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Palästinensischer Islamischer Dschihad: Der Stoßtrupp des Irans (Teil 1)

Parade des Palästinensischen Islamischen Dschihad in Gaza
Parade des Palästinensischen Islamischen Dschihad in Gaza (© Imago Images / SOPA)

Für den Palästinensischen Islamischen Dschihad ist der bewaffnete Kampf das Zentrum seiner Identität, verbunden mit dem unumstößlichen Ziel, den Staat Israel zu zerstören.

Jan Kapusnak

Der Iran baute seine regionale »Achse des Widerstands« auf der Annahme auf, dass er Israel mit Stellvertretern einkreisen, bei Bedarf mehrere Fronten entzünden und das Regime in Teheran zugleich weitgehend von den Kosten einer solchen Eskalation abschirmen könne. Über Jahre hinweg schien diese Architektur tragfähig.

Die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) dienten als im Gazastreifen stationierte Stoßtruppen; die libanesische Hisbollah fungierte als wichtigste Speerspitze; die Huthi im Jemen übernahmen die Rolle maritimer Störer. Irakische Milizen lieferten eine Raketen- und Drohnenkapazität, die der Iran plausibel abstreiten konnte; und die Quds-Brigaden der Revolutionsgarde unterhielten ein globales Netzwerk, das auf Einschüchterung, Überwachung und – wenn nötig – Terroranschläge gegen iranische Dissidenten sowie gegen jüdische, israelische und amerikanische Interessen und Menschenleben weltweit ausgerichtet war.

Seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 ist es Israel jedoch gelungen, dieses Ökosystem des Terrors sichtbar zu schwächen, auch wenn es weiterhin erheblichen Schaden anrichten kann.

Während der gegenwärtigen gemeinsamen US-israelischen Operation gegen die Islamische Republik richtete sich die meiste analytische Aufmerksamkeit auf die Hisbollah, die nach der Tötung von Irans Oberstem Führer Ali Khamenei in den Krieg eintrat. Auch andere Knotenpunkte geraten in den Blick, doch der Palästinensische Islamische Dschihad bleibt oft eine Fußnote, obwohl er gemeinhin als zweitgrößte militante Organisation des Gazastreifens nach der Hamas gilt. Während die Fähigkeiten des PIJ im Gazastreifen stark geschwächt wurden, könnte sein Störpotenzial zunehmend im Westjordanland liegen, wo er in lokale Terrornetzwerke investiert hat und die Eskalation anheizen kann, ohne eine Konfrontation von Gaza aus neu entfachen zu müssen.

PIJ-Generalsekretär Ziyad al-Nakhalah hat wiederholte Attentatsversuche überlebt und ragt nun als eine der wenigen langgedienten Figuren der »Widerstandsachse« heraus, die noch im Amt sind. Das besondere Profil des Islamischen Dschihads – ideologische Starrheit, Abhängigkeit von externer Patronage und die Bereitschaft zur Eskalation ohne die Lasten von Regierungsverantwortung – prägt, wozu er unter dem heutigen strategischen Druck noch fähig ist. Das gegenwärtige Verhalten des PIJ ist nicht von der Organisation zu trennen, zu der er im Laufe von fast fünf Jahrzehnten geworden ist. Um zu verstehen, was er heute noch leisten kann, hilft es, mit seiner ursprünglichen Funktionsweise zu beginnen.

Ursprünge

Der Palästinensische Islamische Dschihad entstand Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre aus einem kleinen Kreis palästinensischer islamistischer Aktivisten, die sowohl mit den dominierenden säkular-nationalistischen Bewegungen als auch mit dem unzufrieden waren, was sie als gradualistischen, auf Sozialarbeit und Da’wa (Mission) konzentrierten Ansatz der Muslimbruderschaft betrachteten.

Zwei Figuren waren für die Gründung der Bewegung zentral: Fathi Shaqaqi (1951–1995), ein in Gaza geborener Arzt, der in Ägypten studierte und dort mit den Schriften Hassan al-Bannas (Gründer der Muslimbruderschaft) und Sayyid Qutbs (islamistischer Revolutionstheoretiker) vertraut wurde. Er argumentierte, dass die palästinensische Frage nicht durch einen vom Islam abgekoppelten Nationalismus gelöst werden könne und behandelte den »bewaffneten Kampf« als ordnendes Prinzip des politischen Lebens.

