Allah ist groß!‘ (…)

Die einstigen syrischen Rebellen sind berüchtigt. ‚Wir fürchten den Einmarsch dieser Söldner der Türkei mehr als die Bomben‘, erzählt Rashwan Nabo in Kobane: ‚Wir wissen, was diese Milizen in Afrin verbrochen haben: Sie raubten, mordeten, folterten.‘ Ein Video vom 12. Oktober betätigt Nabos Furcht. Es zeigt, wie syrisch-arabische Kämpfer zwei gefangene Kurden auf einer Landstrasse nahe Tell Abiad erschießen.

Beim türkischen Angriff auf Afrin vor einem Jahr starben 500 Zivilisten. 300 000 Menschen wurden vertrieben. Seither führen diese arabischen und zum Teil turkmenischen Milizen ein regelrechtes Schreckensregime in dem Gebiet. Vor allem den beiden grössten Milizen, den Hamza-Brigaden und der radikal-islamistischen Gruppe Ahrar al-Sharqiya, werden massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Ein im Februar veröffentlichter Bericht der Uno-Untersuchungskommission für Syrien bestätigte die Vorwürfe aus der Bevölkerung. (…)

Als am 4. Oktober formal der Zusammenschluss der Rebellenmilizen zu dieser Syrischen Nationalen Armee unter türkischem Patronat gefeiert wurde, sagte Abdurrahman Mustafa, derzeit Chef der syrischen Oppositionsregierung und formal der Führer dieser Rebellenarmee: ‚Wir schwören, den Kampf gegen die kurdischen Agenten des Westens in Syrien aufzunehmen.‘ Erdogan ist sich der Loyalität dieser Syrer sicher.“ (Petra Ramsauer, NZZ am Sonntag: „Die syrischen Rebellen kämpften einst für ihre Freiheit. Heute werden sie mehr gefürchtet als Erdogans Bomben“)

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