Der zweite war Abd al-Aziz Awda (geb. 20. Dezember 1950), ein ebenfalls in Gaza geborener Geistlicher und Organisator, der half, frühe Netzwerke aufzubauen, Kader zu rekrutieren und einer Bewegung religiöse Legitimation zu verschaffen, die sich als militanter, »revolutionärer« und kompromissloser als der mit der Muslimbruderschaft verbundene Islamismus positionierte.

Der entscheidende Katalysator war 1979. In Kairo wurden Shaqaqi und sein Kreis durch die iranische Revolution und deren Versprechen eines militanten, antiwestlichen politischen Islams elektrisiert. Shaqaqi bewunderte Khomeinis Modell und las es als Beweis dafür, dass eine islamische Avantgarde dem Westen – vor allem den Vereinigten Staaten als dem »Großen Satan« – entgegentreten und dieses Modell auf Palästina übertragen könne, wo Israel als der »Kleine Satan« deklariert wurde. Das Ergebnis war eine dauerhafte proiranische Ausrichtung und ein Patronageverhältnis.

Nachdem der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat 1981 vom Ägyptischen Islamischen Jihad ermordet worden war – ein terroristischer Akt, der von der Ablehnung seines Friedensvertrags mit Israel (Camp-David-Abkommen) und seiner engen Bindung an den Westen motiviert war –, zwang die anschließende Repressionswelle dieses Netzwerk ins Exil. Shaqaqi und Awda kehrten in den Gazastreifen zurück und gründeten den PIJ als eigenständige Organisation.

Ideologie des Dschihadismus

Der Palästinensische Islamische Dschihad definiert sein Ziel mit einem maximalen Begriff: die Zerstörung Israels. In seinem Selbstverständnis ist dies keine verhandelbare Präferenz, sondern eine religiöse, in seiner Form des Dschihadismus verwurzelte Überzeugung, wonach die »Befreiung« Palästinas sowohl verpflichtend als auch letztlich gewiss ist.

Die PIJ-Ideologie verbindet Antiimperialismus mit Panislamismus. Israel wird nicht nur als »Besatzer«, sondern auch als »koloniales Instrument westlicher Hegemonie« dargestellt und die Ursprünge des Konflikts auf die Zersplitterung der Region nach dem Ende des Osmanischen Reichs zurückgeführt. Die Demontage Israels wird als Voraussetzung für die Wiederherstellung muslimischer Einheit imaginiert, daher auch die Tendenz des PIJ, sunnitisch-schiitische Gegensätze zugunsten eines gemeinsamen islamischen Ziels herunterzuspielen.

Dieses Weltbild wird durch ein Konzept islamischen Martyriums gestützt, das Verlust in Sinn umdeutet. Der Tod im Kampf wird zur moralischen Siegerpose erhoben. Zerstörung wird zum Beweis der Standhaftigkeit, und was Außenstehende als Niederlage lesen mögen, kann intern als Opfer erzählt werden, das Legitimität stärkt und Entschlossenheit erneuert. In dieser Logik zählt Ausdauer ebenso sehr wie das Resultat auf dem Schlachtfeld. Das Überleben wird nicht nur an gehaltenem Territorium gemessen, sondern auch an der Bereitschaft, den Preis dafür weiterhin zu bezahlen.

Verhandlungen gelten nicht als Weg zu einer Lösung, können aber in Form einer hudna akzeptiert werden: Eines vorübergehenden Waffenstillstands, der in der prophetischen Tradition mit zeitlich begrenzten Waffenruhen verbunden ist und primär als taktische Pause dient, die Reorganisation und Wiederaufrüstung ermöglicht, bevor der Konflikt wieder aufgenommen wird. Im Unterschied zur Hamas, die sich auf Wahlpolitik einließ und stärker gemeindebasiert ist, lehnt der PIJ solch ein Vorgehen ab und hält den bewaffneten Kampf im Zentrum seiner Identität als verschlossene Miliz, die der Gewalt verschrieben ist.

Die Al-Quds-Brigaden

Die operative Identität des Palästinensischen Islamischen Dschihads ist von seinem bewaffneten Arm, den al-Quds-Brigaden (Saraya al-Quds, wobei al-Quds der arabische Name für Jerusalem, »die Heilige Stadt« ist), nicht zu trennen. Die Brigaden wurden 1981 gebildet, formal jedoch erst 1992 etabliert. Sie sind sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland aktiv, mit historischen Hochburgen insbesondere in Dschenin und Hebron sowie gelegentlicher Aktivität im Libanon.

Vor dem 7. Oktober 2023 wurde ihre Stärke auf rund 12.000 Mann geschätzt. Organisatorisch ist Saraya in lokale Brigaden im Gazastreifen (etwa Nord-Gaza, Gaza-Stadt, Zentrallage) und ein breiteres Netz aus Brigaden im Westjordanland gegliedert, darunter unter anderem eine Dschenin-Brigade. Ihre Taktiken reichten von Selbstmordanschlägen und Schussattacken bis hin zu Raketen- und Mörserbeschuss. Dieses sich wandelnde taktische Spektrum spiegelt eine konstante Logik asymmetrischer Kriegsführung wider: Der Palästinensische Islamische Dschihad geht davon aus, Israels konventioneller Militärmacht nicht gewachsen zu sein und sucht deshalb nach Gewaltformen, die Angst, Störung und Opfer bei relativ geringen Kosten erzeugen.

Der Islamische Dschihad begann seine bewaffneten Operationen gegen den jüdischen Staat im August 1983 mit der Ermordung eines Jeschiwa-Studenten in Hebron und verübte weitere Anschläge während der ersten Intifada (1987 bis 1993). 1988 verbannte Israel die PIJ-Führung im Rahmen einer Antiterrorkampagne in den Libanon – ein Schritt, der sich letztlich als kontraproduktiv erwies, da das Exil prägend wurde.

Die Bewegung erhielt ihre Ausbildung durch die iranische Islamische Revolutionsgarde (IRGC) und die Hisbollah in der libanesischen Bekaa-Ebene, während sich ihre Beziehung zum Iran von ideologischer Nähe zu operativer Infrastruktur wandelte: Finanzierung, Waffenzugänge und strategische Ausrichtung. Oft wird sie auch als erste palästinensische Gruppe genannt, die den Selbstmordterrorismus übernahm – ein operatives Muster, das sie später mit der Hisbollah gegen Israel teilte –, beginnend mit dem Anschlag auf den Egged-Bus 405 zwischen Tel Aviv und Jerusalem Jahr 1989, auch wenn der Täter überlebte.

Die Ära Fathi Shaqaqi

Bis ins Jahr 1990 hatte der Palästinensische Islamische Dschihad sein externes Hauptquartier vom Libanon nach Damaskus in Syrien verlegt und dabei Kanäle nach Beirut, Teheran und andere regionale Zentren aufrechterhalten. Unter der Führung Fathi Shaqaqis vertiefte die Gruppe ihre Beziehungen zur Hisbollah und stärkte zugleich ihren Schutz durch das Syrien des damaligen Präsidenten Hafez al-Assad. 1991 lud der Iran den PIJ und die Hamas zu einer Konferenz des Internationalen Komitees zur Unterstützung der palästinensischen Intifada ein, während Teheran zugleich versuchte, der im selben Jahr einberufenen Madrider Friedenskonferenz zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts entgegenzuwirken.

Im Unterschied zur Hamas baute der Islamische Staat historisch nicht dasselbe breite Netz sozialer Dienste wie Schulen, Kliniken oder Wohlfahrtseinrichtungen auf, durch das die Hamas breite öffentliche Unterstützung gewann. Doch Shaqaqis persönliche Ausstrahlung, verbunden mit seiner Fähigkeit, Gönner an sich zu binden und einen engen militanten Kern zusammenzuhalten, verschaffte dem PIJ einen Einfluss, der seine Größe überstieg.

Diese Zentralität machte ihn zugleich zu einem vorrangigen Ziel. Am 26. Oktober 1995 wurde Shaqaqi in Sliema auf Malta erschossen, vor dem Diplomat Hotel, kurz nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Libyen, wo er zusätzliche Finanzierung von Muammar al-Gaddafi gesucht hatte. Der Anschlag wurde weithin dem israelischen Geheimdienst Mossad zugeschrieben. Seitdem begeht Iran in Teheran Gedenkzeremonien für Shaqaqi und stellt ihn als »Märtyrer« des »Widerstands« dar.

Innerhalb des PIJ führte das Attentat zu Unordnung: Die Bewegung verlor ihr bekanntestes Gesicht in einem Moment, in dem es ihr noch an institutioneller Tiefe mangelte und sie ohnehin bereits unter einem weiteren schweren Schlag litt, nämlich der Tötung von Mahmoud Arafat al-Khawaja (Abu Arafat) im selben Jahr in Gaza-Stadt. Al-Khawaja war ein ranghoher Kommandeur der al-Quds-Brigaden und ein früher Architekt der Terrorinfrastruktur der Gruppe im Gazastreifen (während er zugleich als »Sozialarbeiter« bei der UNRWA tätig war). Ihm wurden bedeutende Terroranschläge der mittleren 1990er-Jahre als Teil der PIJ-Kampagne zur Sabotage des Oslo-Friedensprozesses zugeschrieben.

Die Ära Ramadan Shallah

Shaqaqis Nachfolger wurde Ramadan Shallah (1958–2020), ein in Gaza geborener Ökonom, der seine Professur an der University of South Florida aufgab, um Generalsekretär einer geschwächten Terrorbewegung zu werden. Shallah übernahm den Posten in einer Phase verschärfter Repressionen durch Israel und zeitweise auch durch die neu gegründete Palästinensische Autonomiebehörde.

Fünf Jahre später wurde die zweite Intifada (2000 bis 2005) zu einer der einflussreichsten Phasen des Islamischen Dschihads: Die Gruppe wurde zum Synonym für Selbstmordanschläge und andere Attacken mit hoher Opferzahl und spielte eine prominente Rolle in der »Schlacht von Dschenin« während Israels Operation Defensive Shield. In dieser Phase handelte der PIJ, wie bereits während der ersten Intifada, häufig in Abstimmung mit der Hamas.

Shallah hielt zudem die Beziehungen zum Iran aufrecht und vertiefte sie noch. »Der Palästinensische Islamische Dschihad ist eine weitere Frucht des fruchtbaren Baumes von Ayatollah Khomeini«, sagte er bei einem Treffen mit dem Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei in Teheran im Jahr 2002. Der Iran zahlte dem PIJ Berichten zufolge Millionen Dollar in Barprämien für Anschläge gegen Israel.

Zugleich trafen israelische Antiterrormaßnahmen die PIJ-Infrastruktur hart und bis 2004 wirkte die Bewegung erneut erheblich geschwächt. Zugleich lernte sie in dieser Phase, gezielte Tötungen hochrangiger Führer und wichtiger Operateure zu überstehen, indem sie ihre Sicherheitspraktiken verschärfte und größere organisatorische Tiefe aufbaute.

Im Laufe der Zeit verlegte sich der PIJ – oft gemeinsam mit der Hamas – von Selbstmordanschlägen auf die stärker »erneuerbare« Strategie des Raketen- und Mörserbeschusses aus dem Gazastreifen, ein Übergang, der maßgeblich durch iranische Finanzierung, Waffenlieferungen und technisches Know-how ermöglicht wurde.

Diese Unterstützung trat während der Operation Pillar of Defense im November 2012 offen zutage, als der Islamische Dschihad und die Hamas erstmals seit Saddam Husseins Scud-Angriffen von 1991 Raketen auf Tel Aviv und Jerusalem abfeuerten. Ihre Arsenale umfassten iranisch konzipierte Fajr-5-Raketen sowie im Gazastreifen produzierte M-75-Raketen, die mit iranischer Technologie gebaut wurden; ein Großteil davon gelangte über Schmuggelnetzwerke via Sudan und Ägypten in den Gazastreifen.

Von den späten 1980er-Jahren bis zur zweiten Intifada arbeiteten der PIJ und die Hamas operativ häufig gegen Israel zusammen und sprechen auch heute noch oft von »Koordination« im »Widerstand«. In den letzten Jahren führten ihre divergierenden Strategien jedoch wiederholt zu Reibungen. Wegen der Beteiligung der Hamas an der Wahlpolitik, ihrer Regierungsrolle im Gazastreifen und ihrer Bereitschaft zur Kommunikation mit der Palästinensischen Autonomiebehörde warf der PIJ ihr vor, vom »Widerstand« abzurücken – bis hin zu Beschuldigungen, die Hamas kollaboriere mit dem »zionistischen Feind«, weil sie bereit sei, sich auf einen »Dialog« mit Israel einzulassen, wenn auch nur indirekt und hinter den Kulissen.

Partner Iran

Die iranische Unterstützung für den PIJ nahm infolge der arabischen Aufstände und des syrischen Bürgerkriegs deutlich zu, was einen Bruch zwischen Teheran und der Hamas offenlegte. Die Hamas unterstützte öffentlich den sunnitischen Aufstand von 2011 gegen Baschar al-Assad, woraufhin sich ihre Beziehungen zum syrischen Regime, das sie beherbergte, verschlechterten. Die in Damaskus ansässige Hamas-Führung versuchte zwar, im Konflikt zu vermitteln, doch ihre politische Führung widersetzte sich den iranischen Forderungen nach einer bedingungslosen Unterstützung für den syrischen Präsidenten – Spannungen, die schließlich im Jahr 2012 zum Weggang der Hamas aus Damaskus führten.

Der Iran reagierte, indem er seine finanzielle Unterstützung für die Hamas von rund hundertfünfzig Millionen Dollar auf etwa fünfzig bis siebzig Millionen reduzierte, hielt jedoch weiterhin Kontakt zu deren Hardlinern wie etwa zu Marwan Issa, dem stellvertretenden Kommandeur der Izz al-Din al-Qassam-Brigaden der Hamas. Der Palästinensische Islamische Dschihad profitierte von dieser Auseinandersetzung, weil Teheran einen Teil seiner Mittel an ihn umleitete, der in der Achse Iran–Syrien–Hisbollah verankert blieb.

Die Folgen der Entfremdung zeigten sich auf dem Schlachtfeld im Gazastreifen. Nachdem Israel im März 2012 den Führer der Terrorbewegung Popular Resistance Committee (PRC), Zuhir al-Qaisi, ausgeschaltet hatte – nach einer Phase mehrerer tödlicher Terroranschläge im August und September 2011 –, feuerten PIJ und PRC Raketen auf israelische Gemeinden ab und die Angriffe eskalierten rasch. Die Hamas blieb jedoch weitgehend außen vor. Sie weigerte sich, sich der Konfrontation des PIJ anzuschließen, kritisierte die Eskalation als rücksichtslos und versuchte, weitere Abschüsse einzudämmen – Schritte, welche die wachsende Distanz zwischen den beiden Gruppen unterstrichen.

Dennoch geriet einige Jahre später auch das Verhältnis des PIJ zum Iran wegen des Ausbruchs des jemenitischen Bürgerkriegs im Jahr 2014 in Schwierigkeiten. Wie zuvor die Hamas weigerte sich auch der PIJ, den vom Iran unterstützten Huthi Hilfestellung zu gewährleisten oder die saudische Militärintervention im Jemen zu verurteilen. Dies führte im Mai 2015 zu iranischen Kürzungen seiner Finanzierung. Das Geld wurde diesmal an die inzwischen aufgelöste al-Sabireen-Bewegung im Gazastreifen umgeleitet, die der Iran förderte, um die Hamas und den PIJ durch einen gefügigeren Stellvertreter zu ersetzen.

Der Islamische Dschihad versuchte seinerseits eine Neuorientierung. Muhammad al-Hindi, einer seiner führenden Funktionäre, reiste in die Türkei und nach Algerien, um finanzielle Unterstützung zu gewinnen – mit einigem Erfolg: 2015 begannen die algerischen Behörden, mit der Gruppe verbundene »humanitäre Projekte« zu finanzieren. Dies kam jedoch nie an die frühere Beziehung des PIJ zum Iran heran und blieb auf sporadische Zahlungen beschränkt.

Die Gruppe eröffnete zudem direkte Kommunikationskanäle nach Saudi-Arabien und näherte sich Ägypten und Jordanien an, um ihre finanziellen Schwierigkeiten zu lindern. Dann, eher unerwartet, sagte die iranische Revolutionsgarde im Mai 2016 dem PIJ eine Überweisung von siebzig Millionen Dollar zu. Dies schien an eine Änderung der Haltung der Gruppe zum Jemen geknüpft gewesen zu sein: Einen Monat später erklärte eine PIJ-Delegation bei einem Besuch der jemenitischen Botschaft in Damaskus seine Unterstützung für »das jemenitische Volk gegen [ausländische] Aggression« und erklärte, den Jemen anzugreifen, sei gleichbedeutend mit einem Angriff auf die palästinensische Sache.

Jan Kapusnak ist Politikwissenschaftler und freier Autor in Tel Aviv. Er schreibt regelmäßig über den Nahen Osten, Israel und geopolitische Fragen. (Teil 2 der Miniserie erscheint morgen hier.)

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